Vom Zivildienst verleitet

Wetter / 21.02.2017 • 18:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gerne zeigt Herbert Fenkart den Besuchern die Besonderheiten, die im Loackerhuus in Handarbeit entstehen. Foto: vn/hofmeister
Gerne zeigt Herbert Fenkart den Besuchern die Besonderheiten, die im Loackerhuus in Handarbeit entstehen. Foto: vn/hofmeister

Herbert Fenkart hat seinen Bäckerberuf gegen die Lebenshilfe eingetauscht.

götzis. (VN-mm) Der Zivildienst: Schon viele junge Männer hat er von ihren ursprünglichen Berufszielen weg- und hin zu neuen Perspektiven geführt. Auch Herbert Fenkart gehört zu jenen, die sich auf andere Pfade umleiten ließen. Der gelernte Bäcker und Konditor fand über den Zivildienst im Landeskrankenhaus Hohenems zur Lebenshilfe. Die Freude an der Herstellung von süßen Köstlichkeiten kann er aber auch in seinem jetzigen Job bedienen. Denn Fenkart leitet das Loackerhuus in Götzis, wo ebenfalls fleißig gebacken wird. Da mitzuhelfen, ist ihm ein großes Anliegen, will er doch den Bezug zu seinen Mitarbeitern und den täglichen Anforderungen, denen sie gerecht werden müssen, nicht verlieren. Außerdem liebt er die Arbeit mit den gehandicapten Menschen. “Sie zu betreuen, zu begleiten und ihnen dabei Neues zu ermöglichen, ist eine spannende Sache”, empfindet Herbert Fenkart.

Ein Quereinsteiger

Seit Februar 2011 kümmert er sich um die Geschicke im Loackerhuus, um die Menschen, die dort arbeiten, und ums Geschäft. Davor war der Hohenemser zehn Jahre in der Werkstätte in Feldkirch-Nofels beschäftigt. Zuerst als Mitarbeiter, dann als Leiter. Und wie das Leben so spielte, führte ihn ein Backprojekt dorthin. “Kekse backen mit behinderten Menschen”, hieß die Aktion, die bei Herbert Fenkart etwas zum Klingen brachte. “Ich bewarb mich um die Stelle und wurde genommen”, erzählt er. Dass da ein Quereinsteiger ohne Ausbildung kam, störte niemanden. Er verstand sein Handwerk. Die erforderliche Ausbildung holte er schließlich in der Kathie-Lampert-Schule nach.  

Während des Zivildienstes merkte Herbert Fenkart, wie sehr ihm die Arbeit mit Menschen eigentlich liegt. Danach kehrte er zwar wieder in seinen angestammten Beruf zurück, doch wirklich hineingefunden hat er nicht mehr. Schon deshalb fiel dem begeisterten Fasnatzünftler ein Wechsel auf die soziale Schiene nicht schwer. Fenkart mag seine Tätigkeit, weil sie vielseitig und abwechslungsreich ist. Da sind zum einen die Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen, zum andern geht es auch um die Umsetzung von Konzepten, die dem Gedanken der Inklusion und des Miteinanders folgen. Das Loackerhuus im Herzen von Götzis wollte diesem Anspruch gerecht werden. Doch ganz einfach war es nicht. “Der Garnmarkt musste sich erst entwickeln, und wir mussten eine Nische finden, in der wir uns unter den vielen Cafés, die es gibt, behaupten konnten”, zählt Herbert Fenkart die Herausforderungen auf. Außerdem sollte das Loackerhuus ein offenes Haus sein, was auch den Menschen mit Behinderung einen Prozess des Lernens abverlangte.

Kreativität leben

Inzwischen hat sich das Loackerhuus etabliert. Besonders gerne besuchen Mütter mit ihren Kleinen das Café, weil es hier auch einmal laut sein darf. Fenkart erlebt positiv, dass Kinder auf diese Weise schon sehr früh mit Behinderung in Kontakt kommen, was Berührungsängste erst gar nicht aufkommen lässt. Das Atelier im Obergeschoß, wo Menschen mit Behinderung ihre Kreativität leben können, wird von Gästen ebenfalls gerne besucht. “Offenheit wird bei uns großgeschrieben”, fasst Herbert Fenkart die Philosophie zusammen.

Er selbst ist auch kein Kind von Traurigkeit. Besonders im Fasching treibt er es gerne bunt. Zuerst bei den “Narrakarro-Züher” in Feldkirch, jetzt bei den Emser Nebelspaltern, deren Obmann Fenkart lange Jahre war.  

Wir brauchten eine Nische, in der wir uns behaupten konnten.

Herbert Fenkart

Zur Person

Herbert Fenkart

Geboren: 7. Jänner 1979, Hohenems

Wohnort: Hohenems

Familienstand: Partnerschaft

Beruf: Leiter des Loackerhuus der Lebenshilfe

Hobbys: Fasching, sportliche Aktivitäten

Ausbildung: Konditor, Kathie-Lampert-Schule

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