Wirbel um Schaaner-Ried-Fahren: “Feuerwerk gehört sicher nicht dazu”

Die Änderungen beim Umzug sorgen für Debatten. Das sagt der Brauchtumsexperte dazu.
Frastanz Die Änderungen beim Schaaner-Ried-Fahren in Frastanz sorgen für Wirbel. Vor allem der Verzicht auf das Feuerwerk hat teils hitzige Diskussionen im Forum unter dem VN-Beitrag ausgelöst. Einige finden es gut, viele zeigen sich aber auch enttäuscht. „Schaaner Ried ohne Feuerwerk: Nein danke. Wir bleiben mit der Familie zu Hause! Kann man vergessen“, ärgert sich ein Teilnehmer. Ein anderer schreibt: „Der Fasching und Funkensonntag werden zu Tode beruhigt. […] Alles Traditionelle, was unsere Kultur und das gesellschaftliche Dorfleben ausmacht, wird vor dem Hintergrund von Umweltschutz und Wokeness kaputtgemacht.“

Historiker und Brauchtumsexperte Manfred Tschaikner schüttelt den Kopf. „Feuerwerk gehört sicher weder zum Funken noch zum Schaaner-Ried-Fahren. Wenn man von Traditionen redet, dann kann man nicht nur von den letzten 20 Jahren reden, sondern muss vom Sinn der Tradition ausgehen, und der Sinn der Tradition hatte nie etwas mit einem Feuerwerk zu tun“, unterstreicht Tschaikner und ergänzt: „Das Feuerwerk ist eine völlig kontraproduktive Sache. Es lenkt von dem ab, was es eigentlich sein soll. Wenn man etwas Besonderes zelebrieren möchte, dann sollte man es eigentlich nicht durch eine Ablenkung aufmotzen müssen.“


Ein zentrales Element des Umzugs am Rosenmontag bleibt das Ausrufen der ledigen Bewohner der Gemeinde (Frauen ab 30 Jahren und Männer ab 35 Jahren). Anders ist heuer allerdings, dass die Betroffenen im Vorfeld persönlich um ihr Einverständnis gebeten werden. Der Brauch war nicht immer unumstritten. Auch im Vorjahr wurden deswegen Bedenken geäußert (siehe VN-Bericht). Laut Manfred Tschaikner ist das Ausrufen als Bloßstellung gedacht. „Diese noch öffentlich zu zelebrieren, kann eine alte Gesellschaft machen, die von sozialem Druck lebt. Aber heute wird sozialer Druck abgelehnt, und wenn man es trotzdem praktiziert, dann wird es natürlich heikel“, gibt auch der Brauchtumsexperte zu Bedenken.
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Das Schaaner-Ried-Fahren wird in Frastanz seit Ende des 19. Jahrhunderts veranstaltet. „Ein findiger Industrieller hat den Brauch aus Tirol übernommen, wo er schon lange praktiziert wurde. In Frastanz haben sie ihn als erfolgreiches Brauchtum scherzeshalber eingeführt“, erläutert der Historiker. Hintergrund der Tradition ist es, junge Männer dazu zu bewegen, endlich ihre Pflicht für die Gesellschaft zu erfüllen, also zu heiraten und für die Reproduktion der Dorfbevölkerung zu sorgen.