Zwei Spätpubertierer als Publikumsmagneten

Sie sind wieder auf Tour. Noch drei Mal treten die Brüder Fleisch im Land live auf.
Dornbirn. Wer kennt sie nicht, Lieder wie „Lumpasalot“, „Hoamat“ oder „Kindsköpf“. Fleisch und Fleisch sind in Vorarlberg eine Marke. Vor ihren letzten zwei Konzerten in Hard und in Rankweil baten wir sie zum Interview.
Gehört Ihr zu jenen, die sagen, Live-Auftritte sind das Größte?
Gerald Fleisch: Es ist nicht zwingend live vor großem Publikum. Das natürlich auch. Uns geht es vor allem um das Zusammenspiel – das Gemeinschaftserlebnis.
Elgar Fleisch: Live ist durch nichts zu ersetzen. Mit live meine ich auch keine Technologie. Nur Singen und Instrumente. Dann fangen die schönsten Momente an, jene, in denen sich die Zeit auflöst und du nur beim Musizieren bist.
Was darf das Publikum von Euch bei der diesjährigen Konzertreihe erwarten?
Gerald: Zwei Brüder, die Freude an der Musik haben. Zwei Spätpubertierer mit Blödsinn im Kopf.
Elgar: Man kann auch sagen zwei Altjugendliche, die sich freuen, mit drei Profimusikern zusammen auf der Bühne zu sein.
Gerald: Und Profis müssen sie sein. Stets präsent, denn sie wissen nicht immer was wir tun. Wir können zum Beispiel eine Strophe einfach weglassen oder einen falschen Schluss spielen. Sie müssen immer ein paar unverbindliche Akkorde auf Lager haben, um unsere Unzulänglichkeiten auszubaden.
Und sie rächen sich dann nie?
Elgar: Doch, das tun sie. Sie können dann auf einmal doppelt so schnell spielen und bringen uns dadurch in Schwierigkeiten. Vor allem Rolf Aberer ist diesbezüglich sehr erfinderisch.
Ihr habt so viele Ohrwürmer geschrieben. Wird es nicht immer schwerer, neue Hits zu kreieren?
Elgar: Man darf sich nicht unter Druck setzen. Je weniger man sich darauf konzentriert, ein Lied herzubringen, desto leichter geht es. Es gibt Phasen, da werden dir Dinge einfach zugespielt. Das ergibt sich.
Gerald: Du wirst im Laufe der Zeit anspruchsvoller. Du denkst mehr über Texte und Melodien nach. Was du früher noch bedenkenlos genommen hättest, hinterfragst du jetzt viel mehr.
Habt Ihr Euch in all den Jahren als Typen verändert?
Gerald: Ich entdecke bei mir erste Vorboten einer dem Alter geschuldeten Gelassenheit. Quasi einen nahtlosen Übergang von der Spätpubertät in ein gesetzteres Alter.
Elgar: Ich denke, dass sich unsere Alters- und Persönlichkeitsentwicklung in den CDs widerspiegelt. „Nüne“ ist ein Produkt des Entwicklungsstandes, in dem wir uns derzeit befinden. Zumindest sehe ich das für mich so.
Nach welchen Kriterien wählt Ihr die Orte Eurer Live-Auftritte aus?
Gerald: Es sind dies langjährige Partner von uns, die uns praktisch durch unsere Karriere hindurch begleitet haben. Wir wissen, was wir an ihnen haben und sind immer froh, wenn wir uns um nichts anderes kümmern müssen, als um unseren Auftritt.
Stichwort Auftritt. Seid Ihr eigentlich noch nervös vor einem solchen?
Elgar: Ich für mich kann sagen, dass ich bis vor rund vier Jahren schon noch nervös war. Aber das hat sich zwischenzeitlich gelegt. Wir sind wohl beide noch ein bisschen angespannt, aber nicht mehr. Und sobald das Konzert anfängt, ist auch das weg. Dann regieren der Spaß und die Freude.
Könnt Ihr Euch noch an Euren ersten Live-Auftritt erinnern?
Gerald: Das war in der Vorarlberger Landesbibliothek. Da waren unsere Verwandten und fünf andere Zuhörer.
Gibt es schon Ideen für neue Songs nach „Nüne“?
Elgar: Ich habe schon ein Lied.
Gerald: Ich noch nicht.
Fleisch und Fleisch
Freitag, 11. März: Kammgarn Hard, 20.30 Uhr
Donnerstag, 17. März: Altes Kino Rankweil, 20 Uhr
Karteninfos unter www.kammgarn.at sowie www.alteskino.at