Lawinenwochenende und Straßensperre am Arlberg: “Bei uns gingen Hunderte Anrufe ein”

Allein dieses Wochenende forderte sieben Lawinentote in Österreich. Am Arlberg wurde die Zufahrt nach Lech verlegt. Landeswarnzentrale und Notärzte warnen Wintersportler.
Dornbirn, Lech Susanne Moll, Leiterin der Polizeiinspektion Lech, kennt als frühere Profi-Wintersportlerin und Olympionikin die Gefahren. In der Nacht auf Sonntag war die Arlberggemeinde aufgrund der Lawinengefahr über Zürs nicht erreichbar. Sie war in der Nacht im Einsatz.

“Im Laufe des Tages hat man gemerkt, der Schneefall hört nicht auf und es wird immer mehr”, beschreibt Moll. Als dann nach dem Lawinenabgang auf die L198 zwischen Zürs und dem Flexenpass die Fahrbahn auf einer Länge von rund 30 Metern bis zu 1,20 Meter hoch verschüttet wurde, entschied sich die Lawinenkommission für die Sperre.
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An sich nichts Ungewöhnliches für den Arlbergort, zuletzt musste im Jänner 2021 die Straße aufgrund der Schneelage gesperrt werden. “Bei uns gingen sicher hundert Anrufe ein, da bist du dann als Polizei die Informationszentrale”, erklärt Moll. Entsprechend war der Posten durchgehend besetzt, während Streifen draußen für die Sicherheit sorgten. Über das Wochenende gab es im Arlbergmassiv kontrollierte Lawinensprengungen, etwa am Omeshorn.
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Notarzt warnt: Vernunft vor Ego
“Lawinengefahr ist kein Kalkül, sondern Lebensgefahr”, warnt Claus Rädler. Er ist Primar der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin am Krankenhaus Dornbirn, Bergretter und seit Jahren einer der Notärzte im Team des Rettungshubschraubers Christophorus 8, betrieben von der Bergrettung und dem ÖAMTC. Allein am Freitag war er dadurch bei drei Lawinenabgängen im Einsatz.
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Angesichts der hohen Lawinengefahr warnt er, mit einem entsprechenden Verantwortungsbewusstsein in die Berge zu gehen. Er zieht den Vergleich zum professionellen Risikomanagement im Beruf: Zuerst sich informieren, die Informationen reflektieren und dann die Konsequenzen daraus ziehen. Er rät daher, vor jedem Ausflug in die Berge den Lawinenlagebericht zu konsultieren. Hier dürfe man nicht das eigene Ego über die Vernunft siegen lassen, warnt der Notarzt und Primar auch in den sozialen Netzwerken. “Die größte Stärke ist oft die Entscheidung zur Umkehr. Sicherheit ist kein Zufall, sondern das Ergebnis verantwortungsvoller Entscheidungen.”
AT-Alert
Am Sonntagvormittag wurde erstmals landesweit wegen anhaltender hoher Lawinengefahr der AT-Alert ausgelöst. Vielerorts herrscht oberhalb der Waldgrenze Lawinenwarnstufe vier von fünf. Lawinen könnten nicht nur von einzelnen Wintersportlern ausgelöst werden, auch “Fernauslösungen und spontane Lawinen sind weiterhin zu erwarten”. Tirol hat bereits am Samstag über das neue Warninstrument vor Lawinen gewarnt.

Vor Aktivitäten abseits der gesicherten Bereiche wird in beiden Bundesländern ausdrücklich gewarnt. Variantenabfahrten sollten vermieden, der Lawinenlagebericht der Landeswarnzentrale beachtet werden. Auch bis zu 24 Stunden nach der Ausgabe erhalten neu eingeloggte Mobiltelefone im Warnbereich diese Meldung, beispielsweise neu ankommende Winterurlauber. Der Wärmeeinbruch der nächsten Tage wird für keine Entspannung sorgen, die Warnstufe bleibt hoch.
Am Arlberg seien viele Skifahrer sehr gut ausgestattet unterwegs, oft vertraue man auf die Skiführer, hat Susanne Moll am Arlberg grundsätzlich eine positive Wahrnehmung. Doch auch ihr Rat: “Eine gute Ausrüstung allein sagt noch nicht aus, dass man ‚safe‘ unterwegs ist. Man muss sich gut informieren und es sich gut überlegen und nicht einfach drauflosfahren.”
Sieben Tote durch Lawinen
In Österreich gingen seit Freitag Dutzende von Lawinen ab. Am Samstag wurde ein 41-jähriger Österreicher in Serfaus in Tirol abseits der Piste von einem Schneebrett erfasst, er verstarb im Krankenhaus. Ein 21-jähriger Slowake wurde in der Steiermark von einem Schneebrett verschüttet, er starb unter den Schneemassen.
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Am Freitag verstarben fünf Wintersportler durch Lawinenabgänge: In St. Anton am Arlberg starben ein US-Bürger, ein Pole und ein 21-jähriger Österreicher durch ein gewaltiges Schneebrett, das fast einen Kilometer weit ins Tal rauschte. In Tirol wurde ein 42-jähriger Skifahrer aus Thüringen abseits der Piste von einer Lawine getötet. Sein 16-jähriger Sohn überlebte schwer verletzt. Ein weiterer Lawinentoter wurde von der Polizei in Fiss in Tirol gemeldet. Der 71-jährige Niederländer trug kein Lawinensuchgerät, das im Notfall das Auffinden erleichtern kann. In Österreich starben in dieser Saison bereits 20 Menschen bei Lawinenabgängen, so viele wie durchschnittlich in einer gesamten Wintersaison.
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Hinzu kommt ein tödlicher Skiunfall abseits der Piste in der Silvretta. Der 61-Jährige wurde tot unter einem Baum gefunden, nachdem er nicht beim Treffpunkt bei seinem 15-jährigen Sohn erschienen war.