Inklusion am Tagesplan

Wetter / 19.03.2017 • 18:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Klauser Harald Aberer mit den Special-Olympics-Maskottchen Lara und Luis. Foto: Hartinger
Der Klauser Harald Aberer mit den Special-Olympics-Maskottchen Lara und Luis. Foto: Hartinger

Harald Aberer ist als Skitrainer bei den
Special Olympics Weltwinterspielen dabei.

KLAUS. (VN-sb) Im Alter von 27 Jahren entschied sich Harald Aberer 1999, seinen Beruf als Raumausstatter aufzugeben und in den sozialen Bereich zu wechseln. Sofort bekam er eine Stelle bei der Lebenshilfe in Bludenz, wo er sich im Bereich für Sport und Bewegung in der Lebenshilfe-Werkstatt in Bludenz engagierte. Im Vordergrund standen Übungen, die die Motorik und den Bewegungsablauf fördern. Zwei Jahre lang machte Aberer diesen Job, ehe er im Jahr 2001 zur Caritas Bludenz wechselte und sich als Betreuer für Wohnen und Arbeit um Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung kümmerte. Als der Klauser die Stelle bei der Caritas antrat, war Heinrich Olsen, heute Sportdirektor der Special Olympics Vorarlberg, Werkstattleiter in Bludenz. Durch Olsen ist der 45-Jährige erst so richtig in den Sport hineingerutscht, und er ist aktuell Trainer der Special-Olympics-Ski-alpin-Gruppe im Oberland. In seiner Trainingsgruppe befinden sich acht bis zehn Leute, die Aberer nicht nur trainiert, sondern auch betreut. Dass das ziemlich zeitintensiv ist, zeigt sein Terminkalender. Neben seiner vollen Anstellung bei der Caritas findet im Winter an jedem Wochenende ein Training statt. Dazu kommen noch die Wettkämpfe, die primär in der näheren Umgebung von Vorarlberg stattfinden.

Für Aberer besteht die Besonderheit seiner Aufgabe darin, seine Sportler in der Vorbereitung auf einen Wettkampf zu unterstützen, und er weist dabei speziell auf den mentalen Bereich hin. „Gerade im Sport zeigt sich oft, dass es egal ist, ob man hier auf höchstem Niveau oder mit Einsteigern arbeitet. Jeder noch so kleine Fortschritt in einer Gruppe kann als großer Erfolg für die Sache angesehen werden. Am Beginn tun sich die Sportler schwer, in die Skischuhe zu kommen, aber nach ein paar Monaten geht das alles von alleine.“ Aberer versucht, keinen Wettkampf auszulassen und alle Termine mit seinem Tagesablauf zu vereinbaren. „Es ist enorm wichtig für meine Schützlinge, dass sie einen Ansprechpartner haben, den sie kennen und dem sie vertrauen.“ Neben den Fortschritten im sportlichen Bereich ist für Aberer aber wichtig, dass sich seine Schützlinge mit seiner Unterstützung ein soziales Leben aufbauen, Kontakte zu Sportlern anderer Nationen knüpfen und damit einen Schritt in Richtung Selbstständigkeit schaffen. Aberer nennt dabei einen Sportler aus seinen Reihen, dem es nach einer Krebsdiagnose (Leukämie) dank seinem im Sport erarbeiteten unbändigen Willen gelungen ist, die Krankheit zu „besiegen“.

Für Aberer steht deshalb bei Wettkämpfen der Special Olympics nicht unbedingt der Sieg im Mittelpunkt. Mindestens so wichtig ist die soziale Weiterentwicklung. Für den 45-Jährigen ist ein Sieg eines seiner Schützlinge genauso wertvoll wie ein fünfter Platz. „Mir ist wichtig, dass eine Entwicklung zu sehen ist und die Sportler voll motiviert in die Wettkämpfe starten.“ Deshalb hat für Aberer der Special-Olympics-Gedanke „Ich will gewinnen, aber wenn ich nicht gewinnen kann, so lasst es mich mutig versuchen!“ eine ganz besondere Bedeutung. „Dieser Grundsatz ist für mich die perfekte Definition bzw. die Vorgabe für meine tägliche Arbeit.“

Medaillen sind wichtig, aber nicht alles, was wir erreichen wollen.

Harald Aberer

Zur Person

Harald Aberer

Geboren: 26. Jänner 1972

Familie: verheiratet, ein Sohn

Beruf: Betreuer im Bereich Menschen mit Beeinträchtigung bei der Caritas Bludenz

Hobbys: Skifahren, Wandern, Biken, Tauchen