2000 Flaschen Schnaps

Wetter / 09.06.2014 • 17:58 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Gastrojournalist bei der Arbeit: Peter Hämmerles Beruf ist es unter anderem, für einen Gourmet-Guide Schnaps zu bewerten. Foto: ENTNER
Gastrojournalist bei der Arbeit: Peter Hämmerles Beruf ist es unter anderem, für einen Gourmet-Guide Schnaps zu bewerten. Foto: ENTNER

Ob Fruchtbrände oder Whiskeys: Hämmerle zählt in Österreich zur Gourmet-Spitze.

Wien. (VN-ebi) Fragt man seine Kinder, was denn ihr Vater beruflich mache, antworteten sie kurz und bündig: „Schnaps trinken“, erzählt Peter Hämmerle und lacht. Das ist auch nicht gelogen, denn der 56-Jährige zählt zu den namhaften Edelgourmets Österreichs. In seinem Büro in Wien befindet sich jeder, der gerne ein gutes Tröpfchen trinkt, sozusagen im Paradies. Über 2000 Flaschen an Fruchtbränden und -destillaten, Whiskeys und Wodkas stehen dort auf dem Tisch, im Regal und unter dem Arbeitsplatz des Gastrojournalisten – wohin seine Besucher auch schauen, sie werden immer mindestens eine Flasche erblicken.

Doch wer sich nun denkt, dass die Arbeit eines Gourmets immer eine leichte ist, liegt falsch.

80 Schnäpse an einem Tag

In der Hochsaison verkostet Hämmerle bis zu 80 Schnäpse an einem Tag. Dafür verwendet er pro Edelbrand immer drei verschiedene Gläser, da sich dieser in jedem Gefäß anders entfaltet. „Die Schnäpse sind meist sehr komplex und können sich auch verändern. Daher gehört zu meiner Tätigkeit viel Intuition und Vertrauen darauf, die wichtigsten Parameter erkennen zu können, auch Unvoreingenommenheit. Es ist in erster Linie eine Frage der Erfahrung. Natürlich braucht man aber auch ein gewisses analytisches und fachliches Rüstzeug, aber so ist das in fast jedem Beruf“, betont Hämmerle.

Begonnen hat die Laufbahn des Gourmets jedoch nicht mit Hochprozentigem. Als er nach Wien zog, um eigentlich Betriebswirtschaftslehre zu studieren, stieß er Ende der 1970er-Jahre zu einer Kochgruppe von rund 20 Personen. Dort lernte er den zukünftigen Chefredakteur eines Gastromagazins kennen, der Hämmerles feine Geschmacksknospen schon von Beginn an zu schätzen wusste. „Er suchte einen Restauranttester und ich machte das natürlich gerne“, erzählt der gebürtige Lustenauer. Als er damit begonnen habe, konnte er das Essen aber kaum genießen, „weil man auf so viele Dinge achten muss. Abgesehen davon weiß man oft schon bei der Vorspeise, dass der Abend mühsam wird und man dennoch bis zum Dessert bleiben muss. Man benötigt ja ein Protokoll.“

Schnaps auf sich wirken lassen

Auf das Restauranttesten folgten Weinschulungen und ebenso Fortbildungen im Schnapsverkosten. Hämmerle veröffentlichte auch Bücher über Käse, Essig, richtiges Küchenequipment und schließlich eben über Schnaps. Derzeit verkostet er die verschiedenen Brände übrigens oft mit einem deutschen Weinfachmann, da sie meistens gegensätzlicher Meinung seien und das Ergebnis ausdiskutieren müssten. „Wir sitzen zusammen, sagen ein paar Minuten nichts und lassen den Schnaps auf uns wirken.“ Hämmerle lässt den Schnaps im wahrsten Sinne des Wortes auf der Zunge zergehen. Trinken könne er ihn bei einem solchen Verkostungsmarathon natürlich nicht. Übrigens steht eine Bewertung nie nach der ersten Verkostung fest. Es braucht mindestens zwei.

Liebe zum Detail

Dass der Gastrojournalist schon beinahe einer Bestimmung gefolgt ist, wird offensichtlich, sobald man seine Wohnung oder das Büro betritt. Nicht nur, dass er gerne in der Küche experimentiert und großartige Speisen auftischt, in jedem Raum findet der Besucher die Liebe zum Detail wieder. Die Möbel hat er fast alle selbst gezimmert, Küche und Esszimmer strahlen eine richtige Gourmetatmosphäre aus. In einem weiteren Raum findet man sogar ein kleines Fotostudio für die Schnapsflaschen.

Auch in seinem Weinviertler Haus, in dem er viel Zeit mit seiner Familie genießt, habe er eigentlich alles selbst entworfen und gebaut. An diesem Ort zähle auch der Obst- und Rosengarten zu seinen großen Leidenschaften. Aus Sentimentalität habe er dort sogar einen „Subirer“ gepflanzt.

Wie in jedem Beruf braucht man ein fachliches Rüstzeug.

Peter Hämmerle

Zur Person

Peter Hämmerle

Gastrojournalist und Gourmet

Geboren: 13. August 1957
Familie: verheiratet, drei Kinder

Ausbildung: Gymnasium in Dornbirn, BWL-Studium in Graz und Wien

Hobbys: Ahnenforschung, Fotografie, Lesen, Handwerken und Kochen

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