Jede zweite Gemeinde schrumpft

Vorarlberg: Auch in Bregenz, Bludenz und Feldkirch wächst die Bevölkerung nicht mehr.
SCHWARZACH. Bregenz und Brand sind nicht die einzigen Vorarlberger Gemeinden, in denen es 2025 einen Bevölkerungsrückgang gegeben hat. In Bregenz war er jedoch absolut (mit minus 201 Personen) und in Brand prozentuell (mit minus zweieinhalb Prozent) am größten.
Die Gründe sind unterschiedlich. Es steht jedoch für einen Trend: Vorarlberg insgesamt ist erstmals seit Längerem kaum noch gewachsen. Die Bevölkerung hat nur um 0,1 Prozent bzw. 572 auf 412.356 zugenommen. Schaut man sich die Entwicklung in den 96 Gemeinden an, stellt man fest, dass es in der Hälfte sogar einen Rückgang gegeben hat.
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Wobei es sich nicht nur um ein ländliches Phänomen handelte. Mehr oder weniger leicht geschrumpft sind etwa auch die Städte Bregenz, Feldkirch und Bludenz. In der Landeshauptstadt liegt die Einwohnerzahl seit 2018 unter der damaligen von 29.805. Zuletzt betrug sie 29.275.
“Man merkt, dass sich Geburten und Sterbefälle quasi ausgleichen”, sagt Bürgermeister Michael Ritsch. Dass es also keinen Geburtenüberschuss mehr gibt: “Das macht was.” Ziel bleibe jedoch ein Wachstum. Ritsch hofft, dass Bregenz durch den Bau von 600 gemeinnützigen Wohnungen in den kommenden Jahren zu einem Ort wird, in dem das Leben wieder für mehr Menschen erschwinglicher ist.
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Wichtig für Gemeinden: Zur Bevölkerung gezählt werden Bewohner mit Hauptwohnsitz. Nur für sie gibt es im Rahmen des Finanzausgleichs auch Geld. Daher ist jeder Rückgang schmerzlich. Bei Nebenwohnsitz-Bewohnern gehen die Kommunen leer aus. Dabei geht es laut Ritsch in Bregenz um rund 3000 Personen. Umso wichtiger sei es, dass neuerdings eine Zweitwohnsitzabgabe eingehoben werden könne.

In Feldkirch ist die Bevölkerung laut Statistik Austria im vergangenen Jahr (minus 0,2 Prozent auf 36.645) ebenso zurückgegangen wie in Bludenz (minus 0,7 Prozent). Dort hatte sie das auch schon 2024 getan und nun haben etwas weniger als 15.000 Menschen ihren Lebensmittelpunkt. Man sehe sich noch in der “normalen Schwankungsbreite”, heißt es bei der Stadt. Zwischen 2005 und 2012 habe es vorübergehend schon einmal eine negative Bilanz gegeben.
Den prozentuell stärksten Rückgang gab es 2025 in Brand (minus 2,5 Prozent). Mit 735 Personen sind hier in Summe schon um 53 weniger zu Hause als im Jahr 2023. “Als Abgangsgemeinde würde ich uns nicht sehen”, betont Bürgermeister Klaus Bitschi jedoch: “Die Grundbevölkerung ist stabil bis wachsend.” Zur Veränderung der Gesamtsumme würden Effekte führen, die mit dem Tourismus einhergehen; dass sich Leute also etwa nur vorübergehend niederlassen.
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Touristisch ist auch Warth. Dort ist die Bevölkerung prozentuell mit 8,2 Prozent am stärksten gewachsen im vergangenen Jahr. Das steht für ein Plus von 15 Personen und ist nicht ganz ungewöhnlich für den Ort: Seit 2014 ist er alles in allem um gut ein Drittel auf 199 Einwohner gewachsen. Bürgermeister Stefan Strolz spricht von Folgen eines Generationswechsels, der bei vielen Familien gleichzeitig laufe: “Wir haben zurzeit zwölf Kinder im Kindergarten.” Es werde sogar zu einem Thema, dass die Volksschule wieder eröffnet wird: Sie ist vor 15 Jahren von nur noch vier Kindern (davon zwei aus dem benachbarten Tirol) besucht und zugesperrt worden.

Im Plus waren 2025 unter anderem auch Dornbirn (0,3 Prozent auf 52.258) und Lustenau (0,4 Prozent auf 24.707). Die meisten Einwohner sind jedoch in Hohenems dazugekommen: Die Stadt wuchs um 1,3 Prozent bzw. 229 auf 17.661. Es war normal für dortige Verhältnisse: Seit vielen Jahren geht es stetig nach oben: “Aus unserer Sicht ist das vor allem das Ergebnis einer konsequenten Stadtentwicklung und einer hohen Lebensqualität”, sagt Bürgermeister Dieter Egger: Man investiere in attraktive Wohnräume, wirtschaftliche Rahmenbedingungen sowie Schulen und Kindergärten, “um Familien langfristig eine gute Perspektive zu bieten.”