Umweltbewusster Gründer

Wetter / 22.06.2014 • 18:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ralph Hollenstein mit seinem ersten Lastenrad, mit dem er ab dem 1. Juli ausliefern wird. Foto: VN/Hartinger

Ralph Hollenstein mit seinem ersten Lastenrad, mit dem er ab dem 1. Juli ausliefern wird. Foto: VN/Hartinger

Ralph Hollenstein gehört einfach in den Sattel – das war schon immer so.

Lustenau. (VN-toh) Drei Minuten. 200 Zuschauer. Wer das Präsentieren vor einem großen Publikum nicht gewohnt ist, der kann schon einmal schwitzende Hände bekommen. „Aber das macht man gerne, da überwiegt die Freude“, sagt Ralph Hollenstein rückblickend. Der Lustenauer schaffte es vergangene Woche in Wien mit seiner Idee zu einem Paketlieferservice via Lastenrad unter die Top-Ten der ersten grünen Start-up-Initiative des Klima- und Energiefonds, ergatterte daher ein Preisgeld von 6000 Euro und durfte seine Idee vor den rund 200 Gästen präsentieren. Die Kapitalspritze kann Hollenstein gut gebrauchen, soll doch seine Idee schon bald in die Tat umgesetzt werden, das Unternehmen ist bereits gegründet.

Über 20 Jahre lang verschickte er für eine Speditionsfirma Container rund um die Welt. Damit wollte er sich aber auch aus ideologischer Sicht nicht zufriedengeben. Eine Initialzündung erhielt er in Form eines Zeitungsartikels, bei dem es darum ging, dass Fahrrad-Transport die Zukunft ist. Also dachte er darüber nach, ob sich etwas aus seiner Erfahrung, dem Transport, seiner Leidenschaft, dem Fahrrad und seiner Ideologie, es musste etwas mit ökologischem Hintergrund sein, machen lässt.

Kurze Vorlaufzeit

Gedacht, getan. Erst am 1. März den ersten Gedanken daran „verschwendet“, fällt am 1. Juli schon der offizielle Startschuss für seinen Lieferservice. Alles wird sich um das Elektro-Lastenrad drehen. Mit einem solchen will er vorerst im Rheintal einen Lieferservice anbieten. Hollenstein wird aber auch Anlaufstelle für all jene, die ein Lastenrad ausleihen oder kaufen wollen. „Es gibt viele verschiedene Lastenräder, um das passende zu finden, muss man es testen und braucht eine entsprechende Beratung dazu“, skizziert der 40-Jährige, mit welchem Service er punkten will.

Biogemüse auf Rädern

Seinen ersten Kunden hat er bereits: Er wird für den Biobauern vom Vetterhof Gemüse ausliefern. „Je nachdem, wie mein Angebot angenommen wird, suche ich noch Partner, um einen Lieferservice auch flächendeckend anbieten zu können“, denkt Hollenstein schon weiter. Zustelldienst, Verleih und Verkauf von Lastenrädern sollen auch nur der Anfang sein. „Das Potenzial ist enorm, Lastenräder extrem vielseitig einsetzbar“, ist er überzeugt.

BMX und Radball

Als „Pedalpirate“, wie er sich mit seinem Vorhaben bezeichnet, glaubt Hollenstein auch sein Lebensglück gefunden zu haben. „Meine tägliche Arbeit vereint dann drei Dinge: Was ich kann, was ich will und woran ich glaube“, sagt Hollenstein.

Auf den Drahtesel gekommen ist der dreifache Familienvater schon früh. „Seit ich gehen kann, fahre ich mit dem Fahrrad“, erinnert er sich zurück. Als Kind war es noch das BMX, das ihn in den Bann zog. „In der Jugend spielte ich dann Radball und jetzt ist es sowieso Fortbewegungsmittel Nummer 1.“ Gelegentliche Biketouren sind für ihn ein Muss. Die meiste Zeit seines Lebens, sagt er, habe er auch gar kein Auto besessen.

Sein Ziel ist es, in absehbarer Zeit erste Mitarbeiter einzustellen. Denn das vielseitige Angebot lasse sich auf Dauer nicht alleine bewältigen. Doch auch wenn er sich später um die verwalterischen Belange kümmern muss, will er auf eines nicht verzichten: „Gewisse Fahrten will ich immer selbst übernehmen, so behalte ich meine gewissen Trainingseinheiten auf dem Fahrrad.“

Das vereint das, was ich kann, das, was ich will und das, woran ich glaube.

Ralph Hollenstein

Zur Person

Ralph Hollenstein

wurde für seine Green-Business-Idee vom Klima- und Energiefonds ausgezeichnet

Geboren: 30. Juli 1973

Ausbildung: Speditionskaufmann

Familie: drei Kinder

Hobbys: Familie und Fahrradfahren