“Ich wäre meinem Sohn am liebsten in den Tod gefolgt”

Nach einem bewegten Leben musste Hannelore Tschofen im Alter einen schweren Schicksalsschlag verkraften. Sie verlor ihren Sohn Wolfgang.
Dornbirn Hannelore Tschofen (81) wuchs in Schruns auf. Ihre Mutter war streng. “Mama hat mich hart erzogen. Sie hat schnell Watschen ausgeteilt.” Von ihrem Vater wurde Hannelore verwöhnt. “Aber wenn er zu viel getrunken hatte, schlug er meine Mutter.”
Hannelore war überall lieber als daheim. So besuchte sie öfters die Schwestern in Maria Rast. “Wir wohnten in der Nähe des Sanatoriums.” Nach der Pflichtschule wollte sie “nur weg von daheim”. Hannelore ging für ein Jahr als Volontärin nach Frankreich in ein christlich geführtes Internat. “Vormittags hatten wir Schule, nachmittags mussten wir im Haushalt helfen.” Die junge Montafonerin hatte kein bisschen Heimweh. “Mir gefiel es gut bei den Augustinerinnen. Sie waren wie Mamas zu uns.” Die Ordensfrauen beeindruckten Hannelore. “Sie strahlten Ruhe und Frieden aus. Das wollte ich für mich auch. Deshalb wäre ich gern ins Kloster eingetreten.” Aber ihre Familie war strikt dagegen.
Traumberuf Krankenschwester
Doch die junge Frau hatte einen Plan B. “Ich wollte mich zur Krankenschwester ausbilden lassen.” Aber auch diesen Plan musste sie verwerfen. Ihrer Mutter mangelte es an Geld. Sie konnte ihrer Tochter die Ausbildung nicht finanzieren. “Das tut mir heute noch weh, dass ich nicht Krankenschwester werden konnte.”
Hannelore begann in einer Textilfabrik zu arbeiten. “Dort lernte ich nähen.” Mit 18 wurde sie schwanger. Sie heiratete den Vater ihres Kindes. Die Ehe währte nur sechs Jahre. “Die Schwiegermutter machte mir das Leben schwer.” Wegen ihr verließ Hannelore ihren Mann.
Nun musste sie sich und ihre zwei Kinder allein durchbringen. “Ich habe in verschiedenen Lokalen geputzt – vor lauter Putzen hatte ich oft offene Hände.” 1974 heiratete Hannelore nochmals. Dieser Mann tat ihr aber nicht gut. “Er hat getrunken und mich geschlagen.” 1981 ließ sie sich scheiden. Drei Jahre später heiratete die inzwischen dreifache Mutter ihn nochmals. “Ich kam von diesem Mann einfach nicht los.” Als er wieder gewalttätig wurde, kehrte sie ihm dann aber endgültig den Rücken.
Rückenprobleme – Job aufgegeben
Inzwischen wohnte und arbeitete die Montafonerin in Dornbirn. “Mich zog es zu den kranken Menschen. Zunächst arbeitete ich in der Küche des Spitals in Dornbirn. Ich durfte dann aber in Innsbruck eine Ausbildung zur OP-Assistentin machen.” Sieben Jahre war Hannelore im OP-Saal tätig. “Dann musste ich den Job wegen Rückenproblemen aufgeben.” Sie wechselte in die Textilbranche und führte bis zur Pensionierung ein Textilgeschäft.”
Im Alter traf sie ein schwerer Schicksalsschlag. Ihr Sohn Wolfgang starb im Jahr 2021 mit 55 Jahren an einem Herzinfarkt. “Ich wäre ihm am liebsten in den Tod gefolgt.” Doch der Glaube half ihr über seinen Tod hinweg. “Ohne meinen Glauben könnte ich nicht leben. Ich bete jeden Tag.” Im nächsten Leben will sie ins Kloster gehen. “Dann wäre ich mit dem Herrgott verheiratet und hätte meinen Frieden.”