Rudolf Öller

Kommentar

Rudolf Öller

Der Wissenschaftsfürst

Wissen / 06.09.2019 • 09:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Alexander von Humboldt wurde vor 250 Jahren, am 14. September 1769, geboren. Er war Sohn eines preußischen Offiziers, der eine reiche Witwe geheiratet hatte. Die Familie war wohlhabend, Alexander und sein Bruder wurden von Hauslehrern unterrichtet, die Anhänger der Aufklärung waren. Alexanders frühes Interesse an der Natur war auffallend. Nach dem Tod des Vaters wollte die Mutter ihre Söhne für den gehobenen Staatsdienst erziehen lassen. Der Privatunterricht der beiden Brüder hatte sehr hohes Niveau. Später wurden sie nach Frankfurt an der Oder auf die Universität geschickt.

Der erste Ökologe

1791 bekam Alexander eine Anstellung im Staatsdienst als Bergbeamter, dem ein Studium an einer Montanhochschule vorausging. Der junge Mann erwarb hier umfassende praktische Kenntnisse in Mineralogie und Geologie. Im Rahmen seiner Tätigkeit reformierte er den Bergbau von Grund auf, worauf er von seinem Ressortminister zum Oberbergrat befördert wurde. Alexander entdeckte bei seinen Besuchen in den Bergwerken Pilze und Flechten, beschrieb sie und ihre Umweltbedingungen und wurde so zu einem der ersten wissenschaftlich arbeitenden Ökologen. Nachdem er auch viele Blütenpflanzen untersucht hatte, vertrat er erstmals die (richtige) These, dass der Kohlenstoff der Pflanzen nicht aus dem Boden, sondern aus der Luft (CO2) kam. Nach dem Tod der Mutter erbte Alexander von Humboldt ein Vermögen. Er schied aus dem Staatsdienst aus, um sich als Naturforscher und Wissenschaftler unabhängig zu machen. Er strebte eine „Naturgeschichte der Welt“ an, eine Darstellung des gesamten naturwissenschaftlich-geographischen Wissens der Zeit, das er auf seinen geplanten Forschungsreisen stark erweitern wollte. Humboldts mehrjährige Forschungsreisen führten ihn nach Süd-, Mittel- und Nordamerika sowie in die Karibik und nach Zentralasien. Wissenschaftliche Studien betrieb er in den Bereichen Biologie, Physik, Chemie, Geologie, Mineralogie, Ozeanographie und Astronomie, aber auch zu Fragen der Ethnologie. Humboldt hielt Sklaverei für ein Verbrechen und er vertrat nach Temperatur- und Niederschlagsmessungen die Meinung, dass großflächige Abholzungen das Klima verändern können.

In Deutschland erlangte von Humboldt enorme Popularität. Sein bereits zu Lebzeiten hohes Ansehen zeigte sich in Bezeichnungen wie „wissenschaftlicher Wiederentdecker Amerikas“, „Wissenschaftsfürst“ und „der neue Aristoteles“. Er wurde in zahlreiche in- und ausländische Akademien aufgenommen. Alexander von Humboldt war einer der letzten Universalgelehrten. Rechtzeitig zum 250. Geburtstag erscheint eine Gesamtausgabe seiner Werke.

„Alexanders frühes Interesse an der Natur war auffallend.“

Rudolf Öller

rudolf.oeller@vobs.at

Mag. Dr. Rudolf Öller ist
Biologe und Lehrbeauftragter
des Roten Kreuzes.