Überstunden bei der Polizei: Warum nicht alle Polizeiinspektionen gleich viele haben

Vorarlberg / 26.06.2026 • 08:00 Uhr
Überstunden bei der Polizei: Warum nicht alle Polizeiinspektionen gleich viele haben
Kaum zwei Polizeiinspektionen sind gleich, das Bild ist jedoch vielerorts ähnlich.VN/Rauch, Archivbild

Im Durchschnitt muss ein Polizist weniger Überstunden machen als noch vor wenigen Jahren. Das stimmt jedoch nicht überall.

Bregenz Auch wenn die Personaloffensive der Polizei in den vergangenen Jahren für mehr Polizeischüler sorgte, sind in einer IFG-Antwort des Innenministeriums an die VN die personellen Engpässe in der Arbeitsbelastung der Polizei noch gut sichtbar.

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Personalsituation

Gespräche über Personal sind im öffentlichen Dienst komplex: Einerseits gibt es den angestrebten Soll-Stand, die sogenannten Planstellen. Die tatsächlich einer Dienststelle zugeteilten Personen stellen das Stammpersonal, hier werden auch karenzierte Personen mitgezählt. Die tatsächliche Personalstärke einer Dienststelle lässt sich in Vollbeschäftigungsäquivalenten (VBÄ) messen, dem behördlichen Begriff für Vollzeitäquivalente. So kann eine Dienststelle sieben Planstellen haben, aber nur ein Stammpersonal von fünf Personen. Arbeitet von diesen fünf Personen eine nur 75 Prozent und eine andere ist karenziert, wären es 3,75 VBÄ.

Kein klares Muster

Und in diesem Bereich schrumpfte die Polizei zwischen Januar 2022 und Dezember 2025 leicht: Im Exekutivdienst ging die Zahl des Stammpersonals um 31 Personen zurück, bei den VBÄ um 18 Vollzeitstellen – bei immerhin 796,2 VBÄ im Dezember 2025 und einem Zuwachs von 50 Polizeischülern im selben Zeitraum. Dennoch gelang es der Polizei, trotz weniger Vollzeitkräften mit weniger Überstunden auszukommen: 2023 waren elf PI mit mehr als 200 jährlichen Überstunden pro Kopf zu verzeichnen, 2025 nur mehr drei. Doch blieb die Zahl der PI mit über 150 Überstunden pro Kopf relativ stabil bei 18 PI, 2023 waren es 20.

Manche Inspektionen bauten auffallend gut Überstunden ab. So mussten die Beamten in Lochau, Höchst oder Klösterle 2025 klar weniger Überstunden leisten. Andere, etwa Egg, Nenzing oder Wolfurt, bauten hingegen auf. Rein mit der Personalsituation lässt sich dies nicht erklären: Lochau hatte Ende 2025 zwei VBÄ weniger als Anfang 2023, Nenzing 2,5 VBÄ weniger. Dennoch wurden in Lochau 2025 gut 150 Überstunden weniger pro Kopf geleistet als 2023. In Nenzing waren es 16 Stunden mehr.

Teilzeitarbeit

Einen Grund dafür sieht die Landespolizeidirektion Vorarlberg (LPD) in der Teilzeitarbeit einzelner Exekutivorgane. Denn Teilzeitkräfte leisten in der Regel keine Mehrarbeit in Form von Journaldiensten oder Überstunden, werden jedoch bei einer Pro-Kopf-Berechnung mitberücksichtigt. “Unterschiedliche Teilzeitanteile zwischen den Dienststellen dürften daher einen Teil der von Ihnen beobachteten Schwankungen erklären”, vermutet die LPD.

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Die Angabe der VBÄ pro Dienststelle gibt aber wenig Einblick, wie viele in Teilzeit arbeiten. So kann eine VBÄ von 7,5 bedeuten, dass es sieben Vollzeit- und eine Teilzeitkraft mit 50 Prozent gibt – oder sechs Vollzeitkräfte und zwei Teilzeitkräfte mit 75 Prozent. 2025 waren 31,5 Prozent der unselbstständig Erwerbstätigen inklusive der öffentlich Bediensteten in Österreich in Teilzeit. Zieht man rein den Bundesdienst heran, waren es 18,3 Prozent. Bei der Polizei sind es laut Medienberichten vom Vorjahr weniger als sechs Prozent der Exekutivbediensteten.

Vielschichtig

Andere Ursachen dürften daher eine stärkere Erklärungskraft haben. Die Polizei verweist auf die Einsatzbelastung, saisonale Umstände, Veranstaltungen wie etwa Fußballspiele, unerwartete Spontanereignisse, aber auch Sonderverwendungen des Personals etwa bei den Schnellen Reaktionskräften, Krankenstände, Karenzen, Mutterschutz und die natürliche Fluktuation durch Kündigungen und Pensionierungen. Der Teufel sitzt wie immer im Detail.

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