Verlust der Artenvielfalt

Studie warnt: Erreichen der natürlichen Lebensraum-Ziele bis 2020 unwahrscheinlich.
schwarzach. Der weltweite Verlust an Artenvielfalt ist mit den derzeitigen Mitteln nicht zu bremsen. Das zeigen neueste Prognosen eines internationalen Teams von Experten aus 34 Organisationen, darunter auch das österreichische Umweltbundesamt. Anlass: Es ist Halbzeit in der Umsetzung der strategischen Ziele der Biodiversitäts-Konvention.
Zu diesen Zielen zählt unter anderem, die Rate des natürlichen Lebensraumverlustes zu halbieren und alle Fischbestände nachhaltig zu bewirtschaften. In der Studie beurteilen die Experten anhand von 55 Indikatoren, ob dies bis 2020 mit den bisherigen politischen Anstrengungen der Vertragsstaaten erreicht werden kann. Die Prognosen zeigen, dass trotz Ausdehnung der Schutzgebiete der Druck auf die natürliche Welt steigt. Der Verbrauch an Ressourcen und die Umweltverschmutzung nehmen weiter zu, ebenso wie die Belastung durch eingeschleppte (invasive) Arten.
Die Indikatoren für Österreich berechnete u. a. der Umweltbundesamts-Experte und Ökologe Franz Essl. Über die internationale Initiative GIBIF (Global Biodiversity Information Facility) stehen Daten zur weltweiten Artenvielfalt über das Internet zur Verfügung. Das GIBIF-Austria-Portal verfügt derzeit über 3,9 Millionen Datensätze zu über 40.000 Tier-, Pflanzen- (inkl. Flechten) und Pilzarten. Vorarlberger Partner ist die inatura. Dorthin liefert auch Markus Grabher vom Umweltbüro UMG in Bregenz die Daten. Er führt die Vorbegutachtung der für die Vorarlberger Wiesenmeisterschaft eingereichten Flächen und Betriebe durch. Anfang dieser Woche wurden bekanntlich durch Professor Georg Grabher die heurigen Auszeichnungen vergeben. Auch Franz Essl kennt die Wiesenmeisterschaft als „gutes Beispiel“. Sie wird seit 2002 auf die VN-Initiative „Grünes Vorarlberg“ hin durch das Land Vorarlberg, und den Vorarlberger Naturschutzrat organisiert.
Artenwandel
Markus Grabher zur „Vielfaltssituation“ in Vorarlberg: „Viele Arten der Agrarlandschaft gehen besonders stark zurück. Bei uns sind dies beispielsweise die verschiedenen Wiesenbrüter der Riede, aber auch Arten wie Neuntöter oder Wendehals, die strukturreiche Kulturlandschaften mit Hecken und Obstbäumen benötigen. Ähnliches gilt für manche Schmetterlingsarten und natürlich auch für andere Kleintiere.
In der Vogelwelt werden teilweise auch die Weitstreckenzieher weniger, die etwa in Afrika südlich der Sahara überwintern.“ Interessant sei, dass im Bodenseegebiet auch die Bestände des Haussperlings besonders stark abgenommen haben, obwohl die Art noch immer die mit Abstand häufigste Vogelart im Gebiet ist.
Situation im Wald
Hauptursache für diese Entwicklung dürfte sein, dass es immer weniger Hühnerhalter gibt. „Manche mediterrane Arten fühlen sich dagegen bei uns wohl, die vereinzelt im Bodenseegebiet brüten. In anderen Lebensräumen, zum Beispiel im Wald, ist die Situation teilweise anders. So haben einige Spechtarten im Bestand zugenommen, darunter der Schwarzspecht.“
Insgesamt betrachtet haben wir in Vorarlberg einen Artenverlust.
Markus Grabher

www.gifis.at; www.umweltbundesamt.at/umweltsituation/naturschutz/naturrecht/int_konventionen/biodiv_konvention