“Fotografie liebt mich”

Die Künstlerin Eva Kees will Geschichten erzählen, nicht Bilder an die Wand hängen.
Wien. (VN-com) Die Werke der Vorarlbergerin Eva Kees sollen Vergängliches festhalten: „Ich inszeniere nicht wunderschöne Oberflächen, Formen und Farben, sondern etwas, das emotionale Tiefe hat“, sagt sie. Dazu zählen auch die von ihr gestalteten Fotografien auf einer Straßenbahn, die seit Ende August auf Wiens längster Linie vom neuen Hauptbahnhof bis nach Nussdorf fährt. Darauf zu sehen sind schemenhafte Körper in Bewegung, die eine gesunde und ausgewogene Lebensweise symbolisieren. Die Arbeit entstand für die Kampagne der gemeinnützigen Stiftung „Wissen macht gesund“. Sowohl das Thema Gesundheitsvorsorge als auch die Straßenbahn haben die Vorarlbergerin inspiriert.
In Bildstein aufgewachsen
Eva Kees ist in Bildstein aufgewachsen. Ihre Kindheit sei idyllisch gewesen. Die Natur in der Gemeinde habe sie geprägt. Auch heute fährt sie gerne dorthin zurück.
Nach der Volksschule in Bildstein besuchte Kees das Gymnasium in Dornbirn und absolvierte dort den bildnerischen Zweig. Danach hat sie in unterschiedliche Richtungen experimentiert. Unter anderem studierte sie an einem Modekolleg in Düsseldorf.
Medium gefunden
Heute hat sie jenes Medium gefunden, über das sie sich am besten ausdrücken kann: „Fotografie liebt mich, meist ist sie der Ursprung, aus dem sich Dinge und Formen entwickeln.“ Hält die 32-Jährige eine Kamera in der Hand, konzentriert sie sich ganz auf die Objekte. Dabei ist es egal, ob es sich „um einen Menschen, ein Wasserglas oder ein Soletti“ handelt. Eva Kees denkt nicht in Schubladen und möchte auch selber nicht gerne in eine gesteckt werden. Weder Fotografin noch Künstlerin seien geeignete Begriffe für ihre Arbeit: „Ich würde immer lieber meinen Namen sagen als eine Berufsbezeichnung.“
Fotografie als Handwerk
Ihre Ausbildung zur künstlerischen Fotografie hat die Bildsteinerin am Kolleg fotoK in Wien gemacht. Neben der persönlichen Entwicklung stand dort vor allem das Handwerk im Vordergrund. Kees hat bei diesem Studium die Grundlagen gelernt, die heute bei jeder ihrer Arbeiten wichtig sind: Was macht ein Foto aus, wie ist es aufgebaut, wie ist es belichtet? Die Feinheit der Fotografie sei es, Licht und Form zu sehen, den richtigen Moment zu erwischen – manchmal müsse man ganz schnell sein, ein andermal lange warten, sagt sie.
Fotografie hat bei der Vorarlbergerin auch viel mit Gefühl zu tun. Ein immer wiederkehrendes Thema in ihren Arbeiten ist das Selbstporträt. Für ihre erste Semesterarbeit am Kolleg und auch für ihre Diplomarbeit hat sie sich selbst abgelichtet: „Bei den Porträts zeige ich sehr viel von meiner Person, ich kann emotionale Dinge damit verarbeiten und ausdrücken.“
Leben für die Kunst
Nach dem Diplom für künstlerische Fotografie folgten Jobs in Wien und New York, ein Residenzaufenthalt in Berlin, Ausstellungen in Lustenau und in Feldkirch. Derzeit arbeitet Eva Kees als Assistentin des österreichischen Architekten Gregor Eichinger. Auch wenn die Arbeit kreativ, abwechslungsreich und interessant sei: „Mein Ziel ist das Leben für die Kunst, und nicht für jemanden zu arbeiten.“
Ein zweites Standbein wünscht sich die Bildsteinerin in Vorarlberg. Denn derzeit kann sie nicht so oft in ihre Heimat reisen, wie sie es gerne möchte. Das könnte sich in Zukunft ändern, es sind zwei Ausstellungen im Ländle, aber auch eine in Wien geplant.
Es ist egal, ob es sich um einen Menschen oder ein Soletti handelt.
Eva Kees
Zur Person
Eva Kees
Freischaffende Künstlerin und Fotografin
Geboren: 21. April 1982, Bregenz
Ausbildung: Gymnasium in Dornbirn, Studium der künstlerischen Fotografie in Wien
Webseite: evakees.com