Luftschiffe

Wissen / 02.02.2020 • 11:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das entsprechende Luftschiff müsste natürlich ein bisschen größer sein als das Ausflugsgefährt vom Bodensee. DPA

Mittel gegen die Flugscham?

Schwarzach Flugscham – ein neues Gefühl in Zeiten des Klimawandels, auch wenn man an den Passagierzahlen der Luftlinien noch keine weite Verbreitung dieser Befindlichkeit ablesen kann; es dürfte sich um ein mediales Phänomen handeln. Wie dem auch sei, gibt es keine CO2-sparende Fortbewegung durch die Lüfte? Oder müssen wir in Zukunft alle Tausende Kilometer mit der Bahn fahren wie Frau Thunberg? – Natürlich gibt es eine Alternative, über Vorarlberg kann man sie hie und da bewundern: das Luftschiff!

Es müsste natürlich ein bisschen größer sein als das Ausflugsgefährt vom Bodensee. Betrachten wir die berühmte „Hindenburg“. Ja, die ist verbrannt, den Film hat jeder im Kopf, auch 80 Jahre nach der Katastrophe, aber das ist der Anwesenheit der Kamera und eines Radioreporters geschuldet, nicht der Schwere des Unglücks. Von den 97 Menschen an Bord kamen nur 35 um, ein Wunder. Wenn man bedenkt, dass hier 200.000 Kubikmeter Wasserstoff in einer halben Minute verbrannt sind. Von der britischen „R 101“, die sich sieben Jahre vor der Hindenburg in Nordfrankreich in den Boden bohrte und verbrannte, redet kein Mensch mehr, dort haben nur sechs Menschen überlebt. Moderne Luftschiffe sind mit unbrennbarem Helium gefüllt, das erzeugt ein paar Prozent weniger Auftrieb, ist aber viel sicherer. Bei den Kosten gibt es keinen himmelweiten Unterschied. Ein Kubikmeter Helium kostet ungefähr einen Euro, ein Kubikmeter Wasserstoff 85 Cent. Natürlich ist das bei mehreren Hunderttausend Kubikmetern Füllung zukünftiger Luftschiffe ein Kostenfaktor; man kann die Gase beim Landen nicht einfach ablassen; sie starten sowieso mit Auftrieb durch riesige Tragflächen.

Fahren, nicht fliegen

Dann der Antrieb: Bei der Hindenburg 4 Dieselmotoren mit insgesamt 2400 Kilowatt drehten Holzpropeller mit sechs Metern Durchmesser, damit erreicht ein Apparat, gegen den ein A 380 aussieht wie ein Spielzeugflugzeug, 125 kmh! Mit 88.000 Litern Diesel hätte die „Hindenburg“ 16.000 Kilometer weit fahren können (bei Luftschiffen spricht man von „fahren“ nicht von „fliegen“). Das entspricht 550 Liter pro hundert Kilometer. Ein Jumbojet verbraucht auf der Langstrecke im Schnitt 1400 Liter Kerosin pro hundert Kilometer. Natürlich ist der Jet schneller und nimmt mehr Leute mit, andererseits wird man ein Luftschiff heute nicht mehr mit der Technologie der dreißiger Jahre betreiben, auch das Verhältnis Crew zu Passagieren gleich 1:1 ist obsolet.

Der größte Vorteil des Luftschiffs: Es kann solarelektrisch oder mit Wasserstoffbrennstoffzellen angetrieben werden. (Schon wieder Wasserstoff …) Problem sind die schweren Speicher. Nur ca. fünf Prozents ihres Gewichts ist Brennstoff. Überschlagsmäßig würden diese Druckspeicher einer „Hindenburg 2.0“ bei einer 4000 Kilometerreise mit 125 km/h 61 Tonnen wiegen. Da geht noch was! Christian Mähr