Hexen als Risiko für Weltkulturerbe? “Das könnte den Funken gefährden”

Beim Vorderachmühler Funken steht keine Hexe, sondern “etwas” auf dem Funken. Die Besucher müssten sich selbst fragen, was sie darin sehen wollen. Die Erwartungshaltung der Gesellschaft müsse thematisiert werden, nicht nur die Zünfte.
Darum geht’s:
- Vorderachmühler Funken ist einer der ältesten in Dornbirn.
- Gesellschaftliche Debatte geht für Matthias Ofner nicht weit genug.
- Figur auf dem Funken müsse sich zu einem “Etwas” wie einen Wintergeist wandeln, so wie er sich vor 200 Jahren zur Hexe wandelte.
Dornbirn Der Vorderachmühler Funken ist einer der ältesten in Dornbirn. Hier geht es traditionell zu: Zu essen gibt es vor allem Schübling wie auch schon vor hundert Jahren; man versteht sich als Funkenzunft, nicht als Fasnatverein. Am Funkenplatz sieht man am Mittwoch außer einen Aushang noch nichts, der Aufbau steht noch an. Natürlich wird der Funken am Sonntag und nicht am Samstag entfacht. Und auf dem Funken: “Wenn man mich fragt, kann sich jeder selbst ein Bild machen. Die einen sehen einen Gnom, die anderen einen Zwerg. Für uns ist es ein ‚Etwas‘”, betont Funkenmeister Matthias Ofner. Was es für die Zunft nicht ist: Eine Hexe oder grundsätzlich eine Frau. Dafür will man nicht stehen.
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Gesellschaft müsse sich ändern, nicht nur Zünfte
Ofner hat Verständnis für die öffentliche Debatte. “Als ich in der Schule war, hat noch niemand die Hexe als Frau wahrgenommen”, betont er den wandelnden Zeitgeist. Für viele inner- und außerhalb der Zünfte gibt es keine Verbindung zwischen der Idee einer Funkenhexe und Frauen, für andere eben schon.

Es sei aber unfair, hier nur auf die Zünfte zu zeigen. Die Vorderachmühler versuchten es mit einem Schneemann, was aber nicht nur auf Gegenliebe traf. “Dass auf einem Funken eine Hexe verbrannt werden muss, wird den Kindern bereits in der Schule und zu Hause schon mitgegeben”, erklärt der Funkenmeister. Manche stellen dies in späteren Lebensjahren infrage. Andere sehen dies eben aufgrund dieser Prägung als fixer Bestandteil der Tradition.

Der Wandel müsse entsprechend auch in den Familien, Kindergärten und Schulen einsetzen, die Figur wieder als geschlechtsloses Etwas wie einen Wintergeist zu identifizieren. Ansonsten drohe, dass weitere Generationen aufgrund der Figur den Funkenbrauch infrage stellen.
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Ihre Zunft geht in den vergangenen beiden Jahren weg von der Hexe mit Besen. Derzeit wird das “Etwas” von der Funkenjugend an einem geheimen Platz gebaut, da auch die Tradition des Stehlens vor dem Funken in Dornbirn hochgehalten wird. Nicht einmal Ofner weiß, wie das “Etwas” am Sonntag auf dem Funken aussehen wird.
Belastungsprobe

Die Frage, ob der Funken und die Identität der Figur darauf zweierlei sind oder untrennbar miteinander verbunden, habe vor wenigen Jahren beinahe die Funkenzunft gespalten. Entsprechend ernst nimmt man die anhaltende Debatte. Auch Ofner verweist auf den Fakt, dass der Funken Jahrhunderte ohne Hexe auskam. Erst im 19. Jahrhundert wurde es eine Hexe, da es Publikum anlockte. Damals warb man dezidiert für eine Hexenverbrennung als romantisch verklärtes Spektakel.
Hexe wird zum Risiko
Was vor 150 Jahren den Funken rettete, bedrohe nun seine Zukunft. “Ich war auf der Sitzung im September”, betont der Vorderachmühler. “Wir müssen von der Hexe als Idee wegkommen, sonst wird es den Funken in einigen Jahrzehnten nicht mehr geben”, ist er überzeugt.

Wird die UNESCO im schlimmsten Fall den Status als Weltkulturerbe aberkennen, werde es für die Zünfte schwieriger. “Keine Gemeinde will sich nachsagen lassen, ein Weltkulturerbe zu gefährden”, erklärt Ofner. Wenn es aber nicht mehr geschützt ist, werde sich das auch auf die Auflagen an die Zünfte niederschlagen.