“Wir verlieren unsere Spieler” – warum Dornbirn nicht mehr mithalten kann
Die Entscheidung fiel nicht plötzlich. Aber sie zeigt ein Problem, das in Dornbirn seit Jahren wächst.
Die Entscheidung kam nicht über Nacht. Doch sie trifft den Vorarlberger Basketball ins Mark: Die Dornbirn Lions ziehen sich aus der Bundesliga zurück. Nach knapp 30 Jahren im Halbprofi-Bereich sieht Manager Markus Mittelberger den Zeitpunkt gekommen, einen Schlussstrich zu ziehen.
Nachwuchs bricht weg, Kader wird zu dünn
Der Hauptgrund liegt im eigenen Fundament. “Wir verlieren seit Jahren extrem viele einheimische Spieler, vor allem nach der Matura”, sagt Mittelberger. Allein in den vergangenen drei Jahren verließen elf Spieler den Verein, weitere Abgänge stehen bevor.
Die Lücke kann nicht mehr geschlossen werden. Junge Talente rücken zwar nach, doch der Sprung ist zu groß. “Man kann heute nicht mehr mit 17-, 18-Jährigen gegen Männer antreten”, so Mittelberger. Die körperlichen und spielerischen Unterschiede seien schlicht zu groß geworden.

Liga entwickelt sich weiter
Parallel dazu hat sich die Liga verändert. Die Anforderungen steigen, der Aufwand ebenso. Fast tägliches Training, zusätzliche Aufgaben und lange Auswärtsfahrten prägen den Alltag.
Für die Lions bedeutet das eine besondere Belastung. “Wir reisen seit jeher mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Fahrten nach Klagenfurt oder Güssing sind enorm”, erklärt Mittelberger. Während andere Teams kurze Wege haben, ist Vorarlberg geografisch im Nachteil.
Standortnachteil verschärft Situation
Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Während Vereine im Osten oder Süden Spieler aus Nachbarländern holen, ist das für Dornbirn kaum möglich. “Andere holen sich Tschechen, Ungarn oder Slowenen. Wir können keine Schweizer holen”, sagt Mittelberger.
Auch der süddeutsche Raum bietet keine Alternative. Talentierte Spieler zieht es nach Ulm, die in der deutschen Bundesliga spielen. Damit fehlt den Lions eine wichtige Rekrutierungsquelle.

Legionäre allein sind keine Lösung
Mehr ausländische Spieler zu verpflichten, wäre keine nachhaltige Antwort gewesen. Denn auch sie brauchen ein konkurrenzfähiges Trainingsumfeld. “Wenn Profis nur mit Junioren trainieren, wird es schwierig”, so Mittelberger.
Für eine funktionierende Mannschaft brauche es erfahrene Spieler im besten Alter. Genau diese fehlen in Dornbirn derzeit.
Finanzen unter Druck, aber nicht ausschlaggebend
Auch wirtschaftlich wurde die Situation enger. Steigende Kosten für Reisen, Wohnen und Alltag treffen auf stagnierende Sponsorengelder. Dennoch betont Mittelberger: “Die Finanzen waren nicht der Hauptgrund.”
Vielmehr sei es das Zusammenspiel mehrerer Faktoren gewesen, das den Ausschlag gab.
Verein bleibt bestehen – Fokus auf Nachwuchs
Trotz des Rückzugs bleibt der Verein bestehen. Der Nachwuchsbereich, in dem die Lions stark aufgestellt sind, läuft unverändert weiter. Teams von der U8 bis zur U19 sind aktiv, viele davon auch österreichweit im Einsatz.
“Wir haben eine sehr gute Ausbildung, und das bleibt auch so”, sagt Mittelberger. Der Basketball in Dornbirn soll weiterhin wachsen – nur ohne Bundesliga-Team.
Langfristig schließt der Manager eine Rückkehr nicht aus. Doch dafür müssten sich die Rahmenbedingungen grundlegend ändern.
Abschied mit Wehmut – und Realismus
Für Mittelberger, der den Verein seit Jahrzehnten prägt, ist der Schritt auch persönlich einschneidend. “Es war ein Teil von mir”, sagt er. Doch am Ende habe die Vernunft gesiegt.
Die Realität im österreichischen Basketball habe sich verändert. Dornbirn zieht nun die Konsequenzen – leise, aber deutlich.
(VOL.AT)