Vom Rössler zum Schäfer

04.10.2015 • 16:35 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein Mann, der große und kleine Schafe liebt: Heinz Waldhart mit einem wenige Tage alten Lämmlein.  Foto: VN/Paulitsch
Ein Mann, der große und kleine Schafe liebt: Heinz Waldhart mit einem wenige Tage alten Lämmlein. Foto: VN/Paulitsch

Heinz Waldhart hat sich der Schafzucht verschrieben. Das erhöht seine Lebensqualität.

Lustenau. (VN-hk) Mit geschultem Griff schnappt sich Heinz Waldhart das Schaf an den Hinterbeinen, hält es senkrecht mit dem Kopf nach unten und schert es innerhalb weniger Minuten kahl. Der Mann versteht sein Handwerk. Waldhart ist immerhin schon 75, aber rüstig und ein profunder Kenner von Schafen.

Tierische Biografie

„Ursprünglich hatte ich es jedoch eher mit Pferden“, lacht der hagere Mann mit dem schlohweißen Haar. Vor 35 Jahren kam der Schwenk von den großen Vierbeinern zu den etwas kleineren. „Meine Tochter schenkte mir zum Geburtstag ein Schaf, das ich im Pferdestall unterbrachte. Dann kam irgendwann die Liebe zu den Schafen“, gibt der Vater und Großvater seine tierische Biografie zum Besten. Anfangs war es für ihn ein Ausgleich zu seinem Hauptberuf als Schreiner. Doch dann kamen mehr und mehr Schafe auf den Hof, vor allem auch deswegen, weil sich seine Tochter Carmen für die wolligen Tiere interessierte.

Schafe immer beliebter

Mit Genugtuung durfte Waldhart zur Kenntnis nehmen, dass sich Schafe im Laufe der letzten Jahre in der Beliebtheit als Fleischnahrung immer mehr nach oben katapultierten. „Unser Betrieb liefert heute circa 98 Prozent aller geschlachteten Tiere ins Lustenauer Gasthaus Krönele.“ Dort seien Lamm und auch dessen Innereien eine beliebte Mahlzeit geworden, vor allem für die zahlreichen Schweizer Gäste. „Früher war das überhaupt nicht so“, erzählt der ehemalige Obmann des Vorarlberger Schafzuchtverbandes.

Immer wieder betont Waldhart, dass er die Schafe dennoch nicht als ausschließliche Fleischlieferanten betrachtet. „Wenn ein Schaf bei uns drei Lämmer auf die Welt bringt, dann tun wir alles Menschenmögliche, um diese Lämmer auch durchzubringen. Dazu dient auch das Füttern mit der Milchflasche.“ Noch heute sei es für ihn nicht einfach, die Tiere zum Schlachten freizugeben. „Was ich allerdings immer mache, ist, dass ich beim Schlachtvorgang dabei bin. Niemals würde ich ein Tier etwa zum Schächten freigeben“, betont Waldhart.

Die Liebe zu Tieren im Allgemeinen ist dem Pensionisten seit seiner Kindheit gegeben. Weil seine Mutter starb, als er zehn Monate alt war, und der Vater nie aus dem Krieg zurückkehrte, wuchs er bei seiner Großmutter in der Staldenstraße auf. Die hatte Tiere, und diese fanden in der Person des kleinen Heinz einen guten Freund. 

Freunde der Kinder

Die Schafe hat er so liebgewonnen, „weil sie gutmütige und sanfte Tiere sind“. Ausnahme: „Schafböcke in der Zeit, in der die weiblichen Schafe läufig sind. Da musst du im Stall aufpassen.“

Schafe seien sehr genügsame Tiere und sehr kinderfreundlich. Nicht umsonst erfreut sich der Nussi Hof an der Peripherie von Lustenau, den seine Tochter und deren Mann übernommen haben, bei den Kleinen großer Beliebtheit. „Es kommen sehr viele Schulklassen dorthin, es werden am Hof Kindergeburtstage gefeiert, und er ist auch zum Ziel von Menschen mit Behinderung geworden. Was gibt es für Kinder Schöneres, als Lämmer zu streicheln und mit diesen im Stroh herumzutollen“, stellt Waldhart eine rhetorische Frage. Dass Schafe durch Wölfe in Vorarlberg künftig gefährdet sind, glaubt der ehemals ranghöchste Schafzüchter im Land nicht. „Es wird wohl immer wieder einen Riss durch einen durchziehenden Wolf geben, aber gewiss kein Rudel. Man darf nicht in Panik geraten.“

Schafe sind sehr genügsame und kinderfreundliche Tiere.

Heinz Waldhart

Zur Person

Heinz Waldhart

Geboren: 16. Dezember 1939

Beruf: Pensionist

Wohnort: Lustenau

Familie: verheiratet, drei Kinder

Hobbys: Fußball, Eishockey

Lieblingsspeise: Lammkotelett