Gekommen, um zu bleiben

In Wolfurt hat sich Zia Malikzai mit seiner Schneiderei ein neues Leben aufgebaut.
Wolfurt Zia Malikzai ist angekommen in Vorarlberg – so sehr, dass er Heimweh bekommt, wenn er einmal ein paar Tage weg ist. „Ich muss dann wieder zurück ins Ländle – erst dann komme ich wieder zur Ruhe“, sagt der Mann, der vor elf Jahren aus Afghanistan geflohen ist und hier eine zweite Heimat gefunden hat.

Seit acht Jahren betreibt Zia Malikzai eine kleine Änderungsschneiderei in der Kellhofstraße 5 in Wolfurt. „Ich repariere und ändere alles – von der Outdoorjacke bis zum Vorhang“, erzählt er. Er arbeitet mittlerweile an vier Nähmaschinen, darunter eine Overlock-, eine Stepp- und eine Knopflochmaschine. Alle hat er entweder gebraucht gekauft oder geschenkt bekommen.

Alle Änderungen
In Afghanistan arbeitete Zia Malikzai als Maßschneider. In Österreich wäre dafür noch einmal eine Ausbildung nötig. „Dazu bin ich zu alt“, sagt er. „Aber ich bin zufrieden mit meiner Änderungsschneiderei. Die Arbeit macht mir Spaß und ich habe viele Stammkunden.“ Über weitere Kundinnen und Kunden freut er sich aber immer. „Es dürfen gern noch mehr werden“, sagt er. Und auch wenn er in seinem kleinen Geschäft fast alles möglich macht, gibt es eine Tätigkeit, die er weniger gern erledigt: „Auftrennen – das ist das Blödeste. Das braucht so viel Zeit. Das Nähen dagegen liebe ich.“

Neu: Handyzubehör
Seit zwei Wochen verkauft er in seiner Änderungsschneiderei zusätzlich Handyhüllen, Kabel und Schutzgläser. „In Wolfurt gibt es keinen Handyladen. So müssen meine Kunden nicht extra nach Dornbirn oder Bregenz fahren“, sagt er. Gleichzeitig hilft es, den Lebensunterhalt zu sichern. „Es ist nicht so einfach, die Familie nur mit den Änderungen durchzubringen, und die Miete fürs Geschäft ist gestiegen.“ Die Preise für das Handyzubehör orientieren sich am Internet, doch hier kann man die Ware ansehen und sich beraten lassen.

Besonders stolz ist Zia Malikzai auf die neue Theke mit Schaukasten. Gebaut hat sie sein Sohn Iman (13), der die zweite Klasse Mittelschule besucht. „Er ist sehr tüchtig, fleißig und ein guter Schüler.“ Iman lebt seit vier Jahren in Österreich und spricht „tipptopp Deutsch“, wie sein Vater sagt. Mit der Familienzusammenführung erfüllte sich für Malikzai ein großer Traum. „Endlich waren wir wieder zusammen.“

Familienzusammenhalt
Zur Familie gehören Ehefrau Wahgma und die Kinder Sedra (19), Neda (14), Iman, Heda (10) und der kleine Azan (2), der als Einziger in Österreich geboren ist. „Ein echter Vorarlberger“, sagt Malikzai und lacht. Alle Kinder haben sich gut eingelebt. „Gute Lehrer, nette Leute – wir haben viel Unterstützung bekommen.“ Eine Rückkehr nach Afghanistan kommt für ihn nicht infrage. „Hier haben unsere Kinder viel bessere Chancen. In Afghanistan dürften die Mädchen gar nicht in die Schule gehen.“
Ein Schmerz bleibt: Sein Vater und seine Geschwister leben noch dort. Seit elf Jahren hat er sie nicht gesehen. Besonders schwer traf ihn der Tod seiner Mutter, von der er sich nicht mehr verabschieden konnte. „Ich telefoniere jeden Tag mit meinen Geschwistern“, sagt er leise. Trotzdem ist für ihn klar: „Afghanistan ist Vergangenheit. Unsere Zukunft ist hier. Ich möchte nirgendwo anders mehr leben.“ Sein größter Wunsch wäre, auch seine Familie nach Vorarlberg holen zu können. Und vielleicht ein neues Geschäftslokal, näher an der Straße, mit etwas mehr Laufkundschaft.
Bis dahin sitzt er Tag für Tag an seinen Nähmaschinen, flickt Lieblingsstücke und näht Zukunft. Seine Änderungsschneiderei hat von Montag bis Freitag von 8.30 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr geöffnet – der Samstag gehört der Familie.
Zur Person
ZIA MALIKZAI
GEBOREN 12. März 1987
WOHNORT Wolfurt
BERUF Schneider
FAMILIE verheiratet, 5 Kinder
HOBBY Karate bei Eva Kathrein/Karate Wolfurt







