Wie Wohnkosten den Vorarlbergern zusetzen

Vorarlberg / 08.03.2026 • 14:26 Uhr
Wie Wohnkosten den Vorarlbergern zusetzen
2019/20 sind beim durchschnittlichen Haushalt hierzulande 25,7 Prozent der Ausgaben auf Wohnen entfallen. Zuletzt waren es bereits 27,4 Prozent. Foto: VN/Steurer

Konsumerhebung: Aufgrund des Anstiegs bleibt weniger Geld für andere Dinge übrig.

SCHWARZACH. Wohnen in Vorarlberg ist schon lange teuer und in den vergangenen Jahren noch teurer geworden. Eine Folge davon kommt in den Ergebnissen der „Konsumerhebung 2024/25“ zum Ausdruck, die die Statistik Austria alle fünf Jahre durchführt: Hierzulande mussten sich viele Haushalte in anderen Bereichen einschränken.

Der durchschnittliche Vorarlberger Haushalt hat rechnerisch 2,1 Mitglieder und 2024/25 Monat für Monat 4230 Euro ausgegeben. Der größte Teil davon entfiel mit 1160 Euro bzw. 27,4 Prozent auf den Bereich „Wohnen und Energie“. Das war deutlich mehr als fünf Jahre zuvor. Damals hatte es sich um 921 Euro bzw. 25,7 Prozent der Gesamtausgaben von seinerzeit 3590 Euro gehandelt.

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„Der Spielraum für andere Dinge ist kleiner geworden“, sagt Dominic Götz von der Arbeiterkammer. Tatsächlich gibt es einzelne Ausgabenposten, bei denen eine gegenläufige Entwicklung feststellbar ist. So sind die monatlichen Ausgaben für Reisen mit 158 Euro auf ein niedrigeres Niveau gesunken.

Bei den Ausgaben für Gastronomie und Beherbergung ging’s indes nach oben. Hier ist es zwar zu massiven Preisanstiegen gekommen. Darauf, etwas essen oder trinken zu gehen, wollten oder konnten viele aber nicht verzichten. Die monatlichen Aufwendungen dafür sind in den vergangenen fünf Jahren um mehr als ein Viertel auf 281 Euro pro Haushalt geklettert.

Standort-Rating 2025
„Der Spielraum für andere Dinge ist kleiner geworden“, sagt Dominic Götz von der Arbeiterkammer. Tatsächlich wird zum Beispiel weniger für Reisen ausgegeben. Foto: AK/Mathis

Die erwähnten Ausgaben für Wohnen und Energie in Höhe von 1160 Euro lagen leicht über dem Bundesmittel. Dabei müsse jedoch berücksichtigt werden, dass Energie hierzulande relativ günstig ist, so Götz: Das unterstreiche, dass für Mieten etwa vergleichsweise viel Geld erforderlich sei.

Auf Haushaltsenergie allein entfallen in Vorarlberg 149 Euro. Das ist nicht nichts, aber weniger als in allen anderen Bundesländern. Selbst in Wien, wo Strom eher nur für Wohnungen und kaum für Einfamilienhäuser gebraucht wird und auch nur in solchen geheizt werden muss, handelt es sich mit 156 Euro um mehr.

Wie Wohnkosten den Vorarlbergern zusetzen
„Das ist eine Entwicklung, mit der wir uns nicht einfach abfinden dürfen”, warnt Caritasdirektor Walter Schmolly. Foto: VN/Stiplovsek

Zu den größten Ausgabenposten insgesamt zählt hierzulande außerdem der Bereich Ernährung und alkoholfreie Getränke. Wie beim Wohnen war die Teuerung hier massiv und sind die Möglichkeiten, sich einzuschränken, begrenzt. Ergebnis: Wurden 2019/20 411 Euro dafür aufgewendet, so waren es zuletzt 487 Euro.

Die Entwicklung stelle vor allem für Haushalte mit wenig Geld ein Problem dar, erläutert Götz: „Bei ihnen kommt es zu einer doppelten Betroffenheit.“ Damit gemeint ist dies: Das „unterste Zehntel“ der Haushalte muss ungefähr zwei Drittel von dem, was es hat, allein für Wohnen und Lebensmittel aufwenden. Es spürt Preissteigerungen hier daher ungleich stärker als das „oberste Zehntel“, bei dem nur gut 30 Prozent darauf entfallen.

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Wie groß die Betroffenheit ist, erfährt man auch bei der Caritas: Sie wird von mehr und mehr Menschen kontaktiert, die nicht mehr weiterwissen. „2005 haben wir um 30 Prozent mehr Lebensmittelgutscheine und finanzielle Überbrückungshilfen für Wohnkosten ausgegeben als im Jahr davor, um Menschen in absoluten Notsituationen aufzufangen“, berichtet Direktor Walter Schmolly. Bei vielen liege eine sogenannte Wohnkostenüberbelastung vor. Das bedeutet, dass mehr als 40 Prozent des verfügbaren Einkommens auf Wohnkosten entfallen. „Das ist eine Entwicklung, mit der wir uns nicht einfach abfinden dürfen“, so Schmolly. Zumal zu befürchten sei, dass der Druck weiter zunehmen werde.