Manipulierte Wahrheit: Wem können wir noch glauben?

Vorarlberg / 23.10.2026 • 15:45 Uhr
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Moderatorin Martina Huber (M.) sprach mit Petra Stolba (Verbindungsbüro des EU-Parlaments), VN-Politikchef Michael Prock, Helene Voglreiter (Leiterin des ORF-Verification-Teams) und Mediencoach Alexander Wachter über Wahrheit, Manipulation und Medienkompetenz.ORF Vorarlberg

ORF Vorarlberg und Russmedia widmeten sich zwei Tage lang der Medienkompetenz. Bei einer Podiumsdiskussion und Workshops ging es darum, wie sich Falschmeldungen entlarven und Informationen überprüfen lassen.

Dornbirn Ein Video, das nie gedreht wurde. Eine Explosion, die nicht stattfand. Oder ein Banküberfall, der frei erfunden ist. Falschmeldungen verbreiten sich in sozialen Medien rasend schnell und sind oft schwer zu erkennen. Wie lässt sich Wahrheit von Manipulation unterscheiden? Darüber diskutierten Experten bei der Podiumsdiskussion “Wie stabil ist unser Fundament aus Fakten?” beim ORF in Dornbirn. Zwei Tage lang widmeten sich der ORF und die Vorarlberger Nachrichten der Medienkompetenz und der Frage, wie jeder Einzelne Falschinformationen erkennen und ihrer Verbreitung entgegenwirken kann. ORF-Moderatorin Martina Huber diskutierte mit Petra Stolba vom Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments in Österreich, VN-Politikchef Michael Prock, ORF-Faktencheckerin Helene Voglreiter und Alexander Wachter, Mediencoach und Sozialarbeiter beim ifs Kinderschutz.

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Helene Voglreiter gab Einblicke in die Arbeit der Faktencheck-Abteilung beim ORF.ORF Vorarlberg

KI als Helfer und Risiko

Künstliche Intelligenz liefert in Sekundenschnelle Antworten und erleichtert die Recherche. Doch wie verlässlich sind die Ergebnisse? “Wenn ich mich in einem Bereich gut auskenne und die KI zu etwas Zusätzlichem befrage, kann ich schnell herausfiltern, was richtig und für mich relevant ist”, erklärte Alexander Wachter vom ifs. Wer sich ausschließlich auf KI-Antworten verlasse, riskiere hingegen, Falsches für wahr zu halten. Wie selbstverständlich Jugendliche KI bereits nutzen, zeigte eine Befragung von Schülerinnen und Schülern der HAK Bregenz durch Martina Huber. Während manche Strategien entwickelt haben, um KI-generierte Inhalte zu erkennen, sind andere verunsichert. Besonders heikel: Bilder und Videos galten lange als Beweise für ein tatsächlich stattgefundenes Ereignis. Heute lassen sie sich täuschend echt manipulieren. Auch Stimmen und Chatverläufe können verändert werden, mit teils gravierenden Folgen, warnte Alexander Wachter.

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Medienkompetenz ist eine Grundfertigkeit, lautete die zentrale Botschaft der Diskussion. ORF Vorarlberg

Fakten prüfen statt Falschmeldungen teilen

Auch die Politik ist gefordert. Die EU setzt laut Petra Stolba auf die Regulierung digitaler Plattformen, die Förderung unabhängiger Journalisten und mehr Medienkompetenz. Kennzeichnungspflichten für KI-generierte Inhalte sollen Transparenz schaffen. Doch wie können Medien der Flut an Falschinformationen begegnen? Während sich Gerüchte rasend schnell verbreiten, braucht seriöse Recherche Zeit. Umso wichtiger ist die Arbeit von Journalisten, die Informationen prüfen und einordnen, betonte Michael Prock von den VN.

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ORF Vorarlberg und Russmedia widmeten sich zwei Tage lang der Medienkompetenz. Bei einer Podiumsdiskussion und in Workshops ging es darum, wie sich Falschmeldungen erkennen und Informationen überprüfen lassen.ORF Vorarlberg

Der ORF hat dafür seit zwei Jahren eine eigene Faktencheck-Abteilung. Helene Voglreiter gab Einblicke in deren Arbeit. Entscheidend sei, Behauptungen zu überprüfen und die Quellen offenzulegen. “Wir erklären, weshalb etwas so ist und warum wir das wissen”, sagte sie. Eine Checkliste hilft ihnen dabei, Nachrichten Schritt für Schritt zu überprüfen.

Medienkompetenz in der Schule

Wie schnell sich Falschmeldungen verbreiten, zeigte eine Schülerin im Gespräch mit dem ORF: In sozialen Medien hatte sie von einer angeblich abgeschafften Matura erfahren. Dies stellte sich als falsch heraus. Die Experten raten dazu, vor dem Weiterleiten innezuhalten und die Quelle mit anderen Nachrichtendiensten zu überprüfen. Medienkompetenz ist eine Grundfertigkeit, lautete die zentrale Botschaft der Diskussion. Das kritische Prüfen von Informationen soll bereits in der Schule als Grundkompetenz gefördert werden.

Manipulierte Wahrheit: Wem können wir noch glauben?
Rund 80 Schülerinnen und Schüler waren am Freitag bei Russmedia in Schwarzach zu Gast. In drei Stationen lernten die Jugendlichen spielerisch verschiedene Methoden kennen, um Informationen im Netz selbst zu überprüfen. VN/Steurer

Workshops für Schüler und Lehrkräfte

Am Freitag wurde das Programm fortgesetzt: Rund 80 Schülerinnen und Schüler waren bei Russmedia in Schwarzach zu Gast. In einem interaktiven Workshop lernten sie Methoden der Desinformation kennen und erfuhren mehr darüber, wie Journalisten arbeiten und Informationen prüfen. Für Lehrkräfte fand beim ORF eine Fortbildung zu Falschinformationen und KI-generierten Inhalten statt. BVS

Manipulierte Wahrheit: Wem können wir noch glauben?
Wie prüfen Journalistinnen und Journalisten Informationen? Die Schülerinnen und Schüler konnten bei Russmedia mehr über Recherche und Faktenchecks erfahren.VN