Mit der Feinstaubgurke der Luftverschmutzung auf der Spur

Vorarlberg / 28.08.2026 • 11:23 Uhr
Mit der Feinstaubgurke der Luftverschmutzung auf der Spur
Tino Hager mit einer Feinstaubgurke und Teilen des Teams, das sie mit ihm entwickelt hat.VN/Rauch

Von sichtbarem Smog ist man weit entfernt, dennoch ist Feinstaub überall – und teilweise im grenzwertigen Bereich. Ein Projekt des Vereins Digitale Initiativen soll die Gefahr sichtbar und für jeden einfach und kostenlos messbar machen.

Dornbirn Optisch hat der Sensor mit einer Gurke wenig gemein: Ein graues, eher quadratisches Kästchen präsentiert sich im Koffer. Federführend bei der “Feinstaubgurke” war Tino Hager, der auch ohne sichtbare Smogglocken über dem Rheintal den Wert des Sensors betont: “Man sieht es nicht. Und wir haben trotzdem teilweise Werte, die von der Weltgesundheitsorganisation als sehr schlecht eingestuft sind.” So liegt der empfohlene Langzeitgrenzwert für PM2,5 bei fünf Mikrogramm pro Kubikmeter. Selbst der Durchschnittwert in Dornbirn liegt darüber, aber im gesetzlich legitimen Rahmen.

Mit der Feinstaubgurke der Luftverschmutzung auf der Spur
In der Elektronik-Ecke des Makerslab arbeiten Tino Hager, Stefan Lutz und das restliche Team an der nächsten Generation der Feinstaubgurke.VN/Rauch

Feinstaubmessen leicht gemacht

Mit der “Feinstaubgurke” will der Verein Digitale Initiativen (DI) die Messung von Feinstaub für Privatpersonen einfacher zugänglich machen. Die Gurke kann für 14 Tage kostenlos ausgeliehen und etwa auf dem Balkon oder im Garten angebracht werden. Die Messdaten sind anschließend auf einer Website öffentlich abrufbar. Parallel betreibt und testet der Verein selbst mehrere solche Sensoren, zehn weitere sind gerade in der Feinjustierung – und die nächste Generation bereits in der Entwicklung.

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Hager mit der ausleihbaren Feinstaubgurke. Der Koffer ist diese Woche zur Anschauung bei der Stadt Dornbirn.DI

DI versteht sich als Spielplatz und offene Plattform für Menschen, die gemeinsam technische und digitale Ideen entwickeln und ausprobieren wollen. Jeder kann sich mit anderen Mitgliedern zu einem Team zusammenschließen, um eine Idee zu verfolgen. Im Fischbachareal teilt man sich die Räume mit dem Reparaturcafé, hier im Makerslab stehen Lasercutter, 3D-Drucker und CNC-Fräse bereit. Mit Stand Anfang 2026 hatte der Verein 315 Mitglieder, die ihre Projektideen meist ehrenamtlich angehen.

Mit der Feinstaubgurke der Luftverschmutzung auf der Spur
Das Makerslab mit seinen 3D-Druckern und der CNC-Fräse im Hintergrund.VN/Rauch

Einstecken, ausrichten, fertig

Entstanden ist die Idee eher zufällig. Zuerst war da ein einzelner Sensor bei der Postgarage, inzwischen ist es nicht zuletzt dank des Elektronikverständnisses des Vorstandsmitglieds Stefan Lutz ein wetterfester, mobiler Sensor. Dank LoRa-Funkstandard ist der Sensor unkompliziert in der Anwendung: “Nun muss man die Feinstaubgurke nur noch in die Steckdose stecken, und sie funktioniert”, sagt Hager.

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Die Feinstaubgurke beim Stadtbad. Hier ist auch die offizielle Messstelle des Landes.DI

Derzeit sind in vier Dornbirner Bezirken solche Messgeräte aufgestellt, eines davon bei der offiziellen Messstation des Landes beim Stadtbad. Laut Verein laufen sie seit zwei Jahren ohne Wartung. Hager möchte das Netz nun ausbauen. “Ich würde mir wünschen, dass es mehrere Standorte für die Feinstaubgurke in Vorarlberg gibt”, sagt er.

Strengere Grenzwerte ab 2030

Hintergrund sind auch strengere EU-Luftqualitätsvorgaben, die ab 2030 gelten sollen. Mit zusätzlichen Messpunkten könnten Veränderungen der Luftqualität über längere Zeit verfolgt werden, etwa nach Begrünungen von Straßen, dem Ausbau der Fernwärme oder dem Umstieg von Holz-, Öl- und Gasheizungen auf Wärmepumpen.

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“Ich bin Softwareentwickler, und ich sehe halt einfach: Wenn ich irgendwas umprogrammiere, aber kein Monitoring laufen lasse und Performance-Tests mache, dann weiß ich nicht, ob ich mich verbessert oder verschlechtert habe”, erklärt Hager den Nachteil nur einer Messstelle. Mit den Feinstaubgurken könnte man die Auswirkungen verschiedener Maßnahmen miteinander vergleichen. Mit der Stadt Dornbirn ist man bereits in entsprechenden Gesprächen.

Um eine Feinstaubgurke für 14 Tage auszuleihen, kontaktieren Sie tino.hager@digitaleinitiativen.at