Helfen als Familiensache

Vorarlberg / 27.03.2026 • 11:00 Uhr
Arthur Natter
Margit und Arthur Natter werden trotz “Ruhestand” nicht mit der Unterstützung aufhören.

Mit 90 übergab Arthur Natter sein Herzensprojekt “Blume” an den Sohn.

Wolfurt Mit über 70 hat sich Arthur Natter noch der Aufgabe gewidmet, den Betrieb eines mongolischen Kindergartens zu unterstützen. Jetzt, mit 90, gab er den Staffelstab an seinen Sohn Edgar und dessen Frau Gabriele weiter. Mit den Enkeln Sarah und Daniel ist sogar schon die dritte Generation dabei. Das Projekt der Wolfurter Familie Natter und der mongolischen Familie Bindheriya startete 2011. Mithilfe zahlreicher Spenderinnen und Spender konnte es bis heute am Leben erhalten werden. „In diesen 15 Jahren hat sich ein Bildungsprojekt entwickelt, das bislang über 1150 Mädchen und Buben den Besuch des Kindergartens in Darhan ermöglichte“, zieht der Jubilar eine positive Bilanz. Die “Blume”, so der Name der Einrichtung, soll auch weiterhin in Darhan blühen.

Arthur Natter
Ein bunter hoffnunggebender Farbklecks inmitten von Armut: der Kindergarten “Blume”.

Harte Bedingungen

Vergangene Woche war Michelle Binderiya in Wolfurt. Sie nützte die Zeit auch für einen Besuch bei Arthur und Margit Natter. Zudem wurde in Zusammenarbeit mit Bruder und Schwester in Not ein Zweijahresplan für das Projekt in Darhan erstellt. Unter anderem sollen zur Entlastung von Michelle zwei zusätzliche Pädagoginnen und eine Verwaltungsassistentin eingestellt werden. Ebenso steht die Idee eines Volontariats im Raum. Die harten Bedingungen in der Mongolei mit Temperaturen im Winter von minus 30 und im Sommer von plus 30 Grad und mehr nagen aber auch an der baulichen Substanz. Die Heizung gab den Geist auf, was einen Wasserschaden zur Folge hatte, und der Verputz bröckelt. Eine Ziegelkonstruktion mit zusätzlicher Dämmung soll die Außenhaut des Gebäudes zukünftig besser schützen.

Arthur Natter
Edgar und Gabriele Natter (l.) sind schon länger in das Projekt von Margit und Arthur involviert. Michelle ist dankbar für die Unterstützung.

Das alles kostet Geld. „Wir hoffen, dass die Unterstützung für den Kindergarten weitergeht“, wünschen sich die Nachfolger, Gabriele und Edgar Natter. Der Kindergarten wirke weit über die Betreuung hinaus. „Er schafft Arbeitsplätze in einer Gegend, in der die Arbeitslosigkeit hoch ist, sodass die Kinderbetreuerinnen und ihre Familien ein gesichertes Leben führen können“, hebt Edgar Natter die Bedeutung der „Blume“ hervor. Er und seine Frau wollen den Gründungsgedanken der Eltern jedenfalls fortführen, der da lautet: mongolischen Kindern aus armen Bevölkerungsschichten sicheren Raum und pädagogische Betreuung zu geben, ihnen Hygiene und eine warme Mahlzeit am Tag anzubieten sowie einen guten Schuleinstieg zu ermöglichen, um langfristig ihre Bildungs- und Lebensperspektiven zu verbessern.

Arthur Natter
Im Kindergarten ist jeden Tag für eine gesunde Mahlzeit gesorgt.

Tiefe Freundschaft

Arthur Natter, der am Donnerstag den Neunziger feierte, hatte nach seiner Pensionierung mit großer Beharrlichkeit begonnen, Spenden für das Projekt zu sammeln. Hilfreich zur Seite stand ihm Ehefrau Margit, die den Weg zu diesem Engagement bereitete. Jahrelang sorgte sie für den Blumenschmuck in der Pfarrkirche. Eines Tages kam eine junge Mongolin zu ihr und fragte, ob sie helfen könne. Aus dieser ersten Begegnung entwickelte sich eine tiefe Freundschaft. Michelle kehrte in die Heimat zurück, kam aber zwei Jahre später wieder nach Wolfurt, diesmal mit einem Anliegen im Gepäck. Sie suchte Unterstützung für den Bau eines Kindergartens. Bei Familie Natter und Bruder und Schwester in Not stieß sie auf offene Ohren und Herzen. Inzwischen sind auch die Enkel Sarah und Daniel sowie deren Partner eingestiegen. Die Jungen arbeiten an einem Social-Media-Auftritt, über den künftig regelmäßig Informationen zum Stand des Projekts vermittelt werden.

ZUR PERSON

Arthur Natter
Geboren 26. März 1936
Beruf Ingenieur, Entwickler von drei Patenten im Bereich Umwelttechnik
Wohnort Wolfurt
Familienstand verheiratet, 4 Kinder, 5 Enkel und 3 Urenkel
Spendenkonto IBAN AT23 2060 4000 0003 5600; Verwendungszweck: Kindergarten Mongolei

Arthur Natter

Dieser Weg in der monglischen Weite führt zum Kindergarten.
Arthur Natter
Arthur und Margit Natter mit Michelle Bindheriya.
Arthur Natter
Die Gegend rund um die Kindergarten “Sumdaritsetseg” ist karg und ärmlich.