Ruhe und viel Phantasie

Wetter / 23.06.2014 • 18:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Karin Klas liest selber fürs Leben gern, und ihren Kindern liest sie regelmäßig vor.  Foto: VN/Hartinger
Karin Klas liest selber fürs Leben gern, und ihren Kindern liest sie regelmäßig vor. Foto: VN/Hartinger

Karin Klas betreut Programm und Servicetelefon der „Buch am Bach“. Kunststück, sie liest fürs Leben gern.

Götzis. (VN-tm) Sie steht da hinten und blättert ihren Ordner durch. Hochkonzentriert. Dass Herbert Geser als Saalmanager der Kulturbühne AMBACH, den lautstarken Anforderungen des Fotografen folgend, die Scheinwerfer auf Schienen arrangiert, stört sie kein bisschen. Frauen und Männer tragen schnaufend schwere Kisten an ihr vorbei, aus denen ein paar Buchrücken frech hervorlugen. „Wimmelbilder“ entstehen ihr zu Füßen, Aglaia Lang und ihre Kollegin kleben und schneiden und prusten und lachen. Und inmitten all dieses Trubels steht Karin Klas und kontrolliert zum x-ten Mal Anmeldungen und freie Plätze. Sie ist zum ersten Mal die „gute Seele“ der VN-Kinder- und Jugendbuchmesse. Bei Armin Bell hat sie das Geschäft erlernt. Das Götzner Urgestein tritt ja in der Rütte behaglich die Pension an. Und Karin Klas und Herbert Geser folgen ihm in der „Buch am Bach“ nach.

Ob sie mal auf den Laufsteg käme, fragt der Fotograf. Minuten später sitzt Karin Klas, ein Buch in Händen, bereits im Scheinwerferlicht. Und da merkt man gleich: Fremd ist ihr das nicht. Doch davon später.

Geburt auf dem Kanapee

Geboren wurde sie in Au im Bregenzerwald, „auf dem Kanapee daheim“, als eines von acht Geschwistern. Der Vater war Berufsschullehrer. Der ist mittlerweile – längst in Pension – für Dr. Elisabeth Neier in Kamerun tätig. Hat dort sogar eine eigene Handwerkerzunft gegründet. So sind die „Wäldar“. Karin Klas ist auf ihre Bregenzerwälder Wurzeln stolz. Das kann man auch hören. „Der Dialekt verflacht zwar mit der Zeit.“ Immerhin lebt Klas seit 20 Jahren in Götzis. Aber schon der zweite Satz verrät sie. Das hat sie gern. „Identität gibt mir das schon.“ Den zweiten Teil ihrer Identität verdankt sie der Bühne. Karin Klas spielt Theater, seit eine Hauptschullehrerin ihre Neugierde geweckt hat. Am Ende des Schuljahres haben sie damals Gebhard Wölfle gespielt: „S’Flügagift“. Ihre Rolle war „der Böltle“. „Den ganzen Sommer über hat man mir überall nachgerufen: Böltle, pfief!“ Das hat großen Eindruck auf Karin Klas gemacht. So hat sie in Schwarzach mit anderen eine Laienspielgruppe gegründet, in Klaus „die Spaltpilze“. Und heute wirkt sie beim Spielkreis Götzis mit. Vor und hinter der Bühne. Im Vorstand und im Kostüm, und manchmal ganz verwegen: Im Stück „Letzter Wille“ von Fitzgerald Kusz spielte sie eine ganz verruchte Person: „Ich musste rauchen und saufen.“ Sie trug enge Lederklamotten. Und das alles hat ihr höllischen Spaß bereitet. Ein andermal hat sie auf der Bühne ihren Ehemann mit der Axt erschlagen. An x Abenden hintereinander. Auf der Bühne ist eben nichts unmöglich.

Liest fürs Leben gern

Und heute steht Klas erneut hinter der Bühne. Für die „Buch am Bach“ war sie leicht zu gewinnen, „weil ich selber für mein Leben gern lese“. Außerdem hat Karin Klas Zielpublikum zu Hause: Anna (6) und Simon (3) blättern mit Hingabe Bücher durch. „Sie können gar nicht genug davon kriegen.“ Besonders der kleine Drache Kokosnuss hat es ihnen angetan. „Der ist ein Feuerdrache“, klärt Karin Klas auf. Sie hat schließlich oft genug daraus vorgelesen. Ganz ein offener, wiffer Kerl ist das. Hat sich sogar einen Fressdrachen zum Freund erkoren, wo doch jedermann weiß, dass Fressdrachen Feuerdrachen gerne zum Frühstück verspeisen. Auf der VN-Kinder- und Jugendbuchmesse wimmelt es bis Donnerstagabend nur so von Drachen, Prinzen und anderen Autorenkindern.

Wenn ich lese, verschwinde ich ganz in meinem Buch.

Karin Klas

Zur Person

Karin Klas

als Nachfolgerin von Armin Bell der „gute Geist“ der Buch am Bach

Geboren: 21. 5. 1968 in Au

Ausbildung: Handelsschule Bezau, Ausbildung zur Abfallberaterin

Laufbahn: Buchhaltung in Soziales in der Gemeinde Schwarzach, Büro Stadtbus Dornbirn, Ökologieinstitut

Familie: verheiratet, zwei Kinder

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