Hier entsteht das Herzstück des Feldkircher Stadttunnels: So sieht das Mega-Projekt im Inneren aus

160 Löcher, ohrenbetäubender Lärm und Arbeit rund um die Uhr: Beim VN-Lokalaugenschein zeigt sich, wie hart der Vortrieb des Feldkircher Stadttunnels wirklich ist.
Feldkirch, Frastanz Der Lärm ist ohrenbetäubend. Fünf Mineure stehen tief im Feldkircher Stadtschrofen an einer großen Bohrmaschine, Gehörschutz ist hier Pflicht. 160 Löcher bohrt die Maschine in die Felswand, anschließend werden sie mit Sprengstoff gefüllt, verkabelt und elektrisch gezündet.

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Rund 100 Kilogramm Sprengstoff werden bei einem Abschlag eingesetzt. Einer, der dafür sorgt, dass dabei alles nach Plan läuft, ist Mineur und Sprengbefugter Julian Steber. Was die Arbeit unter Tage besonders hart macht? “Im Sommer ist es die Hitze, im Winter die Kälte”, sagt Steber bei einem VN-Lokalaugenschein.



Viermal täglich wird derzeit allein im Haupttunnel gesprengt. Dann beginnt der Ablauf von vorne. “Zuerst werden die Bohrlöcher gemacht, dann werden sie mit Sprengstoff besetzt, der Abschlag gemacht, geschottert und gesichert”, erklärt Projektleiter Bernhard Braza. Spritzbeton und Anker stabilisieren anschließend den Fels – dann rückt die Mannschaft wieder weiter vor. Es ist ein immer gleicher Zyklus.


Und er bringt die Mineure derzeit schnell voran. 770 Meter des insgesamt knapp vier Kilometer langen Haupttunnels mit vier Ästen sind mittlerweile ausgebrochen. Bis zu acht Meter kommen täglich dazu. Etwa 50 Arbeiter der Arbeitsgemeinschaft sind seit dem Tunnelanschlag im März im Schichtbetrieb rund um die Uhr, sieben Tage die Woche im Einsatz.

Herzstück kommt als Nächstes
Im September soll mit dem Ausbruch des unterirdischen Kreisverkehrs – dem ersten Österreichs – mit 70 Meter Durchmesser begonnen werden. Von dort führen später die vier Tunneläste Richtung Felsenau, Altstadt, Tisis und Tosters.



Das ausgebrochene Gestein nimmt dabei einen besonderen Weg. Es wird über die Felsenau aus dem Berg gebracht, dort vorgebrochen und über ein Förderband über die L190 zur Verladestation transportiert. Anschließend geht es mit der Bahn weiter.

Für die Anrainer in Feldkirch werden die Sprengungen ebenfalls spürbar sein. Wer möchte, kann sich rund zehn bis 20 Minuten vor einem Abschlag per SMS oder E-Mail verständigen lassen.

Portale entstehen
Auch oberirdisch geht es bald sichtbar weiter. Das Portal Altstadt beim Schulzentrum soll bis zum kommenden Frühjahr fertiggestellt werden. Anfang Oktober ist zudem der Baubeginn für das Portal Tisis vorgesehen. Wie das bereits sichtbare Portal in der Felsenau sollen auch die weiteren Portale nach Entwürfen der Architekten Marte.Marte im markanten Origami-Stil gestaltet werden.

Beim Ast Tosters ist der Bauablauf unterdessen noch nicht vollständig fixiert. Dort soll der Vortrieb ebenfalls über die Felsenau erfolgen, die entsprechende Änderung des Bauablaufs ist jedoch noch Gegenstand eines UVP-Verfahrens.
Für den Tunnelbau braucht es zudem nicht nur Platz im Berg, sondern auch entsprechende Rechte an den darüber liegenden Grundstücken. Bei einem Großteil der betroffenen Grundeigentümer in Tosters konnte laut Braza eine Einigung erzielt werden, einzelne Verfahren sind noch nicht abgeschlossen.

Führungen sollen bald möglich sein
Der Stadttunnel ist das größte Infrastrukturprojekt Vorarlbergs. Befürworter erwarten vor allem eine Entlastung des innerstädtischen Verkehrs, Gegner kritisieren seit Jahren unter anderem Kosten sowie mögliche zusätzliche Verkehrsbelastungen. 2030 soll der mit 385 Millionen Euro veranschlagte Tunnel fertiggestellt sein.

Für Braza ist das eine besondere Wegmarke. Seit 26 Jahren beschäftigt er sich mit dem Projekt. “Das ist mein letztes Großprojekt”, sagt der Projektleiter. Ist es fertiggestellt, geht er in Pension.
Bis dahin liegen noch Kilometer Fels vor den Mineuren – und viele Sprengungen. Wenn alles nach Plan läuft, sollen noch heuer öffentliche Führungen durch den Stadttunnel angeboten werden. Dann können sich Interessierte selbst ein Bild davon machen, was tief unter dem Feldkircher Stadtschrofen passiert.