Auf Gemeinde-Homepage: Verurteilter Kinderschänder kriegt große Bühne

Vorarlberg / 21.10.2026 • 11:30 Uhr
Auf Gemeinde-Homepage: Verurteilter Kinderschänder kriegt große Bühne

Podcast-Folge der Gemeinde Lauterach macht sprachlos. Kinderschänder im selbstgefälligen Interview, während bereits Ermittlungen gegen ihn liefen. Die Verantwortlichen haben den Beitrag erst nach einer VN-Anfrage von der Homepage entfernt.

Lauterach “Niemand ist unfehlbar, auch ich bin es nicht”, doziert der Mann mit den weißen Haaren selbstgefällig im Podcast-Interview der Gemeinde Lauterach. Dann spricht er von lustigen Erlebnissen und Erinnerungen an die Zeit der Familien-Urlaube auf Elba. Das war im Oktober 2023. Dabei waren bereits im August Kripobeamte zur Wohnadresse ihres früheren Berufskollegen ausgerückt: Hausdurchsuchung nach einer Anzeige der Opfer, die nach Jahren ihr Schweigen gebrochen und von schweren Missbrauchstaten berichtet hatten. Davon unberührt konnte der heute rechtskräftig verurteilte Kinderschänder in der Podcast-Folge auf seine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Veröffentlicht wurde die Aufnahme auf der Homepage der Gemeinde, wo sie bis gestern abrufbar war. Erst nach einer VN-Anfrage haben die Verantwortlichen sie gelöscht.

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Elba war einer der Tatorte. Auch hier hat der heute 77-Jährige seine damals minderjährigen Opfer sexuell missbraucht. Ab 2024 haben Medien in ganz Österreich über den schrecklichen Fall berichtet. Schließlich wurde der Mann im April des Vorjahres zu zehn Jahren Haft verurteilt. Die Liste seiner Taten ist lang: Schwerer sexueller Missbrauch von Unmündigen, sexueller Missbrauch einer wehrlosen Person, geschlechtliche Nötigung, Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses, pornografische Darstellung von Minderjährigen sowie gefährliche Drohung und Vergehen nach dem Waffengesetz. Der Oberste Gerichtshof hat die Verurteilung jüngst bestätigt. Nach Berufungen steht jetzt noch das genaue Strafmaß aus. Im Rathaus der Gemeinde scheint davon niemand etwas mitbekommen zu haben. Der Podcast-Beitrag wurde Monate nach der Verurteilung jedenfalls leicht bearbeitet – blieb aber auf der Seite sichtbar. Bis gestern. “Die Gemeinde verurteilt jede Form von Kindesmissbrauch auf das Schärfste und distanziert sich davon. Die betreffende Podcast-Folge haben wir daher umgehend von der Webseite entfernt”, heißt es dazu in einer schriftlichen Stellungnahme.

Gesprächsthema im Ort

Die Verurteilung des Kinderschänders war in Lauterach Gesprächsthema. Auch dürften – diesen Schluss lassen Recherchen zu – viele im Ort gewusst haben, um wen es sich handelt. Nicht so die Verantwortlichen im Rathaus selbst. Dort wird ausdrücklich festgehalten, dass “der Gemeinde die Identität des rechtskräftig verurteilten ehemaligen Polizeibeamten bis zum Zeitpunkt der VN-Anfrage nicht bekannt war.” In der Stellungnahme wird dabei auf die anonymisierte mediale Berichterstattung in der Missbrauchs-Causa verwiesen.

Muss wie Hohn gewirkt haben

Lauterach hat nun schnell reagiert und konsequent gehandelt. Und trotzdem: Dass in der Podcast-Reihe, mit der die Gemeinde verdiente Bürger würdigt, ausgerechnet ein Mann porträtiert wurde, gegen den bereits zu diesem Zeitpunkt ermittelt und der später rechtskräftig verurteilt wurde, muss für die Opfer wie Hohn gewirkt haben.