EU-Abgeordneter kritisiert Vorarlbergs Umgang mit Wolf und TBC

Vorarlberg / 12.06.2026 • 14:29 Uhr

Der grüne EU-Abgeordnete Tom Waitz war bei “Vorarlberg Live” zu Gast. Im Interview sprach er über den Wolf in den Alpen, die Tuberkulose-Problematik im Vorarlberger Rotwildbestand, die Zukunft der EU-Agrarförderungen und die Herausforderungen der Landwirtschaft im Klimawandel.

Ein Schwerpunkt des Gesprächs war die Rückkehr des Wolfs. Waitz zeigte Verständnis für die Sorgen von Schafhaltern und Almbauern. Es sei für Landwirte eine traumatische Erfahrung, wenn Tiere gerissen werden. Gleichzeitig warnte der Grünen-Politiker davor, das Thema politisch zu instrumentalisieren.

Der Wolf müsse gemanagt werden, sagte Waitz. Herdenschutz mit Hirten, Nachtpferchen und entsprechender finanzieller Unterstützung sei der richtige Weg. Die Debatte dürfe nicht auf die Frage reduziert werden, ob Wölfe abgeschossen werden sollen oder nicht.

Kritisch äußerte sich Waitz zu den Abschussregelungen einzelner Bundesländer. Diese bewegten sich seiner Ansicht nach in einem rechtlich problematischen Bereich.

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TBC als größeres Problem für Vorarlbergs Bauern

Deutlich größere Sorgen bereitet Waitz die Tuberkulose-Problematik im Vorarlberger Rotwildbestand. Die Ursache sieht er vor allem in hohen Rotwildbeständen und Fütterungen, die seiner Meinung nach zu stark jagdlichen Interessen dienen.

Die TBC-Fälle würden die Landwirtschaft massiv belasten. Aus seiner Sicht müsse hier stärker angesetzt werden, um die Gesundheit von Nutztieren und die wirtschaftliche Sicherheit der Bauern zu schützen.

Streit um die Zukunft der EU-Agrarförderungen

Auch die laufenden Verhandlungen zur Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union waren Thema. Waitz warnte vor einer zunehmenden “Renationalisierung” der Förderpolitik.

Künftig könnten die Mitgliedstaaten mehr selbst entscheiden, wie Agrargelder verteilt werden. Das berge die Gefahr unterschiedlicher Fördermodelle und Wettbewerbsverzerrungen innerhalb Europas.

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Der Grünen-Politiker setzt sich unter anderem für eine Obergrenze bei Direktzahlungen an Großbetriebe ein. Dadurch sollen Mittel für Junglandwirte, Bergbauern sowie Umwelt- und Klimamaßnahmen frei werden.

Landwirtschaft im Klimawandel

Angesichts von Wetterextremen wie Hitzewellen und Starkregen sieht Waitz die Landwirtschaft vor großen Herausforderungen. Entscheidend seien gesunde Böden mit hohem Humusgehalt, die mehr Wasser speichern können.

Zudem brauche es innovative Bewirtschaftungsformen, regionale Wertschöpfungsketten und Investitionen in klimaresistente Produktionsmethoden. Österreich sei mit seinem hohen Bio-Anteil europaweit bereits in einer vergleichsweise guten Ausgangslage.

EU-Abgeordneter kritisiert Vorarlbergs Umgang mit Wolf und TBC
Leiter der Politikredaktion bei der VN und Thomas Waitz, grüner EU-Abgeordneter für Österreich. LÄNDLE TV

Regionale Lebensmittel stärken

Beim Thema Tiertransporte und Kalbfleisch sprach sich Waitz für mehr regionale Kreisläufe aus. Österreich exportiere Kälber ins Ausland, während gleichzeitig Kalbfleisch importiert werde. Dieses System sei weder aus Sicht des Tierwohls noch wirtschaftlich sinnvoll.

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Mehr Transparenz bei Herkunftskennzeichnungen und eine stärkere Berücksichtigung regionaler Produkte in öffentlichen Einrichtungen könnten laut Waitz dazu beitragen, die heimische Landwirtschaft zu stärken.

(VOL.AT)