Stethoskop statt Geige

Wetter / 11.11.2020 • 18:18 Uhr
Anita Nagel mit einem Antigen-Test bei einem Einsatz in Lustenau. VN/Paulitsch
Anita Nagel mit einem Antigen-Test bei einem Einsatz in Lustenau. VN/Paulitsch

Notärztin Anita Nagel ist rund um die Uhr mit Corona beschäftigt.

Höchst Angst vor Corona? Da kann Dr. Anita Nagel nur schmunzeln. „ Aber nein. Ich habe tagtäglich mit dem Virus zu tun. Ich schütze mich gut. Viel eher könnte ich mich privat irgendwo anstecken.“ Die Allgemeinmedizinerin rückt seit Beginn der Coronakrise mit Infektionsteams aus, beaufsichtigt Tests, leistet notärztliche Betreuung, wo notwendig, koordiniert und protokolliert. Die Mutter zweier Kinder arbeitet derzeit so viel, dass sie kaum Zeit für andere Dinge hat und froh darüber ist, dass sich hauptsächlich ihr Lebenspartner um den Nachwuchs kümmert.

Covid-19 ist kein Spaß

Trotz des ganzen Stresses legt die 38-Jährige dabei eine Fröhlichkeit an den Tag, die ansteckender ist als das Virus. Ihr Motto: „Mache dir den Tag so, wie du ihn haben willst. Und da gehört bei mir Griesgram nicht dazu“, lacht Nagl.

Nicht zu spaßen sei freilich mit Covid-19. „Das ist eine heimtückische Krankheit. Die Patienten wissen oft nicht, wie schlecht es ihnen geht“, hält die Medizinerin fest. Und fährt fort: „Die Menschen sind deutlich kränker als noch in der ersten Welle. Auch kommt mir vor, dass die Ansteckung viel schneller passiert.“

Nagel erlebt Covid-19 sowohl an den vielen Schauplätzen draußen, wohin sie mit dem Infektionsteam gerufen wird, als auch im Spital. Und dort sehr oft in der Intensivstation. Sie befindet sich derzeit in Ausbildung zur Anästhesistin. Nagel macht viele Nachtdienste, beobachtet die Entwicklungen genau.

Der Duft von Spitälern

Als Ärztin ist das zweite von sechs Kindern einer Höchster Familie erblich vorbelastet. Ihr mittlerweile pensionierter Vater war HNO-Arzt in Bregenz. „Als Kind schon hielt ich mich sehr oft in seiner Praxis auf und begleitete ihn auch ins Krankenhaus. Dort liebte ich den Duft, den Spitäler halt so haben“, erinnert sich Anita.

Doch ihr Weg zum Medizinstudium blieb nicht ganz ohne Hindernisse. Weil ihr Vater immer wollte, dass sie Ärztin wird und aus der kleinen Anita irgendwann eine Rebellin wurde, beschloss sie, „aus Trotz“, genau das vorerst nicht zu tun. „Ich begann ein Studium am Konservatorium. Ich studierte dort Geige.“ Doch das regelmäßige und viele Üben war letztlich nicht Ihres. „Und so verließ ich das Konservatorium und begann mit dem Medizinstudium.“ Sehr zur Freude ihres Vaters, der sein medizinisches Erbe durch die Berufsentscheidung seiner ältesten Tochter gerettet sah.

Doch noch Papa gefolgt

Für Nagel selbst stellte sich ihr Schritt ebenfalls als der richtige heraus. Auch die Tätigkeit als Notärztin ist ihr auf den Leib geschneidert. „Ich mache das sehr gerne, weil ich es als sehr spannende Aufgabe erlebe. Du weißt nie, was in einem Dienst passiert. Du musst dich schnell auf eine bstimmte Situation einstellen und hast oft nicht viel Zeit, Entscheidungen zu treffen“, beschreibt Nagel ihre Tätigkeit. Aber das liege ihr. Herausfordernd ist das Notarztfahren in Zeiten von Corona allemal. „Du arbeitest ja oft in beengten oder anderen nicht idealen Räumlichkeiten.“ Ihre stationären Dienste absolviert Anita Nagel zumeist am LKH Bregenz, für die Notarztdienste hat sie Hohenems und Röthis als Operationsbasen. Von dort werden sie und ihr Team gerufen, wenn es wieder einmal zu Covidkranken oder Verdachtsfällen geht.

Die hohe Belastung scheint Anita Nagel nichts auszumachen. Vor allem kann sie ihrem goldenen Humor nichts anhaben. Ihre kärgliche Freizeit widmet die in Höchst wohnhafte Ärztin ihrer Familie und spielt gerne Gitarre. Ihr Lebenspartner ist Gitarrenbauer.

Die Musik ist Teil von Anita Nagels Leben geblieben. VN-HK

Zur Person

Anita Nagel

Die Tochter eines HNO-Arztes ist derzeit voll mit der Bekämpfung von Covid-19 beschäftigt.

Geboren 16. November 1981

Beruf Ärztin

Wohnhaft Höchst

Familie Lebenspartner, zwei Kinder

Hobbys Gitarrespielen, Oldtimer

Lieblingsspeise Steak mit Salat