Ein Freigeist der Berge

Seit Kurzem trainiert Mark Amann auch den Landeskader der Nachwuchskletterer.
Dornbirn. (VN-mm) Mark Amann ist ein echter Klettermaxe. Was vielen Mühe bereitet, geht er so locker an wie Spiderman. In nur 8,9 Sekunden lässt der junge Lustenauer eine 15 Meter hohe Kletterwand hinter sich. Zufrieden ist er damit aber nicht. Denn der Weltrekord steht bei 6 Sekunden. Eine Zeit, die ihn reizen würde. Doch Mark Amann steht vor neuen Aufgaben. Seit kurzem trainiert er die jungen Kletterer im Land und hat als Nationaltrainer das Speed-Team unter seinen Fittichen.
Vielseitig unterwegs
Er bringt beste Voraussetzungen für diesen Job mit. Sieben Staatsmeistertitel im Speed-Klettern und eine Platzierung unter den Top Zehn der Welt können sich wahrhaft sehen lassen. Dem nicht genug. Nebenbei absolvierte Mark Amann noch eine Ausbildung als Routenbauer mit A-Lizenz. Er ist staatlich ausgebildeter Klettertrainer und Spitzensport-Instruktor und seit Kurzem frischgebackener Bauingenieur. Bleibt noch etwas übrig vom Tag, sucht er draußen nach neuen Wegen im Fels. Erst unlängst entdeckte Mark Amann am Breitenberg ob Dornbirn eine 170 Meter hohe, leicht überhängende Wand. „Ein Juwel direkt vor der Haustüre“, meint er in schwärmerischem Ton.
In sportlicher Hinsicht erwiesen sich die Eltern als Vorbilder. „Sie haben sehr viel Sport mit mir gemacht“, erzählt der inzwischen so erfolgreiche Sohn. Bis zum Alter von 11 Jahren war Mark Amann in der Kunstturnerszene zu Hause. Dann fiel ihm irgendwie die Decke auf den Kopf. Er wollte hinaus. Und landete, einem Schulkollegen sei Dank, im Fels. Auf dem, was er an Beweglich- und Geschicklichkeit beim Turnen gelernt hatte, konnte der ehrgeizige Nachwuchskletterer nun aufbauen. So kam er schnell weiter. „Das Klettern war meins“, stellt er denn auch bald fest. Im Sommer perfektionierte er sein Können am Berg, im Winter dann in der Kletterhalle. Ein perfekter Ausgleich, der den jungen Mann in die Kletterelite katapultierte.
Mit Mumm und Mut
Inzwischen hat sich Mark Amann wettkampfmäßig etwas abgeseilt. Seine Aufmerksamkeit gilt nun der Jugend. Die lasse sich sehr wohl fürs Klettern begeistern. „Klettern ist ein spannender Sport und von Anfang an mit Action verbunden“, sagt er. Auch das soziale Lernen hebt der junge Trainer hervor. Schließlich halte man das Leben anderer in Händen. Speed, Bouldern und Vorstieg: Das sind die Bereiche, in denen Amann seinen Kader konkurrenzfähig machen möchte. Sechs Jugendliche, zwischen 14 und 17 Jahre alt. Ohne Höhenangst, aber dafür mit viel Mumm und Mut in den Knochen.
Auch der Trainer gilt gemeinhin als „narrischer Hund“. Aber er steht dazu: „Ich bin einer, der gerne Grenzen auslotet.“ Wände, 300 bis 600 Meter hoch, bedeuten für ihn gleichermaßen Leidenschaft wie Herausforderung. Auch die Einsamkeit des alpinen Geländes fasziniert Mark Amann. Hier lebt er seinen Freigeist, wenn der Beruf Disziplin verlangt. Bei aller Abenteuerlust ist er aber dankbar, bislang mit heiler Haut davongekommen zu sein.
Auf Glück und Können hofft er weiterhin. Schließlich gibt es da noch einige „persönliche Ziele“, die er sich vorgenommen hat: die Dolomiten oder Berchtesgadener Alpen zum Beispiel. Mark Amann mag die heimischen Berge. Er will sich weiterentwickeln, will eigene Spuren legen, dort, wo die Klettergeneration vor ihm aufgehört hat.
Die Eltern haben sehr viel Sport mit mir gemacht.
Mark Amann
Zur Person
Mark Amann
Geboren: 25. März 1984 in Lustenau
Wohnort: Dornbirn
Familienstand: Lebensgefährtin
Beruf: Klettertrainer, ausgebildeter Bauingenieur
Hobbys: Berge, Fischen