Michael Prock

Kommentar

Michael Prock

Daniel Allgäuer: Einer, der die politischen Welten verbindet

Politik / 27.05.2026 • 16:20 Uhr

Ein Werkzeugkasten wird nach wenigen Einsätzen zum Ort des geordneten Chaos. Oben liegen die Klassiker: Schraubenzieher und Hammer. Wer den kaum verwendeten Kreuzmeißel braucht, muss wühlen.

Im Werkzeugkasten der Politik sind Aufregung, Polarisierung und Zuspitzung längst zu Schraubenzieher und Hammer geworden. Sachlichkeit und Ruhe geht es wie dem Kreuzmeißel: selten verwendet und schwer zu finden. Die FPÖ in Österreich beherrscht den Umgang mit Hammer und Schraubenzieher wie keine andere Partei. Daniel Allgäuer war dieser Stil aber stets fremd. Er griff lieber zum Kreuzmeißel. Ruhig, sachlich und verbindend versuchte er Politik zu machen. Genau diese Lücke muss die FPÖ nun schließen. Auch im Interesse ihres Koalitionspartners.

Allgäuers Weg war wie seine Politik: Ein Weg der leisen Schritte. 2005 zieht er in die Feldkircher Stadtvertretung ein, 2009 in den Landtag. 2015 wird er Klubobmann. Nicht aus Machtstreben, sondern auch aus Loyalität. Irgendjemand musste es schließlich machen.

Das Rampenlicht suchte er selten. Als die FPÖ einen neuen Landesparteichef brauchte, brachte sich Allgäuer nicht selbst in Stellung. Stattdessen machte er sich für Christof Bitschi stark. Bitschi bekam das Rampenlicht. Allgäuer erledigte die Arbeit und hielt seinem Parteichef den Rücken frei.

2020 folgte der nächste politische Schritt in Feldkirch. Allgäuer erreichte die Stichwahl, blieb dort allerdings zu harmonisch, um Bürgermeister zu werden. So reichte es nur zum Vizebürgermeister. Doch die Frage blieb: Wollte er dieses Amt überhaupt wirklich? 2024 trat er erst gar nicht mehr an. Nicht wenige sind überzeugt: Wäre Allgäuer erneut für die FPÖ ins Rennen gegangen, hätte Feldkirch wohl heute einen blauen Bürgermeister.

Damals deutete vieles auf einen langsamen politischen Rückzug hin. Doch Loyalität machte ihm erneut einen Strich durch die Rechnung. Als Christof Bitschi fragte, ob er in die Landesregierung wechseln würde, konnte Allgäuer kaum ablehnen.

Allgäuer galt nie als großer Erneuerer. Er war Verwalter, nicht Antreiber. Unauffällig im Aktionismus, zurückhaltend in der Inszenierung. Gerade deshalb eckte er selten an. Und genau das machte ihn politisch wertvoll.

Für die ÖVP war Allgäuer die personifizierte Antithese zur Kickl-FPÖ. Mit ihm ließ sich die Koalition in den eigenen Reihen argumentieren. Wenn aus der Volkspartei der Satz fiel: „Die FPÖ im Land ist anders“, dann war meist Allgäuer gemeint.

Auch die Opposition fühlte sich von ihm ernst genommen. Und die FPÖ selbst verfügte mit Allgäuer über ein wichtiges Argument gegenüber gemäßigten Wählern.

Mit Markus Klien übernimmt nun ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Nicht einmal zwei Jahre nach seinem Wechsel an die Klubspitze zieht er bereits in die Landesregierung weiter. Er wolle die Politik seines Vorgängers fortführen, sagt er. Wenn diese Worte mehr sein sollen als eine höfliche Floskel, bleibt dafür allerdings wenig Zeit.

Als Sicherheits- und Integrationslandesrat muss Klien den schwierigen Spagat zwischen konsequenter Linie und sachlicher Politik schaffen. Als Hochbaulandesrat werden seine Projekte unter dem Brennglas des Sparpakets stehen. Und als Energielandesrat übernimmt er Verantwortung in einer Zeit anhaltender Unsicherheit auf den Energiemärkten.

Am Ende wird auch für ihn entscheidend sein, zu welchem Werkzeug er greift. Auch wenn es vielleicht langweilig ist.