Positive Lebenswende

Blindschütze Patrick Moor hat in seiner Karriere bereits eine ganze Reihe von Siegen errungen. Foto: Privat
Durch den Schießsport hat Patrick Moor wieder neuen Lebensmut gefasst.
lauterach. (VN-sis) Im Dezember 2004 nahm das Leben von Patrick Moor eine unvorhergesehene Wende. Diagnose „Makuladegeneration“, eine Erkrankung der Netzhaut, die in vielen Fällen zur völligen Erblindung führt. „Ich war jemand, der am liebsten 20 Sachen gleichzeitig machte. Ich legte pro Jahr knapp 70.000 Kilometer mit dem Auto zurück“, erzählt er. Innerhalb weniger Monate verlor Moor 30 Prozent seiner Sehkraft. Seine Arbeit als Elektroniker und Programmierer gestaltete sich zunehmend schwieriger. Sein Auto blieb bald in der Garage. „Mein Selbstbewusstsein war im Keller.“
Eine positive Wende
Vor ungefähr acht Jahren nahm sein Leben noch einmal eine unvorhergesehene Wende. „Ich lernte einen 70-jährigen Mann aus Sulz kennen, der bereits vollständig erblindet war“, erzählt Moor. Dieser zeigte ihm nicht nur einige elektronische Hilfsmittel, die den Alltag erheblich erleichtern, sondern er war es auch, der Patrick Moor schließlich zum Schießsport brachte. „Er erzählte mir von zwei Bekannten, die jemanden suchten, um an der Staatsmeisterschaft teilzunehmen“, erinnert sich der 45-Jährige. Nach ein paar Schussversuchen kam er schlussendlich auf den Geschmack. 2007 fuhr er zur Tiroler Landesmeisterschaft, die er auch gleich gewann.
Welche Auswirkungen das auf sein weiteres Leben haben würde, ahnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ohne größere Erwartungen, mit einem günstigen Jugendgewehr ausgestattet, trat er daraufhin bei der Staatsmeisterschaft an. „Mein Schießstand befand sich genau neben dem des damaligen Weltmeisters“, berichtet Moor mit einem Lächeln. Eine Stunde hatte jeder Schütze Zeit, um seine Schüsse abzufeuern. Nach der Hälfte der Zeit legte Patrick Moor bereits sein Gewehr weg. „Gibst du auf?“, fragte ein Teilnehmer. „Nein, ich bin fertig“, gab Moor zurück. Es war sein erster Sieg bei einem großen Wettbewerb. Viele weitere sollten noch folgen.
Tiroler Landesmeister, mehrfacher österreichischer Staatsmeister und Gewinner zahlreicher internationaler Bewerbe. Die Liste seiner Erfolge hat zwischenzeitlich eine beachtliche Länge erreicht. „Durch den Sport habe ich mein Selbstbewusstsein wiedererlangt. Er hat mir sehr viel gebracht“, sagt Moor. Unterstützt wird er bei den Wettkämpfen von seiner Frau Daniela. „Sie wendet einen Großteil ihrer Freizeit für meinen Sport auf. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.“ Ein weiteres Dankeschön richtet der Sportler an den Wolfurter Schützenverein. „Für uns sehbehinderte Schützen ist es wichtig, dass wir bei einem Verein unterkommen und mit den ganz normalen Schützen mittrainieren können. Nachdem ich 2010 nach Lauterach gezogen bin, war die USG Wolfurt mit Obmann Markus Gasser sehr bemüht, mir die bestmögliche Trainingsmöglichkeit zu bieten.“
Paralympische Spiele
Seit 2009 zeichnet Patrick Moor als Fachreferent des Österreichischen Blindensport-Vereins (ÖBSV) für das Blindschießen in Österreich verantwortlich. Außerdem ist er Mitglied des Subkomitees der Internationalen Blindensport-Organisation (IBSA). „Wir arbeiten derzeit stark daran, dass Blindschießen paralympisch wird“, erzählt er. Wichtige Schritte wurden bereits gemacht, sodass bereits 2024 erstmals blinde Schützen an den paralympischen Spielen teilnehmen werden.
Außerdem feilt Moor aktuell an einer technisch moderneren Fassung des Schießsystems für Blindschützen.
Der Sport hat mir mein Selbstbewusstsein zurückgegeben.
Patrick Moor
Zur Person
Patrick Moor
seit vielen Jahren als erfolgreicher Blindschütze unterwegs.
Geboren: 1969 in Hohenems
Ausbildung: Elektroniker und Programmierer
Familie: verheiratet mit Daniela, die ihn als Begleitsportlerin unterstützt.