Traumjob mit großer Verantwortung

Vorarlberg / 18.08.2026 • 11:10 Uhr
Im Rahmen ihrer Äthiopien-Reise Anfang Juli besuchte Annika Friedrich eine sogenannte „Savings and Loan Group“ in Meki. Durch dieses Konzept erhalten Frauen finanzielle Unabhängigkeit und es bilden sich Gemeinschaften, die sich gegenseitig unterstützen. Weiters lernen sie Methoden der Buchhaltung und Finanzplanung kennen.
Im Rahmen ihrer Äthiopien-Reise Anfang Juli besuchte Annika Friedrich eine sogenannte “Savings and Loan Group” in Meki. Durch dieses Konzept erhalten Frauen finanzielle Unabhängigkeit, und es bilden sich Gemeinschaften, die sich gegenseitig unterstützen. Weiters lernen sie Methoden der Buchhaltung und Finanzplanung kennen.privat

Für Annika Friedrich ist Bildung das Fundament für eine gerechtere Zukunft.

Hörbranz Ein achtjähriges Mädchen in Äthiopien kann nicht zur Schule gehen, weil seine Eltern es bereits für eine spätere Heirat versprochen haben. “Dahinter stehen nicht nur Traditionen, sondern existenzielle Überlebensfragen. Die Familie erhält im Gegenzug jährlich ein Rind und sieht dadurch ihre Versorgung gesichert – selbst in Zeiten einer Hungerkatastrophe”, erklärt Annika Friedrich.

Solche Erfahrungen zeigen der 34-Jährigen eindrücklich, wie eng Bildung, Armut und Zukunftsperspektiven miteinander verknüpft sind. Seit Anfang Juni verstärkt sie das Team der Auslandshilfe der Caritas Vorarlberg. Sie betreut Bildungs- und Kinderschutzprojekte in Äthiopien und Mosambik gemeinsam mit ihrem Kollegen Michael Zündel, der seit fast drei Jahrzehnten für die Caritas in Äthiopien tätig ist. “Von seinem Wissen profitieren zu können, ist ein großes Geschenk”, sagt sie.

Am University College London schloss Annika Friedrich im vergangenen Jahr einen Masterstudiengang im Bereich Education and International Development ab.
Am University College London schloss Annika Friedrich im vergangenen Jahr einen Masterstudiengang im Bereich Education and International Development ab.privat

Schon früh war für Annika Friedrich klar, dass sie einmal einen Beruf ausüben möchte, in dem sie sich für andere Menschen einsetzen kann. Den entscheidenden Impuls erhielt sie nach der Matura bei einem Freiwilligendienst in Südafrika. “Dort wurde mir bewusst, wie viel sich verändern kann, wenn Menschen Chancen erhalten, um ihr eigenes Potenzial zu entfalten.” Es folgten Studien in Wien, Vorarlberg und London sowie berufliche Stationen in Uganda und Kopenhagen.

Als die Hörbranzerin im Frühling 2026 die Stellenausschreibung der Caritas Vorarlberg las, wusste sie sofort: “Das ist das Richtige für mich.” Nicht fertige Lösungen zu liefern, sondern gemeinsam mit den Menschen vor Ort Veränderungen anzustoßen, das entspricht ihrer Haltung. “Jeder Mensch ist Expertin oder Experte seines eigenen Lebens.”

 

Herausforderungen nehmen zu

Bei ihrem ersten Projektbesuch in Äthiopien im Juli lernte sie die Menschen, ihre Lebensrealitäten und die Herausforderungen des Alltags unmittelbar kennen. “Für manche Kinder ist das Essen in der Schule die einzige Mahlzeit des Tages. Schulmahlzeiten unterstützen deshalb nicht nur die Ernährungssituation, sondern fördern auch regelmäßigen Schulbesuch und Lernerfolg.” Gemeinsam mit den Partnerorganisationen schafft die Caritas Unterstützungsmaßnahmen für Familien, damit Kinder – insbesondere Mädchen – eine Schulbildung erhalten.

Während eines siebenmonatigen Aufenthaltes in Uganda war Annika Friedrich in einer ländlichen Schule tätig und setzte sich dort dafür ein, die Qualität der Bildung zu verbessern.
Während eines siebenmonatigen Aufenthaltes in Uganda war Annika Friedrich in einer ländlichen Schule tätig und setzte sich dort dafür ein, die Qualität der Bildung zu verbessern.privat

Gleichzeitig erlebte Annika Friedrich, wie komplex die Situation in vielen Projektregionen geworden ist. Konflikte, die Folgen des Klimawandels, steigende Lebenshaltungskosten und sinkende internationale Hilfsgelder verschärfen die ohnehin schwierigen Bedingungen vieler Menschen. “Was für uns oft eine finanzielle Belastung bedeutet, entscheidet dort mitunter über das Überleben”, sagt sie. Als Beispiel nennt sie die hohen Energiekosten. “Diesel ist extrem knapp und schwer erhältlich. Können Generatoren nicht betrieben oder Krankenwagen nicht eingesetzt werden, geraten Menschenleben in Gefahr.”

 

In ihrer Freizeit ist Annika Friedrich gerne in den Bergen unterwegs - zum Wandern oder auf Klettersteigen.
In ihrer Freizeit ist Annika Friedrich gerne in den Bergen unterwegs – zum Wandern oder auf Klettersteigen. privat

Trotzdem verliert sie ihren Optimismus nicht. Hoffnung geben ihr die vielen Menschen, die sich engagieren. “Jede und jeder kann etwas beitragen”, sagt sie. Wer nicht spenden könne, könne trotzdem hinschauen, zuhören, darüber sprechen oder sich freiwillig engagieren.

Diese Botschaft vermittelt sie auch bei der Ausstellung “weltbewegt” zur Entwicklungszusammenarbeit vom Welthaus, bei der sie Führungen übernimmt. Die Station, die von der Auslandshilfe gestaltet wurde, funktioniert nur, wenn zwei Menschen gleichzeitig anpacken. Für Annika Friedrich ist dies das passende Bild für ihre Arbeit. “Nur gemeinsam können wir eine gerechtere und sichere Zukunft schaffen.” GHP

“Jede und jeder kann etwas beitragen.”

Annika Friedrich, Projektmanagerin

Zur Person

Annika Friedrich
Jahrgang: 1991
Wohnort: Hörbranz
Beruf: Projektmanagerin Entwicklungszusammenarbeit bei der Caritas Vorarlberg
Hobbys: Klettern, kreatives Gestalten
Lebensmotto: “A child without education is like a building without a foundation.”

Das Welthaus Vorarlberg präsentiert ab 25. September im WirkRaum in Dornbirn die interaktive Ausstellung “weltbewegt – Entwicklung neu denken”. Besucherinnen und Besucher erleben, wie sich der Blick von der klassischen Entwicklungshilfe hin zur partnerschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit gewandelt hat. Als interaktive Kugelbahn gestaltet, lädt die Ausstellung dazu ein, Zusammenhänge spielerisch zu entdecken und eigene Sichtweisen einzubringen. Termine können im Online-Buchungskalender unter www.weltbewegt.at reserviert werden.