Rudolf Öller

Kommentar

Rudolf Öller

Der Sputnikschock

Wissen / 05.07.2019 • 11:06 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Auf einer viel besuchten Internetseite war vor einem Jahr Folgendes zu lesen: „Infolge jenes Sputnikschocks gründete Präsident Dwight D. Eisenhower am 29. Juli 1958 … die NASA. Was für ein Armutszeugnis ist es, dass amerikanische Astronauten heute – mehr als 60 Jahre nach dem Sputnikschock – in Baikonur in eine Sojus Rakete steigen müssen, um den Weltraum erreichen zu können.“

Es ist schon richtig, dass alle Nationen, die am Betrieb der internationalen Raumstation ISS beteiligt sind, noch auf Russlands Sojusraketen angewiesen sind. Dieser „Rückstand“ täuscht jedoch. Während die Russen mit einem 50 Jahre alten Raumschiff und einem ebenso alten Raketenmodell in eine Erdumlaufbahn fliegen, haben die Amerikaner in den letzten Jahren nicht geschlafen. Sie haben neue Trägersysteme und neue Raumschiffe konstruiert. Die neue Rakete wird „Space Launch System“ (SLS) heißen und die Größe der legendären Saturn V haben. Ein erster bemannter Flug ist für 2022 vorgesehen. Das Raumschiff Orion sieht aus wie die Apollokapsel, ist aber bedeutend größer und bietet Platz für maximal sieben Astronauten. SLS und Orion werden die Basis für eine zweite Serie von Mondflügen und später eventuell für Marsmissionen sein.

Der Sputnikschock vom Oktober 1957 war die Folge einer sträflichen Unterschätzung der Sowjetunion. Niemand in den USA trauten es dem „Bauernvolk“ der Russen zu, einen Satelliten ins All zu schießen. Nach dem Flug von Sputnik 1 war sofort klar, dass die Kommunisten im internationalen Machtpoker lauter Asse in der Hand hatten. Wer einen Satelliten hochschießen kann, der kann jeden Punkt der Erde mit einer Atombombe treffen. Nach Sputnik 1 ging es Schlag auf Schlag. Es folgten Sputnik 2 mit dem ersten Lebewesen im All (Hündin Leica), die erste Raumsonde (Lunik 1), der erste Mensch im All (Juri Gagarin), die erste Frau in der Erdumlaufbahn (Walentina Tereschkowa) und der erste Weltrauspaziergang (Alexei Leonow).

Sex im All

Die Russen hatten auch den ersten Sex im Weltall. Die Kosmonautin Swetlana Sawizkaja war die zweite Frau im Weltall und die erste, die ein Raumschiff zu einem Außeneinsatz verließ. Ihr erotisches Vergnügen wurde nicht offiziell verkündet, sondern nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion durch eine Indiskretion bekannt.

Die USA konnten die Niederlagen nicht dulden. Sie nahmen die Herausforderung sowohl aus sportlichen als auch aus militärischen Gründen an und starteten ein Aufholprogramm. Am Ende triumphierten die Amerikaner mit ihrer Saturn-Rakete, ihrem Apollo-Raumschiff und ihrem Helden Neil Armstrong.

(Das traditionelle Sommerthema des VN-Scheinwerfers lautet in diesem Jahr „50 Jahre Mondlandung“.)

„Sie nahmen die Herausforderung sowohl aus sportlichen als auch aus militärischen Gründen an und starteten ein Aufholprogramm“

Rudolf Öller

rudolf.oeller@vobs.at

Mag. Dr. Rudolf Öller ist
Biologe und Lehrbeauftragter
des Roten Kreuzes.