Lohnforderungen liegen weit auseinander

Gewerkschaft fordert für rund 10.000 Beschäftigte in den privaten Gesundheits- und Sozialberufen 5,3 Prozent mehr Gehalt.
Feldkirch Diese Ausgangslage verspricht heiße Lohnrunden. Am Montag nahmen Arbeitgeber und Gewerkschaftsvertreter die Kollektivverhandlungen für die rund 10.000 Beschäftigten in den privaten Sozial- und Gesundheitsberufen auf. Die Gewerkschaft fordert eine Gehaltserhöhung von 5,3 Prozent, der Arbeitgeberverein (AGV) stellt der Forderung “die realen Möglichkeiten der Einrichtungen im privaten Gesundheits- und Sozialbereich” gegenüber. “Die Einrichtungen stehen aufgrund der Finanzierungskürzungen unter großem wirtschaftlichem Druck. Die finanziellen Reserven sind definitiv erschöpft, sodass die Arbeitgeber keine Gehaltserhöhungen gewähren können, die sie über die Refinanzierung ihrer Leistungen nicht verdienen können”, stellte AGV-Obmann Walter Schmolly klar. Für Gewerkschafter Marcel Gilly stehen die Sicherung der Kaufkraft und bessere Arbeitsbedingungen im Mittelpunkt der Gespräche. Beide Seiten stellen sich offenbar auf längere Verhandlungen ein. Es wurden jedenfalls vier weitere Gesprächstermine vereinbart. Das nächste Treffen findet am 13. November statt.

Teuerungsausgleich als Ziel
Ziel ist laut Marcel Gilly ein Gehaltsabschluss, der die Teuerung ausgleicht und einen Einkommenszuwachs bringt. “Es ist ein Gebot der Stunde, den Lebensstandard zu erhalten”, betont er und ergänzt: “Der Bedarf an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wird allein schon aufgrund der demografischen Alterung hoch bleiben.” “Die Beschäftigten würden einen unverzichtbaren Beitrag zur sozialen und gesundheitlichen Versorgung in Vorarlberg leisten. Das müsse sich auch in ihrer Bezahlung widerspiegeln”, erklärt der GPA-Geschäftsführer. “Faire Einkommen sind eine wichtige Voraussetzung dafür, Beschäftigte in der Branche zu halten und neue zu gewinnen”, verdeutlicht auch Iris Seewald, Mitglied des Verhandlungsteams.

Hoher wirtschaftlicher Druck
Walter Schmolly bezeichnete die Rahmenbedingungen für die Verhandlungen als äußerst schwierig. Er verweist darauf, dass Land und Gemeinden ihren Beitrag zum Sozialfonds für 2027 auf dem Wert von 2026 einfrieren. Das erhöhe den wirtschaftlichen Druck in den Trägereinrichtungen im privaten Gesundheits- und Sozialbereich weiter. “Unter diesen Voraussetzungen ist ein Abschluss in der von der Gewerkschaft geforderten Höhe gänzlich undenkbar, und es ist auch nicht die Zeit, über Arbeitszeitverkürzungen nachzudenken”, so Walter Schmolly. Die stehen nämlich ebenso auf der Forderungsliste der Gewerkschaft wie Verbesserungen bei Arbeit und Bereitschaft in der Nacht sowie an Sonn- und Feiertagen. Unter anderem gefragt wäre auch mehr Budget für die persönliche Weiterbildung und Einzelsupervision und die Anrechnung einschlägiger Berufserfahrung als Zugang zur sechsten Urlaubswoche. Walter Schmolly appelliert an die Zuständigen im Sozialfonds, die politische und wirtschaftliche Verantwortung für einen funktionierenden Sozialbereich wahrzunehmen.