Kommentar: Abschied von einem Anständigen
Andreas Koller hat uns verlassen. Er war ein großer Journalist und eine prägende Persönlichkeit der österreichischen Medienwelt. Seine klaren Analysen, seine gescheiten Kommentare, seine präzisen Fragen an Politikerinnen und Politiker – manch andere wollten so sein wie der langjährige Innenpolitik-Chef und stellvertretende Chefredakteur der “Salzburger Nachrichten” und haben es doch nicht ganz geschafft. Nach seinem Tod am vergangenen Freitag haben zahlreiche Medien, Kolleginnen und Kollegen ihrer Trauer öffentlich Ausdruck verliehen, und man muss sagen: Viele waren aufrichtig betroffen und traurig, dass eine der letzten Integrationsfiguren unserer Branche nicht mehr hier ist.
Der Politikjournalist, der der Politik nie müde wurde, war eben nicht nur die publizistische Figur mit wichtigen Ämtern bei Presseclub Concordia oder Presserat, an der sich zahlreiche Kolleginnen und Kollegen der nächsten Journalismus-Generationen (auch ich) orientiert haben. Andreas war vor allem das: ein guter Mensch. Geprägt von Tugenden wie Anstand, Großmut und einer feinen Selbstironie, die heute fast aus der Zeit gefallen scheinen. Er hat seine berufliche Aufgabe, also das Herstellen von Öffentlichkeit, die Aufklärung und die genaue Beobachtung der Mächtigen, sehr ernst genommen; sich selbst hat er allerdings nicht 24 Stunden am Tag ernst genommen. An dieser Eigenschaft könnten sich Medienschaffende jedenfalls ein wenig mehr orientieren.
Unbeirrbar korrekt
Andreas diskutierte gerne auf den Medienbühnen des Landes und genoss auch den öffentlichen Auftritt, doch die Selbstüberhöhung von uns Medienleuten, wahrscheinlich auch Ausdruck einer gewissen Déformation professionnelle, war ihm wesensfremd: Wer sich dauernd mit der Analyse des Verhaltens anderer und weniger mit der Analyse der eigenen Unzulänglichkeiten beschäftigt, kann sich in der Selbstgerechtigkeit verlieren, Andreas ist nie in diese Falle gegangen. Er blickte auch kritisch auf sich selbst und war sich immer seiner professionellen Rolle bewusst. Das strukturelle Nähe-und-Distanz-Problem zwischen Politik, Wirtschaft und Medien in einem überschaubaren Land wie Österreich war eines jener Themen, die ihn bewegt haben. Auch hier war er ein Vorbild – gut vernetzt, mit vielen im Gespräch, dennoch unbeirrbar korrekt.
Andreas hat es während seiner jahrzehntelangen Laufbahn geschafft, nicht zum zynischen Kommentator zu werden und seine intellektuelle Offenheit zu bewahren. Um so gute Leistungen für sein Publikum abzuliefern. Er hat Hoffnung und Zuversicht hochgehalten, wie zum Beispiel hier, als er zum Jahreswechsel 2024/2025 in den “SN” schrieb: “Und trotzdem: Sich vor der Zukunft zu fürchten ist der schlechteste aller Neujahrsvorsätze.”
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