Rudolf Öller

Kommentar

Rudolf Öller

Hazard

28.06.2019 • 14:16 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Mondrakete Saturn V war zuvor nur zweimal unbemannt getestet worden. Ihr dritter Flug sollte drei Astronauten zum Mond bringen. Eine Mondlandung war nicht möglich, weil sich die Fertigstellung der Mondlandefähre verzögerte. In der NASA wusste niemand, was die Sowjets vorhatten, daher wollten die Amerikaner auf Biegen und Brechen wenigstens die ersten sein, die eine Mannschaft in einem „Kommando-Servicemodul“ (CSM) in eine Mondumlaufbahn schickten.

Die Presse lebte schon damals von bloßen Vermutungen. Kurz vor dem Flug von Apollo 8 schrieb das Nachrichtenmagazin Spiegel: „Je länger das Rennen dauert, umso deutlicher wird, dass die beiden Supermächte einander in der Raumfahrttechnik ebenbürtig sind“. In anderen Medien wurden ähnliche Märchen verkündet. Niemand wusste damals, dass die Sowjets nach der vierten Explosion ihrer Mondrakete „N1“ ihr Mondprogramm beendet hatten. Trotzdem geisterten wochenlang erfundene Geschichten von russischen Superkosmonauten und ihren Wunderraketen durch die Medien.

Totenfeier

Apollo 7 startete am 11. Oktober 1968 in Cape Canaveral. Es war der erste bemannte Test mit der Drei-Mann-Apollokapsel und der einzige, der mit der kleineren Saturn 1B-Rakete durchgeführt wurde. Apollo 8 startete kurz darauf am 21. Dezember 1968. Der Flug war das riskanteste Unternehmen, auf das sich die NASA jemals eingelassen hat. Die Astronauten Frank Borman, James Lovell und William Anders wussten um die Gefahren.

Bormans Frau war so verzweifelt, dass sie noch während des Raumflugs die Totenfeier für ihren Mann vorbereitete.

Das Jahrhundertfoto

Die „Lunar Orbit Insertion“ (LOI), der Einschuss in die Mondumlaufbahn, funktionierte perfekt. Kurz darauf entstand zu Weihnachten 1968 das berühmteste Foto des 20. Jahrhunderts, als die Erde hinter dem Mondhorizont aufging. Die drei Astronauten waren sich später nicht einig, wer „Earthrise“, das erste Foto von der aufgehenden Erde, gemacht hat. Erst nach den Auswertungen der Bordgespräche wurde klar, dass Frank Borman nach einer Drehung des Raumschiffs als erster die aufgehende Erde durch die kleine Luke sah und Bill Anders kurz darauf alle Bilder machte. Die Fotos der wunderschönen blau-weiß-braun-grünen Erde, die wie ein kugelförmiges Raumschiff allein im Nirgendwo schwebte, führte einige Jahre später zur Gründung der großen Umweltbewegungen.

Apollo 8 umrundete den Mond zehnmal, wobei Bilder von möglichen späteren Landestellen gemacht wurden. Der Rückflug bot Zeit zur Entspannung. Die Kapsel wasserte am 27. Dezember 1968 im Nordpazifik.

(Das traditionelle Sommerthema des VN-Scheinwerfers ist in diesem Jahr „50 Jahre Mondlandung“.)

„Kurz darauf entstand zu Weihnachten 1968 das berühmteste Foto des 20. Jahrhunderts, als die Erde hinter dem Mondhorizont aufging.

Rudolf Öller

rudolf.oeller@vobs.at

Mag. Dr. Rudolf Öller ist
Biologe und Lehrbeauftragter
des Roten Kreuzes.