Die Rückkehrerin

Wetter / 20.01.2020 • 18:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rabea Mitgutsch kann das neue Format der Personalrekrutierung nur empfehlen. 
Rabea Mitgutsch kann das neue Format der Personalrekrutierung nur empfehlen. 

Rabea Mitgutsch nützte dafür die „Wolfurter Nacht der Pflege“.

wolfurt Personal für Pflegeheime zu finden wird zunehmend schwieriger. Da sind neue Ideen der Rekrutierung gefragt. Im Jänner 2018 veranstaltete das Seniorenheim Wolfurt erstmals eine „Nacht der Pflege“. Am kommenden Donnerstag, 23. Jänner 2020, gibt es die zweite Auflage. Die Eintrittskarte zur Veranstaltung, die von 19.30 bis etwa 22 Uhr dauert, ist der erfolgreiche Abschluss in einem Pflegeberuf. Informiert wird über Rahmenbedingungen und die Pflegearbeit mit ihren Schwerpunkten wie Böhm, Gerontopsychiatrie und Palliative Care. Eine, die dieses Format wärmstens empfehlen kann, ist Rabea Mitgutsch. Die 46-Jährige hat über die „Nacht der Pflege“ wieder in den Pflegeberuf zurückgefunden. Zwar wird sie das Haus in einigen Wochen verlassen, um in dem Bereich zu arbeiten, in dem sie diplomiert hat, nämlich der Neurologie und Psychiatrie, aber: „Es war ein guter Einstieg, und ich bin dankbar, dass ich diese Chance bekommen habe“, resümiert Rabea Mitgutsch zufrieden.

Herzensanliegen

Seit 2004 arbeitet die Wolfurterin im Pflegebereich. Dorthin wollte sie schon als junges Mädchen. Doch das in Aussicht stehende Lernpensum hielt Rabea Mitgutsch davon ab, zumindest vorerst. Stattdessen absolvierte sie eine Lehre als Druckformentechnikerin. Bald danach wurde sie Mutter und Hausfrau, arbeitete aber stets da und dort mit. Die Pflege blieb trotzdem ein Herzensanliegen. Deshalb ließ sich Mitgutsch zur Pflegehelferin ausbilden. „Dann bekam ich das Angebot, eine berufsbegleitende Aufschulung zur diplomierten psychiatrischen Gesundheits- und Krankenpflegeschwester zu machen“, erzählt sie. Rabea Mitgutsch nahm an, schloss die Ausbildung 2014 erfolgreich ab und wechselte in die Arbeitsassistenz. Bei „dafür“ begleitete sie Menschen mit Behinderung auf dem Weg in ein geregeltes Arbeitsleben.

Auf diese Weise machte sie auch Bekanntschaft mit dem Geschäftsführer des Seniorenheims Wolfurt, Gert Schlegel. „Ich hatte einen Termin wegen einer Klientin“, berichtet Rabea Mitgutsch. Man kam dabei aber auch über die Pflege insgesamt ins Gespräch, und so erfuhr Schlegel, dass sein Gegenüber über eine Pflegeausbildung verfügt. Er lud Mitgutsch spontan zur „Wolfurter Nacht der Pflege“ ein. Sie kam, ließ sich inspirieren, gab den Job bei „dafür“ auf und fing am 1. Juni 2018 im Seniorenheim an. „Ich habe gespürt, wo mein Platz in der Arbeitswelt ist“, erklärt sie ihren Beweggrund. 

Widersprüchliches Image

Rabea Mitgutsch ist eine quirlige Person. „Auch in einem Pflegeheim darf es lebendig sein, darf etwas los sein“, meint sie und praktiziert, was sie sagt. Herz, Hirn und Hausverstand hält sie für die wichtigsten Eigenschaften in diesem Beruf, dazu eine solide Ausbildung, denn die alten Menschen würden immer komplexere Diagnosen mit ins Heim bringen. Auffälliges Verhalten, Aggressivität, Demenz, ein anderer Kulturkreis nennt Mitgutsch als Beispiele. Skeptisch sieht sie deshalb die Pläne zur Einführung einer Pflegelehre. „Für junge Leute ist die Arbeit in einem Pflegeheim schwer auszuhalten“, glaubt die erfahrene Pflegefachkraft. Sie bedauert außerdem das etwas widersprüchliche Image, das dem Pflegeberuf weiterhin anhaftet. Die Wahrnehmung reduziere sich auf waschen und Essen reichen. „Es sollte transparenter gemacht werden, was alles in diesem Beruf steckt.“

Sie selbst verlässt die Langezeitpflege nicht, weil es ihr dort nicht mehr gefällt. Rabea Mitgutsch möchte das anwenden, was sie gelernt hat. In der Rhea-Klinik Montafon bietet sich ihr die Gelegenheit. „Der Pflege bleibe ich trotzdem erhalten“, sagt sie. VN-MM

Zur Person

Rabea Mitgutsch

hat nach verschiedenen Abstechern ihren beruflichen Platz in der Pflege gefunden

Alter 46

Ausbildung Lehre als Druckformentechnikerin

Laufbahn Pflegehelferin, Aufschulung zur psychiatrischen Gesundheits- und Krankenpflegeschwester

Familie verheiratet, 3 Kinder