Wenn Behinderung zur Stärke wird

Als Jobcoach bei dafür begleitet Reinhard Saler Menschen mit Behinderung im Berufsleben.
Nenzing Manchmal weiß man erst im Rückblick, wofür eine schwierige Erfahrung gut war. Reinhard Saler (56) weiß jedenfalls, wie es sich anfühlt, wenn eine Behinderung plötzlich zum Hindernis auf dem Weg zurück ins Berufsleben wird. Heute nutzt der Nenzinger genau diese Erfahrung, um anderen Menschen mit Behinderung den Einstieg oder Verbleib in der Arbeitswelt zu erleichtern.
Saler begann seinen Berufsweg mit einer Lehre als Schlosser und Schmied und arbeitete viele Jahre im Metallbau. Dann veränderte eine schwere Erkrankung sein Leben grundlegend. Nach akutem Nierenversagen und einer späteren Nierentransplantation konnte er nicht mehr wie zuvor körperlich arbeiten und musste sich beruflich neu orientieren. Er absolvierte Weiterbildungen und fühlte sich wieder bereit für den Arbeitsmarkt. Doch bei seinen Bewerbungen machte er eine Erfahrung, die ihn bis heute prägt. “Sobald ich gesagt habe, dass ich einen Behindertenausweis habe, bekam ich eine Absage. Ich hatte das Gefühl, sobald ich das Wort Behinderung ausgesprochen habe, wurde ich abgelehnt.”

Aus Erfahrung helfen
Der Wendepunkt kam über das AMS. Dort erfuhr Saler vom damals neu entstehenden Jobcoaching-Projekt von “dafür”, einer Unternehmens- und Personalberatung, die Menschen mit Beeinträchtigung rund um Arbeit und Ausbildung unterstützt. 2014 wurde er dessen erster Mitarbeiter und begleitet heute gemeinsam mit fünf weiteren Jobcoaches Menschen mit Behinderung direkt am Arbeitsplatz. Ziel ist es, Arbeitsverhältnisse zu sichern und gleichzeitig das Umfeld für die jeweilige Behinderung zu sensibilisieren.

Kein Arbeitstag ist wie der andere. Im Rankweiler Bauhof begleitet Saler etwa zwei Brüder und unterstützt sie dabei, ihre Aufgaben im Arbeitsalltag selbstständig zu bewältigen. Andere begleitet er beim Lernen für den Führerschein, beim Einleben in einen neuen Betrieb oder bei der Berufserprobung. Bei Bedarf übt er mit ihnen auch den Arbeitsweg oder einzelne Tätigkeiten. Einmal pro Woche kommt er für einige Stunden direkt zu seinen Klienten an den Arbeitsplatz und geht flexibel auf ihre jeweiligen Bedürfnisse ein. “Ich leiste gewissermaßen Übersetzungsarbeit”, beschreibt Saler seine Aufgabe.

Die Begleitung ist nicht auf Dauer angelegt: Nach einem halben Jahr wird die Betreuung abgeschlossen. “Unser Ziel ist es, so viel Hilfe zu installieren, dass es uns nicht mehr braucht.” Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigt die Erfolgsquote des Jobcoachings von 93 Prozent.
Vertrauen auf Augenhöhe
Saler weiß, dass es manchmal Zeit braucht, bis Menschen Hilfe annehmen können. “Für viele ist es mit Scheu behaftet, über die eigene Behinderung zu sprechen und zuzugeben, dass man Hilfe braucht.” Seine eigene Erfahrung hilft ihm dabei, die Menschen und ihre Situation wirklich zu verstehen. “Meine Behinderung ist heute keine Grenze mehr, sondern meine größte Stärke.” Für seine Klienten ist Saler eine wichtige Vertrauens- und Bezugsperson, die sie auf dem Weg in ein möglichst selbstbestimmtes Leben begleitet. Besonders schön sei es, wenn aus vielen kleinen Schritten irgendwann ein sichtbarer Erfolg werde. “Das Lachen der Menschen ist für mich der größte Lohn.”

Mit Herz bei der Sache
Auch wenn ihm seine Arbeit viel bedeutet, zieht Saler eine klare Grenze zwischen Beruf und Privatleben. Außerhalb seiner Arbeitszeit bleibt das Diensthandy ausgeschaltet. Seine Freizeit verbringt er am liebsten mit seiner Frau in den Bergen oder auf dem E-Bike. “Ich kann die kleinen Dinge des Lebens sehr schätzen und genießen”, sagt er. LCF







“Es gibt für jeden Arbeit – man muss sie nur suchen, finden und anpassen.”
Reinhard Saler, Jobcoach
Zur Person
Reinhard Saler
Geb.: 4. Juni 1970
Wohnort: Nenzing
Beruf: Schlosser und Schmied, heute Jobcoach
Familie: verheiratet
Hobbys: Natur, Fahrrad, Urlaub
Lebensmotto: “Wer nicht handelt, wird behandelt.”