Winzer am Berg

Wetter / 23.09.2019 • 18:34 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Winzer Sepp Ganahl erntet derzeit täglich bis zu 30 Kilo Trauben.   kum
Winzer Sepp Ganahl erntet derzeit täglich bis zu 30 Kilo Trauben.   kum

Sepp Ganahl baut in Schruns auf 800 Metern Seehöhe Wein an.

schruns Sepp Ganahl (80) sitzt mit seiner Ehefrau Elisabeth auf der Terrasse seines Hauses oberhalb von Schruns (Parzelle Buchwald) und genießt die Abendsonne und den schönen Ausblick auf die Berge bei einem Glas Rotwein. Der Wein, den die beiden trinken, stammt aus eigenem Anbau. Er schmeckt sehr bekömmlich.

Reblaus eingeschleppt

Ganahl trat als Winzer im Vorarlberger Oberland in große Fußstapfen, baute man doch im wenige Kilometer entfernten Bludenz jahrhundertelang Wein an. Der Weinanbau kam dort aber im Jahr 1816 zum Erliegen. Dieses Jahr ging als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte ein. Infolge eines Vulkanausbruchs in Indonesien kam es zu einer Klimaveränderung, zu katastrophalen Missernten und zu einer großen Hungersnot.

Der Weinbauer aus dem Montafon hat einen langen Arbeitstag hinter sich. Allein heute hat er 30 Kilo Trauben gelesen.

„In diesem Jahr ist die Ernte nicht so gut. Ich habe heuer um circa 40 Prozent weniger Ertrag als im Vorjahr. Das liegt daran, dass der Mai kalt war und die Reife der Blüten stark behindert wurde“, bedauert der Winzer. In einem guten Jahr produziert er 300 Liter ökologischen Wein. „Heuer werden es wohl nur 200 Liter.“

Doch der Weinbauer kämpft nicht nur gegen die Unbilden des Wetters. Seine größten Feinde sind die Vögel, die die Trauben stibitzen. „Sie sind so schlau. Trotz aufgespannter Netze klauen sie mir etwa zehn Prozent des Ertrages“, ärgert sich Ganahl. Manchmal verfangen sie sich mit ihren Krallen in den Netzen. „Dann befreie ich sie, weil sie mir leid tun.“    

Sein 500 Quadratmeter großer Weinberg liegt auf 800 Metern Seehöhe in steilem Gelände. In Österreich zählen Weingärten mit einer Seehöhe über 500 Metern schon zu den singulären Erscheinungen. Denn mit zunehmender Seehöhe wird das Klima rauer. Das verkürzt die Vegetationszeit. Aus diesem Grund ist beispielsweise in Niederösterreich Weinbau lediglich bis auf rund 450 Meter Seehöhe üblich.

Aber die Weinrebe ist eine unglaublich widerstandsfähige und anpassungsfähige Pflanze. Sie gedeiht sowohl an Steilhängen als auch in der Ebene, in gemäßigtem Klima ebenso wie in Umgebungen, die eher Halbwüsten gleichen. Die höchstgelegenen Weinberge Europas befinden sich übrigens auf rund 1150 m in der Gemeinde Visperterminen im Wallis sowie auf Zypern.

Wunder der Natur

Sein Hobby bedeutet dem pensionierten Skilehrer „ganz, ganz viel. Als Winzer bin ich das ganze Jahr beschäftigt. Es ist eine schöne Arbeit. Im Sommer bin ich fast jeden Tag im Weinberg und schaue dem Wunder der Natur zu.“

Ein Skischüler weckte in ihm vor knapp 25 Jahren die Leidenschaft fürs Winzer-Handwerk. „Wir sind ins Reden gekommen. Er erzählte mir von seinem Weinberg in Stuttgart und schenkte mir zehn Weinstöcke. Ich habe sie gesetzt und zugeschaut, wie sie gedeihen.“

Bubentraum erfüllte sich

Für Ganahl ging damit ein Buben-Traum in Erfüllung. „Auf unserem Maisäß wuchs ein Rebstock an der Hauswand. Als Fünfjähriger habe ich die Trauben gepflückt und gegessen. Die haben so gut geschmeckt, dass ich mir dachte: ,Wenn ich einmal ein Haus habe, möchte ich auch so einen Rebstock haben.‘“

Inzwischen ist der Montafoner ein erfahrener Winzer, in dessen Weingarten 200 Reben der Rotweinsorte Regent gedeihen. Sobald der Wein in Flaschen abgefüllt ist, kommt bei Ganahl große Freude auf. „Das Allerschönste ist für mich jedoch, wenn ich den Wein an Freunde und Bekannte verschenke.“ VN-kum

Zur Person

Sepp Ganahl
baut seit knapp 25 Jahren in Schruns Wein an. Sein ökologischer Rotwein schmeckt sehr bekömmlich.  

Geboren 16. April 1939 in Schruns

Ausbildung  Kunstschlosser, Skilehrer

Familie verheiratet, drei Kinder,
zehn Enkel

Hobbys Weinanbau, Wandern, Ski­fahren, Radfahren