„Gitarre war immer mein Lieblingsinstrument“

Wohin / 13.11.2014 • 12:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Gitarrenvirtuose Silfredo Pérez wurde in Venezuela geboren und lebt jetzt in Götzis. Foto: Veranstalter  
Gitarrenvirtuose Silfredo Pérez wurde in Venezuela geboren und lebt jetzt in Götzis. Foto: Veranstalter  

Silfredo Pérez ist demnächst beim Gitarren-zyklus AMBACH in Götzis zu hören.

schwarzach. Er hat sich ganz dem Gitarrenspiel verschrieben: Silfredo Pérez. Der in Götzis lebende venezolanische Musiker im Interview.

Was haben Sie für eine musikalische Ausbildung genossen?

Perez: Ich habe in Venezuela gleichzeitig Gesang und Gitarre studiert. Kurz vor dem
Abschluss entschied ich mich für Gitarre. Damals ergab sich die Möglichkeit, nach Europa zu gehen. 1988 kam ich dann nach Österreich, was immer mein Kindheitstraum war, nachdem ich einmal ein Neujahrs-Konzert im Fernsehen gesehen hatte. In Österreich studierte ich Gitarre an der Universität für Musik und schloss mein Studium 1998 ab. Danach arbeitete ich fünf Jahre lang als Direktor und Lehrer der Staatlichen Musikschulen auf Teneriffa. Dort gründete und leitete ich das internationale Gitarrenfestival von Los Realejos im Norden der Insel. Zurzeit arbeite ich an meiner Dissertation an der Musik-Uni Wien.

Sie beherrschen die Gitarre in Perfektion. War dieses Instrument immer Ihr Favorit?

Perez: Die Gitarre war schon immer mein Lieblingsinstrument. Man wächst in Südamerika inmitten einer großen Gitarrentradition auf.

Was ist für Sie das Faszinierende an diesem Instrument?

Perez: Wie Leo Brouwer sagt: „Es ist ein kleines Orchester.“ Die Gitarre hat in vielen Kulturen einen hohen Stellenwert und hat ein vielseitiges Repertoire. Ich glaube, die Beziehung zum Zupfinstrument ist in uns Menschen tief und lange verwurzelt, so wie auch zu Percussions-instrumenten.

Auch das Cuatro spielen Sie perfekt, eine kleine viersaitige Gitarre . . .

Perez: Das Cuatro ist das Nationalinstrument von Venezuela. Als Kind musste ich mich entscheiden, ob ich als Geschenk lieber ein Fahrrad oder ein Cuatro möchte, ich nahm das Cuatro. Es war also mein „ Spielzeug“, meine „Beschäftigung“ und ich übte und übte und übte. Das Cuatro ist an und für sich ein Begleitinstrument. Daraus ein solistisches Instrument zu machen, verlangt viel Geschicklichkeit und Mut. Aber ich mag Herausforderungen. Heutzutage gibt es in Venezuela mehrere mutige Virtuosen auf dem Cuatro, die sehr hohe Kunst damit erreichen.

Sie spielen gemeinsam mit Vorarlberger Musikern. Mit euren Darbietungen bewegt ihr euch auf sehr hohem Niveau. Wie oft und wie lange probt ihr?

Perez: Ich habe hier in Vorarlberg sehr interessante und wertvolle Kollegen, gute Musiker und feine Menschen. Bei dieser engen Zusammenarbeit muss die Chemie stimmen. Wir sind alle sehr beschäftigt als Pädagogen oder Interpreten und proben Wochen vor dem Konzert sehr, sehr intensiv. Eine Probe kann bis zu sechs Stunden dauern, dazwischen gibt’s Kaffeepause und lateinamerikanische Leckerbissen.

Welches Publikum wollen Sie mit Ihrer Musik ansprechen?

Perez: Ich weiß, was vom „Fach“ erwartet wird, aber auch was der Gitarrenliebhaber mag. Beide Erwartungen sind von großem Gewicht, aber nicht einfach gleichzeitig zu erfüllen. Unser Programm ist eine Mischung, die beide Erwartungen erfüllen kann. Bei Serenata Latina erwarten den Zuschauer rhythmische sowie harmonische Raritäten.

Sie unterrichten auch Gitarre. Welche drei Eigenschaften braucht ein Schüler, um ein guter Gitarrespieler zu werden?

Perez: Willenskraft, Leidenschaft und zweierlei Glaube: der Glaube an das, was er können wird bzw. Selbstvertrauen und der Glaube an die Musik als starkes Medium. Und eine vierte ganz sicher: Geduld. Das Wichtigste beim Lernen ist aber die Lust am Musizieren. Daraus kann ein guter Lehrer viel machen.

Zur Person

Silfredo Pérez
Geboren: In Venezuela vor etlicher Zeit. Vater aus Spanien, Mutter aus Venezuela.
Familienstand: ledig
Lebensmotto: Das Leben wurde uns geschenkt, um glücklich zu werden und glücklich zu machen

Gitarre AMBACH: Serenata Latina mit Silfredo Pérez, 24. November ab 20 Uhr in der Kulturbühne AMBACH in Götzis. Karten: Musikladen (05522/41000).