Wenn sich Talent vererbt

Wetter / 25.11.2014 • 18:33 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Martin Pfefferkorn präsentiert Holzschnitzarbeiten aus seinem Geschäft. Weihnachtsartikel kommen jetzt besonders gut an. Foto: Hofmeister
Martin Pfefferkorn präsentiert Holzschnitzarbeiten aus seinem Geschäft. Weihnachtsartikel kommen jetzt besonders gut an. Foto: Hofmeister

Der Bildhauer aus Partenen führt das Lebenswerk seines Vaters erfolgreich fort.

Partenen. (VN-kum) Das Schnitzen hat Tradition in der Familie Pfefferkorn in Partenen. Schon Martins Großvater arbeitete mit Holz. „Er war Bergführer und stellte nebenher Möbel her“, erzählt Martin. Seinen Vater Egon zog es ebenfalls in diese Richtung. Als dieser noch ein Bub war, schenkte ihm ein Nachbar, der hobbymäßig schnitzte, ein Schnitzeisen. „Papa schnitzte Bilder aus Zeitungen als Relief nach.“ Als zwei durchreisende Priester seine Arbeiten sahen, waren sie so begeistert, dass sie Egons Eltern empfahlen, den Buben in die Schnitzschule Elbigenalp zu schicken. Die Eltern hörten auf die Geistlichen und ließen ihr Kind die Schule in Tirol besuchen.

Wie der Vater so der Sohn

Nach der Schule arbeitete Egon zunächst in einer Tischlerei. 1966 wagte Martins Vater den Sprung in die Selbstständigkeit. Er eröffnete ein Geschäft in Partenen. Er konnte sich als Holzschnitzer behaupten, nicht zuletzt auch wegen des aufkommenden Fremdenverkehrs.

Seine beiden Söhne Martin und Hansjörg hielten sich oft in Vaters Werkstatt auf. „Ich habe Papa schon als Kind geholfen, Holzschalen anzufertigen“, erinnert sich Martin. Er war im Volksschulalter, als es seinerseits zu ersten Schnitzversuchen kam. Das erste, was Martin schnitzte, war ein Gesicht. „Ich habe es für meine Mutter gemacht. Sie hat den Kopf heute noch.“ Gesichter faszinieren den 40-Jährigen bis heute. Für einen Holzschnitzer sind Porträts eine besondere Herausforderung. Denn: „Charakterzüge zu schnitzen, ist das Allerschwierigste.“

Schon als Hauptschüler wusste Martin, dass er einen Holzberuf ergreifen wollte. „Ich entschied mich für eine Tischlerlehre.“ Es gefiel ihm, Möbel zu machen. Als ihn sein Vater fragte, ob er sich nicht auch zum Bildhauer ausbilden lassen wolle, winkte er zunächst ab. „Aber irgendwie ließ mich der Gedanke nicht mehr los. Schließlich sagte ich meinem Vater, dass ich die Aufnahmsprüfung an der Schnitzschule machen wolle.“ Sein Vater war hoch erfreut. Er begleitete Martin zur Prüfung. Der Partener erinnert sich: „Der Schuldirektor bat mich, mit Plastilin Formen zu modellieren. Nach fünf Stunden kam er zur Tür herein, begutachtete meine Arbeit und sagte: ,Du kannst hierbleiben.‘“ 1996 schloss Martin die Fachschule mit ausgezeichnetem Erfolg ab. Für ihn steht fest: „Vater hat mir das Talent fürs Schnitzen mitgegeben. Das hat sich vererbt.“ 2001 übernahm er die „Montafoner Schnitzstube“ von seinem Vater. „Er war sehr erleichtert und erfreut, dass ich sein Lebenswerk fortführe.“

Der Beruf erfüllt Martin. „Man hat Freude dabei, wenn man etwas gestalten kann. Und natürlich freut man sich über das Ergebnis und wenn die Kunden zufrieden sind.“ Das Schöne sei auch, dass sein Beruf sehr abwechslungsreich sei. „Man macht immer wieder andere Sachen und steht vor neuen Herausforderungen.“ Die Bandbreite seiner Arbeit ist groß. Jetzt in der Vorweihnachtszeit sind Krippen, handgeschnitzte Krippenfiguren, Engel, Sterne oder Kerzen bei den Kunden sehr gefragt. Er verkauft aber auch Heiligenfiguren, Reliefs, Kreuze, Madonnen und so profane Dinge wie Jausenbretter, Nussknacker oder Eierbecher. Der Bildhauer arbeitet auch für Firmen. „Einmal habe ich fürs Milkafest mit einem Kollegen zusammen einen vier Meter großen Hermann Maier geschnitzt.“ Auch für die Wandreliefs im Alpengasthof Muttersberg zeichnet unter anderem Martin verantwortlich. Manchmal geht ihm sein ältester Sohn Marian zur Hand. Dieser lässt sich gerade zum Tischler ausbilden.

Mein Vater gab mir das Talent fürs Schnitzen mit.

Martin Pfefferkorn

Zur Person

Martin Pfefferkorn

Geboren: 26. Juni 1974

Geburtsort: Schruns

Wohnort: Partenen

Ausbildung: Tischler- und Bild­hauerlehre

Hobbys: Skifahren, Mountainbiken

Familie: verheiratet, drei Kinder