Schneemangel

Wissen / 26.01.2020 • 10:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Es könnte noch viel schlimmer sein, und zu viel Schnee ist auch nicht gut. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Es könnte noch viel schlimmer sein, und zu viel Schnee ist auch nicht gut. VN/Steurer

Warum man aufpassen sollte, was man sich wünscht.

Schwarzach Der allgemeine Schneemangel macht alle nervös, die sich vor dem Klimawandel fürchten, also fast alle. Der heutige Beitrag soll Trost spenden: Es könnte noch viel schlimmer sein, und zu viel Schnee ist auch nicht gut! Die Erde hatte schon einmal solche Zeiten. Vor 750 Millionen Jahren gab es auf der Erde nur einen einzigen Urkontinent. Dieser Urkontinent „Pangäa“ zerbrach in große Schollen, die alle in Äquatornähe verteilt waren. Noch kein Leben auf diesen Kontinenten, dafür aber jetzt bedeutend mehr Küsten als vorher. Wie änderte sich dadurch das Klima? Es wurde weltweit ozeanischer. Es regnete viel mehr, die Verwitterung nahm zu. Verwitterung heißt vor allem: mehr ozeanisches Klima, bedeutend mehr Regen. Jetzt kommt wieder Kohlendioxid ins Spiel. Das ist eigentlich ein aggressives Gas. Mit Wasser bildet es nämlich Kohlensäure. Die ist zwar schwach, bildet sich aber ununterbrochen bei jedem Regen, trifft auf die Gesteine der Kontinente und löst sie auf. Allmählich natürlich, wirklich nur sehr allmählich, aber doch. Es bilden sich Calcium und Magnesiumkarbonate, die sind in Wasser löslich und werden von den Flüssen der Welt in die Meere der Welt geschwemmt.

Es wird kälter

Das heißt: Der Kohlendioxidgehalt der Luft nahm ständig ab. Weniger Treibhausgas: es wird kälter. An den Polen bilden sich Eiskappen, das Eis reflektiert mehr Sonnenlicht als das offene Ozeanwasser. Dadurch wird es noch kälter. Dieser Vorgang ist so intensiv, dass der Planet innerhalb von tausend Jahren zufriert. Die Durchschnittstemperatur lag bei minus 50 Grad. Die Ozeane trugen einen Eispanzer von einem Kilometer Dicke. Weiter unten in der Erde läuft alles normal, Vulkane sind nach wie vor tätig, schmelzen sich durch das Eis und blasen wie seit Urzeiten auch Riesenmengen Kohlendioxid in die Atmosphäre. Dort bleibt es auch, weil es keine Niederschläge mehr gibt. Das Gas erreicht ungewöhnlich hohe Konzentrationen und wirkt nach wie vor als Treibhausgas. Die Atmosphäre wird wärmer. In den Tropen beginnt das Meereis aufzutauen, das offene Wasser nimmt mehr Sonnenstrahlung auf, es wird noch wärmer, innerhalb von ein paar hundert Jahren wird die Erde vom Tiefkühlschrank zur heißen Wüste. Durchschnittstemperatur bei 50 Grad plus. Dafür gibt es jetzt massiven Regen, massive Verwitterung der Gesteine, der wahnwitzig hohe Kohlendioxidgehalt nimmt ab, die Temperaturen werden normal. Und das ist wirklich passiert? Es ist eine Hypothese, das heißt, die Wissenschaftler streiten sich heftig. Kann so was wieder passieren? Solang nicht alle Kontinente wieder zu einem großen Superkontinent zusammengewachsen sind, eher nicht. Vielleicht sollte man das Gejammer „Kein Schnee, kein Schnee!“ etwas eindämmen, sonst findet Mutter Erde einen Weg, wie es schneller geht . . . Christian Mähr