Als „Originaler“ bei den Toten vom Bodensee

In 18 Folgen spielt Wilfried Schneider eine kleine, aber wichtige Rolle in der Krimireihe.
Hard Den Samstag, 5. September, haben Krimifreunde im Kalender dick angestrichen, denn dann wird um 20:15 Uhr in ORF 2 der Jubiläumsfilm der Toten vom Bodensee ausgestrahlt (am 7. September, 20:15 Uhr im ZDF): “Im Schattenreich” ist die 25. Episode dieser beliebten Krimireihe, die nicht nur am Bodensee im Raum Vorarlberg/Lindau spielt, sondern in der auch Vorarlberger mitspielen: Schauspieler Stefan Pohl aus Andelsbuch verkörpert den Gerichtsmediziner Thomas Egger, und als einer der Komparsen ist auch ein “professioneller Laie” als Spurensicherer tätig: Wilfried Schneider, Gruppeninspektor i. P. ohne Schauspielausbildung, dafür aber mit viel Berufserfahrung, die er in seine Rolle professionell einbringt.

Sein ureigenstes Metier
Erfahrung, die sich sehen lassen kann: “Ich wurde u. a. für meine Arbeit als Spurensicherer am Gericht mehrfach belobigt, weil meine exakten Ermittlungen beste Grundlagen für Gerichtsverfahren waren.” Mehr als 20 Jahre war er bei der Spurensicherung KKD (Koordinierter Kriminaldienst), aber er verrichtete auch Dienst auf dem Bodensee. “2001 machte ich das Schifferpatent, einige Jahre später erhielt ich den Titel Polizeischiffsführer.” Stolz erwähnt er, dass er für einen Einsatz, den er mit Kollegen unter eigener Lebensgefahr auf dem sturmgepeitschten See absolvierte, mit der Lebensrettungsmedaille ausgezeichnet wurde. “Der Bundespräsident verlieh mir zudem die Goldene Medaille am Roten Bande für Verdienste um die Republik Österreich.” Wenn er sich an die dramatische Einsatzfahrt zurückerinnert, hat er heute noch Herzklopfen. “Das war schon heftig, aber der Einsatz hatte auch etwas Gutes: Wir bekamen volles Vertrauen zum Einsatzboot.”

Hauptsache, dabei sein
“Beim Film zu sein, wie man so schön sagt, bedeutet nicht, dass man gleich auch eine tragende Rolle hat”, schmunzelt der 68-jährige Komparse und ergänzt, dass es “eine spannende Erfahrung ist, dabei zu sein und hinter die Filmkulissen blicken zu dürfen”.

Vielfältig engagiert
Wie er dazu kam? “Das ist eine kuriose Geschichte”, hält er sein Lachen nicht zurück. “Dazu muss ich wohl etwas weiter ausholen. Ich war fast 40 Jahre bei der Gendarmerie bzw. später bei der Polizei, daneben habe ich 35 Jahre in einem Quartett und Trio, später noch in einem Duo Musik gemacht. Seit fast 50 Jahren engagiere ich mich intensiv im Bregenzer Kameraclub als Fotograf und halte seit gut 20 Jahren Vorträge über meine Reisen in die ganze Welt – Island, Portugal, Schottland, früher auch Russland, Norwegen, Südamerika, Arktis usw.”
Überzeugendes Argument
“Mit der Musik habe ich vor einigen Jahren aufgehört, und nach meiner Pensionierung bei der Polizei habe ich ein neues Hobby gesucht”, erzählt er bei unserem Gespräch, zu dem wir uns in seiner alten Dienststelle im Harder Industriehafen getroffen haben.

Da habe er ein Zeitungsinserat gelesen: “Graf-Film als Produzent der Toten vom Bodensee suchte Komparsen. Das wäre doch was, hab ich mir gedacht …” Doch beim Weiterlesen ein Schock: “Fünf Punkte waren Voraussetzung für die Komparsen-Rolle – ich erfüllte keinen davon”, erinnert er sich.

Trotzdem hat er sich beworben und angeführt, “dass ich stattdessen vielleicht als erfahrener Spurensicherer brauchbar wäre …” Ein Argument, das überzeugte, denn “noch am gleichen Tag bekam ich eine Zusage, und bei einem meiner ersten Einsätze kam Firmenchef Klaus Graf zu den Dreharbeiten. Dabei hat er mich als Originaler bezeichnet – dieser Titel blieb mir bis heute.” STP



“Für die Komparsenrolle erfüllte ich keine der Vorgaben – stattdessen hat meine Spurensicher-Erfahrung überzeugt, und ich bekam die Rolle.”
Wilfried Schneider, Laienschauspieler
Zur Person
Wilfried Schneider
Geb. 6.1.1958
Wohnort: Hard
Beruf: Gruppeninspektor i. P.
Familie: verheiratet, zwei Kinder, zwei Enkel
Hobbys: Fotografieren, Reisen
Lebensmotto: Das Leben genießen, solange man gesund ist.