Vom Gastgeber zum Gast: “Für mich ist es ein Geschenk”

Zwei Jahre lang stand Hubert Schwarz in der Vinothek Churertor mit über 70 Jahren selbst hinter dem Tresen. Der ehemalige Manager übergibt sein Herzensprojekt. Warum Loslassen für ihn “ein Geschenk” ist und wie der neue Wirt die Weinbar weiterführen will.
Darum geht’s:
- Hubert Schwarz übergibt Vinothek an Christian Scheidbach.
- Scheidbach übernimmt Lokal in Feldkirch mit kleinen Anpassungen.
- Schwarz plant Reisen und bleibt Stammgast.
Feldkirch Hubert Schwarz sitzt dort, wo er fast zwei Jahre lang Gastgeber war. Nun ist er Gast im eigenen Lokal. “Für mich ist es ein Geschenk”, sagt der 73-Jährige und hebt sein Glas. Ein Geschenk, weil genau das eingetreten ist, was er sich schon bei der Eröffnung der Vinothek Churertor gewünscht hatte: loslassen zu können und sein Herzensprojekt in neue Hände zu geben.


Als er das Lokal im Juni 2024 im (Un)Ruhestand mit 71 Jahren eröffnete, erfüllte sich der frühere Blum-Manager – zuletzt Geschäftsführer von Blum Deutschland – einen lang gehegten Traum: Menschen zusammenbringen, Wein ausschenken, für seine Gäste kochen. Gleichzeitig hatte er von Beginn an den Plan, das Lokal nach ein paar Jahren weiterzugeben. “Mein Traum war einfach, Gastgeber zu sein. Und dann an jemand Jüngeres zu übergeben, der dadurch ohne Risiko starten kann”, erinnert sich Schwarz.
Kein unbekanntes Gesicht

Mit Christian Scheidbach hat er nun den passenden Nachfolger gefunden. Der 41-Jährige ist in der Feldkircher Gastroszene kein Unbekannter: acht Jahre lang war er im Dogana tätig, davor in der Weinhandlung Bengodi und im Montforthaus. Der Schritt in die Selbstständigkeit sei dennoch wohlüberlegt gewesen. “Natürlich habe ich mir die Fragen gestellt, die sich jeder stellt: Traue ich mir das zu? Klappt das wirklich?”, sagt Scheidbach. “Aber nach und nach bin ich immer mehr zu der Überzeugung gekommen, dass es genau das Richtige ist.”


Wesentlich für Schwarz war die Gewissheit, die Vinothek in vertrauensvolle Hände zu geben und den Stil zu bewahren. Der Name bleibt, ebenso das grundsätzliche Konzept der Weinbar. Rund 95 Prozent der Gäste seien Stammkundschaft, was für den Übernehmer ein beruhigender Startvorteil darstellt. Scheidbach will das Bestehende mit eigenen Akzenten ergänzen, etwa mit saisonalen Schwerpunkten auf der kleinen Speisekarte.

Die Leidenschaft für das Gastgeben teilen die beiden: “Man lernt so viele neue Leute kennen, kommt ins Gespräch, das macht einfach Spaß”, sagt Scheidbach. Schwarz fügt hinzu: “Die Gäste merken sofort, ob das gespielte Freundlichkeit ist oder ob jemand mit Begeisterung dabei ist.” Dieses Authentische, die persönliche Note, soll auch unter der neuen Leitung spürbar bleiben.

Bei aller Freude über die Übergabe spricht Hubert Schwarz auch offen über die Schattenseiten der Gastronomie. Vor allem die Bürokratie lastet schwer, berichtet er aus seiner zweijährigen Erfahrung als Gastronom: “Wenn ich jeden Morgen eine Kühlung kontrollieren muss, was man ja eh macht, und dann auch noch ein Protokoll schreiben muss, dass ich es überprüft habe. Oder die ganzen Hygienevorschriften. Das nimmt inzwischen Überhand.” Dokumentationspflichten und zusätzliche Nebenkosten machten das Geschäft aufwändig. Oft wurde Schwarz gefragt, ob er sich das Gastronomendasein so vorgestellt habe: “Da antworte ich: Ja, eigentlich genau so!” Unterschätzt habe er allerdings “das Davor und Danach” – die Organisation, das Planen, das permanente Mitdenken auch nach den Öffnungszeiten.

Nach kleineren Arbeiten im Februar ist das Lokal in der Innenstadt bald wieder geöffnet. “Anvisiert ist der 7. März”, verrät Scheidbach. Ein großes Eröffnungsfest sei aber nicht geplant: “Ich möchte die Gäste abholen, die bisher gern gekommen sind, und solche, die mich und das neue Lokal kennenlernen wollen.”
Für Schwarz beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Zuerst geht es zu seinem Weinberg ins Burgenland, im April nach Indonesien, danach plant er eine Weitwanderung quer durch Österreich. Dem Churertor bleibt er als Gast erhalten.