Jungen geht’s schlechter

Gesundheitliches Wohlbefinden in allen Bereichen gesunken. Experten nennen Gründe.
SCHWARZACH. Was bei der Gesundheitsbefragung 2025 der Statistik Austria für Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 17 Jahren herausgekommen ist, überrascht niemanden, den die VN kontaktieren: Gegenüber 2019 ist das Wohlbefinden in allen erfassten Bereichen zurückgegangen. Und zwar sowohl österreichweit als auch in Vorarlberg allein. Ob in Bezug auf Familie oder Kindergarten, Vorschule, Schule, wo es noch am höchsten ist, oder in Bezug auf Körper, Freunde, Psyche oder Selbstwert, wo es nach Einschätzung der befragten Eltern am niedrigsten ist. Die durchschnittlichen Angaben auf einer Skala von null bis 100, wobei 100 maximales Wohlbefinden bedeutet, sind durchwegs gesunken.
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Dieses zunehmende Gefühl des Unwohlseins müsse ernst genommen werden, sagt AHS-Landesschulsprecher Nick Klein (18): Leistungsdruck, Zukunftsängste oder der Druck, ständig mithalten zu müssen, könnten Kinder und Jugendliche stark belasten: “Dennoch werden ihre Sorgen oft unterschätzt oder als bloße Übertreibung abgetan.”
Dass das schulpsychologische Angebot “endlich” ausgebaut werde, sei vor diesem Hintergrund “unglaublich wichtig”, ist Klein überzeugt. Tatsächlich wird bei diesen Angeboten festgestellt, dass bei Schülern zunehmend früher Unterstützung notwendig ist: Ängste und Unsicherheiten seien häufige Themen im Schulalltag geworden, heißt es aus der Bildungsdirektion.

Was ist da los? Sämtliche Untersuchungen, darunter auch die aktuelle “Lebenswelten”-Studie der Pädagogischen Hochschulen, würden zu ähnlichen Ergebnissen kommen, erklärt die Soziologin Gudrun Quenzel von der PH Vorarlberg. Die “eine” Erklärung gebe es jedoch nicht. Eine These laute, dass Kinder und Jugendliche heute sensibler mit sich und ihrer Gesundheit umgehen und daher auch Unstimmigkeiten viel stärker wahrnehmen.
Quenzel vertritt eher eine andere These: “Die Anforderungen steigen. Nicht nur, aber auch, weil Jugendliche immer größere Ansprüche an sich selbst stellen. Ob in Bezug auf Partnerschaft, Beruf oder ein gelingendes Leben insgesamt. Das Problem ist, dass Ressourcen wie Freundschaften und Familie, die Kraft geben, für all diese Herausforderungen nicht immer ausreichen und ein Gefühl der Überforderung entsteht.” Dauere das zu lange an, wirke es sich häufig negativ auf die Gesundheit aus.
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Daneben gibt es laut Quenzel die Vermutung, dass junge Leute durch die vielen Krisen der Gegenwart sowie den Umstand, dass ihnen diese durch die Nutzung sozialer Medien sehr nahegehen, belastet werden. Kinder- und Jugendanwalt Christian Netzer sieht im Zusammenhang mit diesen Medien noch etwas: Gerade der Selbstwert werde durch sie beeinflusst. Grund: Es finde ein ständiger Vergleich mit anderen statt, es komme zu unrealistischen Idealen, denen man nicht entsprechen könne.
Für Dominik Jochum von der ifs-Jugendberatung ist der Rückgang des Wohlbefindens kein temporäres Problem: Die vielen Krisen seit Corona würden Jugendlichen das Fundament eines sicheren Aufwachsens entziehen. “Während die Pandemie durch verpasste Sozialisationsetappen die psychische Basis schwächte, tragen wirtschaftliche Existenzsorgen der Eltern den Stress direkt in die Familien. Da auf diese Phase der Dauerbelastung keine Erholung folgte, erleben wir das psychische Immunsystem der Jugendlichen oft erschöpft.” Dazu würden Zukunftspessimismus und eine Sinnkrise kommen: “Viele fragen sich, wofür sie sich in der Schule oder Ausbildung überhaupt noch anstrengen sollen, wenn die Welt immer unberechenbarer wird.”

Christian Netzer ortet immerhin etwas Positives: Sämtliche Studienergebnisse würden zeigen, dass Familie und Freunde noch immer die zentrale Rolle im Leben der meisten jungen Menschen spielen würden – und dass dieser Bereich, der sehr wichtig sei für eine gute Entwicklung, meist nach wie vor funktioniere.