Wie ein einfaches Hagelnetz ein Autohaus ausbremsen kann

Richtlinien, Gutachten, Bewilligungsverfahren: Kfz-Betriebe im Land kämpfen mit immer neuen bürokratischen Hürden.
Nüziders Der Parkplatz im Industriegebiet ist gut gefüllt. Stoßstange an Stoßstange stehen hier Neuwagen der Marken des Porsche-Konzerns. Lange war die wertvolle Lagerfläche ungeschützt, doch Wetterextreme der letzten Zeit haben Firmenchef Rudi Lins auf den Plan gerufen. “Hagel wird ein immer größeres Thema. Versicherungen spielen da gar nicht mehr mit oder sind irrsinnig teuer”, so der Unternehmer. Eine naheliegende Lösung sei deshalb ein Hagelnetz gewesen. “Ich dachte, das ist kein allzu großer Akt”, erinnert sich Lins. Das war im November 2024. Das Bauvorhaben hat schließlich den Behördenapparat in Gang gesetzt. Bauantrag, Bauverfahren, Sachverständige, Gutachten: der ganz normale Bürokratie-Wahnsinn in diesem Land nahm demnach seinen Lauf.
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Hagelnetze sind nichts Ungewöhnliches. An malerischen Bergwiesen im Südtirol etwa spannen sie sich kilometerweit als Schutzschild über das Obst. Das Ortsbild scheint davon wenig berührt. Im Industriegebiet in Nüziders war es aber gerade das Ortsbild, das das Bauverfahren in die Länge gezogen hat. Bauantrag 25. November 2024, Baubewilligung 9. April 2025, Endabnahme 8. Jänner 2026: Gut Ding braucht hierzulande Weile und bremst ganze Branchen aus. “Am liebsten greife ich baulich bei meinen Betrieben gar nichts mehr an”, findet Rudi Lins deutliche Worte. Dabei ließen sich auch ohne Zutun aus Wien Verfahren beschleunigen und vereinfachen, ist sich der Unternehmer sicher.
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Das Gegenteil ist allerdings der Fall, wie ein weiteres Beispiel zeigt. Lins beschreibt die Notwendigkeit eines Quarantäneplatzes für die Reparatur von Elektro-Fahrzeugen. Ein solcher ist Vorschrift in Österreich und in vielen Bundesländern keine große Sache. Nicht so in Vorarlberg, wo ganz andere und vor allem viel aufwändigere Standards verlangt würden. “Da reicht nicht mehr ein einfacher Platz im Freien mit den entsprechenden Abständen, sondern es sind bauliche Maßnahmen gefordert”. Die Folge: Behörden-Apparat wird in Gang gesetzt – Bauantrag, Bauverfahren, Sachverständige, Gutachten.
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Was Unternehmen lähmt, treibt für Konsumenten gleichzeitig die Kosten in die Höhe. Richtig teuer macht Autos in Österreich aber vor allem das “Bürokratiemonster Normverbrauchsabgabe (NoVA)”. Die Kraftfahrzeugbesteuerungsrichtlinie umfasst mittlerweile mehr als 200 Seiten und ist laut Autohandel an Absurdität kaum zu überbieten. Ein Glasdach, andere Räder oder eine Anhängerkupplung werfen den Bürokratiemotor an und machen je nachdem Autos teurer oder billiger. “Da steht im Hintergrund ein unglaublicher Programmieraufwand”, beschreibt Lins. Und dann sieht das Gesetz zum Beispiel noch eine NoVA-Befreiung für Pick-ups vor, die so minimalistisch ausgerüstet sein müssen, dass man sie auf dem österreichischen Markt gleich gar nicht findet. Die Normverbrauchsabgabe, inklusive der neuen Regelungen der Rückvergütung, hat das Zeug zum Schildbürgerstreich. Mit dieser Meinung dürfte Vorarlbergs größter Autohändler längst nicht alleine sein.