Komponieren und ernten

Wetter / 12.11.2014 • 18:23 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Komponist Richard Dünser lässt sich für seine musikalischen Werke von allen möglichen Einflüssen inspirieren.  FOTO: Loisiarte
Komponist Richard Dünser lässt sich für seine musikalischen Werke von allen möglichen Einflüssen inspirieren. FOTO: Loisiarte

Richard Dünser schreibt eigens für das niederösterreichische Festival Loisiarte.

Wien. (VN-com) Wenn Richard Dünser komponiert, lässt er sich von allen möglichen Einflüssen inspirieren. Das wird der Vorarlberger auch im kommenden Jahr unter Beweis stellen: Dieses Mal in Niederösterreich, wo das Musik- und Literaturfestival Loisiarte 2015 sein zehnjähriges Jubiläum feiert, wie Dünser gestern bei einer Pressekonferenz in Wien ankündigte. Die Zusammenarbeit mit Intendant Christian Altenburger habe sich vor rund eineinhalb Jahren auf einem Musikfestival in Deutschland ergeben, erzählt er. Dort lernten sich die beiden zufällig kennen. Kurze Zeit später begann Dünser mit der Arbeit an dem Stück für die Loisiarte. Nach dem Ausspruch Leonardo da Vincis nannte er das Quintett „Delle cose invisibile“. Die Musik sei die Manifestation der unsichtbaren Dinge. Die Komposition handelt von da Vincis Leben, seinen Bildern und Schriften, betont der 55-Jährige. Uraufgeführt wird das Stück im März 2015.

Harte Arbeit, reiche Ernte

Schon bei vielen seiner Werke ließ sich der Vorarlberger von Außermusikalischem inspirieren. Sei es die bildende Kunst oder literarische Texte, er versucht immer, Augen und Ohren für Stimmungen offen zu halten. Dünser vergleicht seine Tätigkeit mit der eines Bildhauers. Auch dieser habe zu Beginn nicht den Marmorblock, sondern bereits die Figur vor Augen, aber „bis sie herausgemeißelt ist, das dauert“. Es stecke ein gewisser Kraftakt dahinter. Die Uraufführung sei dann der schönste Moment, sie sei die Ernte für die harte Arbeit, so Dünser.

Langjährige Erfahrung

Schon mit zwölf Jahren schrieb er sein erstes Stück. Der Komponist Hans Werner Henze war eines seiner großen Vorbilder, später sollte der heute 55-Jährige bei ihm studieren. Die musikalische Ausbildung begann am Bregenzer Konservatorium mit Gesangs- und Klavierunterricht. Mit 18 Jahren zog der Vorarlberger nach Wien, um Komposition zu lernen. Danach vollendete er seine Ausbildung bei Henze in Köln. Neben dem Komponieren begann Dünser zuerst in Innsbruck, später an der Grazer Musikhochschule zu lehren. Er genieße es, seinen Studenten die verborgenen Schönheiten der Meisterwerke zu zeigen, wie er im VN-Gespräch erzählt. Außerdem sei das Unterrichten der perfekte Ausgleich zum Komponistendasein. So komme er regelmäßig in die Öffentlichkeit und unter junge Leute, denn Komponieren sei eine einsame Sache.

Weg zu sich selbst

Dünser lebt mit seiner Familie in der Südsteiermark und in Wien, komponiert wird in der Stadt aber nicht. Dort werden andere Sachen erledigt, die zu seinem Berufsleben gehören: Etwa Netzwerken und Konzerte besuchen. Am liebsten schreibt Dünser seine Werke am Land, was mit seinem Ursprung zusammenhängen mag. Aufgewachsen ist er nämlich am Pfänder mit Blick über den Bodensee. Auch heute ist er noch regelmäßig im Ländle, sowohl familiäre als auch künstlerische Bande verbinden ihn. Bei den Bregenzer Festspielen war er sehr oft vertreten, seine erste Oper Radek hatte dort ihre Uraufführung.

Dünser schreibt seine Stücke nicht für Komponisten oder Kritiker, sondern für das Publikum, erwähnt er abschließend. Der Vorarlberger hält wenig von dem „elfenbeinernen Turm des Schreibens für Spezialisten“. Er bleibe sich und seiner Musik treu und komponiere, was ihm vorschwebt. Ein Künstler müsse schließlich seinen Weg gehen, auch wenn er dabei mit Tomaten beschmissen werde, so Dünser.

Der schönste Moment ist die Uraufführung einer Komposition.

Richard Dünser

Zur Person

Richard Dünser

Komponist und Professor für Musiktheorie, Kunstuniversität Graz

Geboren: 1. Mai 1959, Bregenz

Ausbildung: Kompositionsstudium in Wien und Köln

Hobbys: Kochen, Natur

Familie: verheiratet, zwei Söhne