Warum in Dornbirn bald ein neuer Gugga-Sound klingt

In Dornbirn formiert sich gerade eine neue Guggamusik. Wie aus einer Idee ein Verein wurde, zeigt die Geschichte dahinter.
Lustenau Jeder Mensch hat Wünsche. Manche erfüllen sich, andere nicht. Auch Marylin “Mary” Loss kennt das. Ihr Kindertraum, Floristin zu werden, wurde nicht wahr. “Ich bekam keine Chance dazu und habe dann den Beruf einer Lagerlogistikerin erlernt”, erzählt sie. Bis heute arbeitet sie in diesem Bereich eigenständig, schaut mit drei Mitarbeitern darauf, dass in einem Logistikzentrum alles rund läuft.

Burschikos, ehrlich und direkt – bei Mary weiß man, woran man ist. Sie sagt, was sie denkt, ist organisiert, packt an. Sie lässt sich von nichts und niemandem unterkriegen. Und deshalb gelang es der 46-Jährigen, sich einen anderen Herzenswunsch zu erfüllen. Im Februar 2026 gründete sie gemeinsam mit Karin Amann einen neuen Verein in Dornbirn – die Gugga-Musik “Flamma Featza”. Inzwischen sind es über 20 Mitglieder, die in der kommenden Faschingssaison mit Leidenschaft, Musik und guter Laune das närrische Treiben im Ländle aktiv mitgestalten wollen.
Von Kindesbeinen an schlägt Marys Herz für die fünfte Jahreszeit. Ob bei Umzügen oder anderen närrischen Events – sie war mittendrin, fasziniert von der Atmosphäre und der Lebensfreude, die diese Zeit bestimmt.

2020 führte sie der Weg über Freunde schließlich zur Gugga-Musik. Zunächst unterstützte sie die Gruppe als “Schminktante” und war zur Stelle, wenn irgendwo eine helfende Hand gebraucht wurde – eben ein Mädchen für alles. Dann fehlte in der Truppe eine zweite Posaunenspielerin. “Karin hätte alleine spielen müssen, das tat mir leid. Ich wollte helfen”, erzählt die Lustenauerin. Kurzerhand drückte Karin Amann ihr eine Posaune in die Hand und sagte nur: “Probier’s halt.” Gesagt, getan. Bei Gugga-Musik geht es schließlich nicht um Perfektion, sondern um Rhythmus, Kraft, Lautstärke und vor allem um eines: die Stimmung, die entsteht, wenn Menschen gemeinsam Musik machen und der Funke auf die Zuhörer überspringt.
Irgendwann bemerkten Mary und Karin, dass es in der bisherigen Gruppe für sie nicht mehr passte. “Für uns stand die Frage: Aufhören oder Neustart.” Die Antwort war schnell gefunden: Neubeginn. Mitstreiter wurden gefunden, gemeinsam wurde nach einem Leitmotiv gesucht – und man entschied sich für den Phönix. Der mythische Vogel sollte den Neuanfang symbolisieren: mit eigenen Ideen, selbst gestalteten Kostümen und einem unverwechselbaren Konzept.
Aus der Vision wurde Schritt für Schritt Realität. Ein Probenlokal war rasch gefunden, Sponsoren konnten überzeugt werden. Kostüme, Masken und Choreografien entstanden in Eigenregie – das Ergebnis unzähliger Arbeitsstunden, Kreativität und Teamgeist.

Das Prinzip von Phönix ist einfach: Viele Köpfe bringen viele Ideen. Aus ersten Proben mit ein bis zwei Stücken ist inzwischen ein Repertoire von acht Arrangements entstanden. Langfristig sollen es 13 werden. “Und natürlich freuen wir uns über neue Mitglieder und Sponsoren.”
“Die Gugga-Musik bringt uns zusammen. Und der Zusammenhalt macht sie besonders.”
Marylin Loss, stellvertretende Obfrau der “Flamma Featza”
Für Mary steht nicht nur die Musik im Mittelpunkt. Sie schätzt den Zusammenhalt und die gemeinsamen Momente besonders. Starken Rückhalt findet sie in ihrer Partnerin Belinda, mit der sie seit 15 Jahren durchs Leben geht und seit 13 Jahren verheiratet ist. Sie steht voll hinter dem Projekt und ist immer da, wenn irgendwo Hilfe gebraucht wird. “Eigentlich ist Belinda kein Faschingsfan, doch inzwischen überlegt sie sogar, das Trommeln selbst einmal auszuprobieren”, sagt Mary und lacht. Auch Justin, Marys Sohn (25), unterstützt seine “närrische Mama”, wo er kann. Klar ist: Phönix lebt vom Miteinander – und wächst mit jedem, der mit anpackt. JH
Zur Person
MARYLIN “Mary” LOSS
GEBOREN 5. August 1980 in Bregenz
WOHNORT Lustenau
BERUF Lagerlogistikerin
FAMILIENSTAND eingetragene Partnerschaft, ein Sohn
HOBBYS Familie, Guggamusik, Motorradfahren
KONTAKT: flammafeatza@gmx.at