Start in ein neues Projekt

Wetter / 21.03.2017 • 18:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Andreas Kappaurer ist der neue Landesschulinspektor für Humanberufliche Schulen. Foto: VN/Paulitsch
Andreas Kappaurer ist der neue Landesschulinspektor für Humanberufliche Schulen. Foto: VN/Paulitsch

Mit Andreas Kappaurer wurde ein „Kult-Schuldirektor“ zum Inspektor befördert.

Bregenz. (VN-hk) Andreas Kappaurer war kein Schuldirektor wie jeder andere. Er hat die Wirtschaftsschulen Bezau geprägt wie keiner vor ihm. Er hat schlimme Zeiten hinter sich, als ihn ein anonymer Briefschreiber vor zwei Jahren übler Dinge beschuldigte. Er hat berührende Zeiten danach erlebt, als eine ganze Schulgemeinschaft, eine ganze Region und viele Menschen darüber hinaus wie ein Mann hinter ihm standen – während sich die Vorwürfe als heiße Luft entpuppten.

Schneller Wechsel

Jetzt ist Andreas Kappaurer, obwohl gesund und noch im Arbeitsleben, plötzlich nicht mehr Direktor jener Schule, die „seine“ war und mehr noch: ein Stück seines Lebens, seiner Identität.

Andreas Kappaurer ist jetzt Landesschulinspektor für humanberufliche Schulen, an höherer Stelle verantwortlich für 14 Bildungsstätten. „Ich gebe zu, es ist mir sehr schwergefallen, aus Bezau, wo ich ja auch wohne, wegzugehen.“ Lange habe er es sich überlegt, nachdem er aufgrund des überraschenden Abschieds seiner Vorgängerin Maria Strolz (51) von vielen Seiten dazu gedrängt wurde, die Schulaufsicht für den humanberuflichen Zweig zu übernehmen.

Letztlich ging Kappaurer doch und hat den herausfordernden neuen Job angenommen. „Weil ich glaube, dass man überall, wo man beruflich ist, nicht länger als zehn Jahre bleiben sollte. Ich sehe das Berufsleben als eine Serie von Projekten. Ist man mit einem fertig, sollte man ein neues beginnen.“

Wohlbestelltes Feld

In Bezau, davon ist Kappaurer überzeugt, übergibt er ein wohlbestelltes Feld. „Jetzt werde ich versuchen, an den anderen humanberuflichen Schulen ähnliche Entwicklungen zu begleiten und zu ermöglichen.“ Kappaurer sieht sich weniger als strenges Aufsichts- und Kontrollorgan. Viel mehr als einer, der vielleicht den einen oder anderen Input liefert, um Schulen weiterzubringen. „Gute Ideen habe ich als Direktor bei aller Autonomie selber immer sehr gerne angenommen.“

Eine Portion Bregenzerwälder Mentalität soll all seinem Wirken in der Landeshauptstadt innewohnen. „Klar, direkt, optimistisch, offen. Damit bin ich immer gut gefahren.“ Freilich hat sich Kappaurer zu all diesen Eigenschaften noch eine weitere angeeignet: Vorsicht. „Das haben mich die Ereignisse rund um die anonyme Verleumdung gelehrt. Vergessen habe ich diese Sache nicht. Weil ich bis heute nicht weiß, wer diese Vorwürfe gegen mich erhoben hat.“

Häuser statt Landschaft

Bei allem Tatendrang in der neuen Aufgabe: Bezau fehlt ihm. „Es ist dieses Gewurle an einer Schule. Das ‚Grüß Gott‘ der Schüler am Morgen, die jungen Leute überhaupt.“

Dass ihm Schule und junge Leute einmal so viel bedeuten, hätte sich der Student Andreas Kappaurer vor knapp 37 Jahren nicht vorstellen können. „Damals begann ich mit meinem Lehramtsstudium der Fächer Deutsch und Geografie. Aber ehrlich: Das Unterrichten hat mich zuerst überhaupt nicht interessiert. Erst als ich das Probejahr machte, kam ich auf den Geschmack.“ Der Vater von vier Kindern, eines davon ist die Weltcup-Skifahrerin Elisabeth Kappaurer, ist in jenem Berufszweig hängengeblieben, der sich als seiner herausstellte. Jetzt hat sein pädagogischer Werdegang eine neue Stufe erreicht. Als „Herr Inspektor“ sieht Andreas Kappaurer von seinem Büro in der Bregenzer Innenstadt nun Häuserzeilen statt einer sanften Wälder Hügellandschaft.

Ich bin offen, optimistisch, direkt. Jetzt aber auch vorsichtig.

Andreas Kappaurer

Zur Person

Andreas Kappaurer

Geboren: 1. April 1961

Wohnort: Bezau

Familie: verheiratet, vier Kinder

Beruf: Schulinspektor

Hobbys: Sport, Reisen

Lieblingsspeise: Rindszunge mit Püree