Musik als Tor zum Innersten

Wetter / 06.05.2019 • 18:47 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Will sich auf keine Musikrichtung festlegen: Isabel Pfefferkorn. bi
Will sich auf keine Musikrichtung festlegen: Isabel Pfefferkorn. bi

Isabel Pfefferkorn auf Tournee in den USA und Kanada.

Schlins Neben Johann Sebastian Bach, Alban Berg und Robert Schumann liegt Isabel Pfefferkorn vor allem auch Franz Schubert am Herzen. So debütierte sie am Wochenende mit einem Ensemble bei der Schubertiade. Weiter steht Franz Schuberts „Winterreise“ auch im Zentrum ihrer anstehenden USA- und Kanada-Tournee. Gemeinsam mit Hanna Bachmann, einer Pianistin aus Vorarlberg, präsentiert die international bekannte Sängerin ein Soloprogramm unter anderem in New York, in Washington und in Quebec.

Winter und Wüste

Obwohl die „Winterreise“ laut Pfefferkorn eigentlich allein stehen sollte, wurde vom Veranstalter eine Erweiterung gewünscht. Kein Problem für die vielseitige junge Künstlerin: Sie komponierte „Wüstenschrei“, welches inhaltlich dasselbe Hauptmotiv trägt, nämlich Einsamkeit. Dieses wurde von ihr jedoch in ein anderes Setting versetzt. Der ein oder andere geschulte Zuhörer mag verformte Elemente der Winterreise darin erkennen.

Musik in den Genen

Isabel Pfefferkorn wurde in Schlins geboren und kommt aus einer Musikerfamilie. Schon ihr Großvater war Berufsmusiker, ihr Vater Geigenlehrer, Komponist und Dirigent. Aber auch mütterlicherseits gab es prägende musikalische Einflüsse. „Seit ich ein Baby war, war ich immer mit Musik in Berührung. Ich hatte zwar immer viele Interessen, doch ein anderer Berufswunsch tat sich nie auf. Als ich noch ganz klein war, habe ich bei meinem Papa Geige gelernt, dann bin ich quasi auf die größere Geige, das Cello, umgestiegen und habe Klavier gelernt. Singen war für mich aber eigentlich immer an erster Stelle“, erinnert sich die sympathische junge Sängerin. Zu Hause ist sie in all ihren Vorhaben immer unterstützt und gefördert worden.

Gesang sei für sie die einfachste und ehrlichste Art der Kommunikation. Diese verlaufe oft problematisch, und mangelhafte oder gar fehlende Kommunikation sei für viele Konflikte auf der Welt verantwortlich. „Musik kann konfliktlösend wirken. Außerdem ist sie die natürlichste Form, um mich auszudrücken. Im Moment des Singens versuche ich einerseits, sowohl der Komposition und damit der Intention des Komponisten gerecht zu werden. Andererseits ist mir ein Anliegen, auf ehrlichste Weise mein Eigenstes, ganz Persönliches hineinzubringen. Im Idealfall entsteht dann etwas sehr Inniges und gleichzeitig Universelles“, erläutert sie ihre Grundhaltung. Es sei für sie erfüllend, das Eigene umzusetzen und sich dennoch mit dem anderen verbunden zu fühlen.

Nicht festlegen

Ganz wichtig sind ihr ein breit gefächertes Repertoire und neben dem Konzertfach unterschiedlichste Stilrichtungen. „Im Sommer trete ich beispielsweise auch als Pop- und Jazzsängerin auf. Ich möchte mich nicht auf ein bestimmtes Fach festlegen lassen, neben der Klassik bin ich auch an zeitgenössischer Musik interessiert. Ich will nicht schubladisiert werden“, sagt sie mit Überzeugung. Als Grundlage für ihre Selbstständigkeit als Sängerin absolvierte sie einen Bachelor und Master of Arts in Music Performance in Zürich. Es folgte die Teilnahme an der School of Excellence in Basel. Noch immer besucht sie die mittlerweile 80-jährige Lehrerin Margreet Honig regelmäßig in Amsterdam: „Als Musiker oder Sänger ist man nie fertig ausgebildet. Man ist ja selber immer in Veränderung – so ist die psychische und körperliche Verfassung auch in der Stimme hörbar. Als Künstler muss man durchlässig sein, um einen ehrlichen Ausdruck schaffen zu können. Es bleibt ein schmaler Grat zwischen Durchlässigkeit und Abgrenzung.“ BI

Zur Person

Isabel Pfefferkorn

tourt als Mezzosopranistin in den USA und in Kanada.

Geboren 30. Oktober 1991

Familienstand ledig

Werdegang BA und MA in Music Performance in Zürich, School of Excellence in Basel, diverse Master Classes

Hobbys Yoga, Natur, malen, lesen