Bei umstrittenem Schieß-Event auch hochrangiger Polizist in Uniform anwesend

Veranstalter Karl-Heinz Rösler räumt zwar Fehler ein, will große Teile der Schieß-Inszenierung aber nicht als sexistisch verstanden wissen. VN-Recherchen lassen unterdessen den Schluss zu, dass auch Polizisten in Uniform anwesend waren.
Kennelbach Die Empörung nach Bekanntwerden der Vorgänge bei einem Schieß-Event von Polizei und Militär im April 2023 reißt nicht ab. Die Interessensgemeinschaft Schießkeller Kennelbach der Exekutivbeamten (IGSK) hatte für einen Wettbewerb einen Parcours aufgebaut, der unter anderem die damalige SPÖ-Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner in einer Kulisse als leicht bekleidete Puppe mit Sexspielzeug auf dem Schoß des ehemaligen FPÖ-Parteichefs Heinz-Christian Strache darstellte. Alle im Landtag vertretenen Parteien haben die geschmacklose und frauenverachtende Inszenierung übereinstimmend verurteilt. Mittlerweile hat sich der Veranstalter mit einer ausführlichen Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt. Gegenüber den VN räumt er zwar Fehler ein, kritisiert gleichzeitig eine medial aufgebauschte Berichterstattung.

Das 16. Internationale Verteidigungsschießen macht dreieinhalb Jahre später jedenfalls mehr Schlagzeilen, als dem ehemaligen Polizisten und Vereinsobmann Karl-Heinz Rösler lieb sein kann. Wenn es um Einsicht geht, beschränkt sich diese in erster Linie auf ein “Massagegerät”, das die Puppe mit dem Konterfei der SPÖ-Vorsitzenden in Händen hält. Das Sexspielzeug sei demnach nicht vorgesehen gewesen und während des Bewerbs dort hingekommen. Man habe verabsäumt, es zu entfernen. “Eine auf dem Schoss eines Mannes sitzende weibliche Person, dazu noch beide bekleidet, kann wohl für sich alleine nicht als sexistisch empfunden werden”, schreibt Rösler in einer Erklärung im Namen des Vereins an eine Handvoll Medien. Zustimmung dafür dürfte er außerhalb der eigenen Reihen kaum finden. Auch nicht in der Landespolizeidirektion (LPD). “Ich distanziere mich ausdrücklich von der dargestellten Szene. Das auf dem medial kursierenden Foto ersichtliche Szenario, von dem die Landespolizeidirektion keine Kenntnis hatte, wird als geschmacklos erachtet und auf das Strengste abgelehnt”, wurde die Direktorin und Leiterin der LPD, Uta Bachmann, bereits am Mittwoch in einer Aussendung zitiert.
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Das Band zwischen Polizei-Schießverein und Polizeileitung dürfte früher enger gewesen sein. Verbindungen in die Bregenzer Bahnhofsstraße gibt es aber noch immer. Als die VN Vereinsobmann Rösler telefonisch erreichten, war er gerade von Gesprächen nach Hause zurückgekehrt. An der Zusammenarbeit werde sich auch in Zukunft nichts ändern, ließ er wissen. Diese bestehe lose und inoffiziell. Sie betreffe die dienstliche Schießausbildung. Konkret würden die Räumlichkeiten von den Ausbildnern für “Dunkelheitsschießen” genutzt – und das unentgeltlich.

Die Landespolizeidirektion selbst ist um Distanz bemüht. An der Veranstaltung habe man in keiner Weise mitgewirkt. “Wenn eine Teilnahme von Exekutivbeamten stattgefunden hat, dann ausschließlich in deren Freizeit”, hieß es bereits am Dienstag auf Anfrage. Mittlerweile hat sich allerdings herausgestellt, dass der frühere Polizeidirektor Hans-Peter Ludescher den Ehrenschutz übernommen hatte. Teilgenommen habe er aber nicht, sagt Vereinsobmann Rösler jetzt. Zumindest ein anderer, ranghoher Polizeibeamter schon, wie VN-Recherchen zeigen. So ist auf einem Foto der Siegerehrung ein leitender Beamter in Repräsentationsuniform bei einer offiziellen Ansprache zu sehen. Er könnte damit, wie ein weiterer Polizist in Uniform, ein Fall für die angekündigten dienstrechtlichen Überprüfungen sein.